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Mecklenburg-Vorpommern

05. Dezember 2016 | 09:28 Uhr

Interview Dieter Schumann : Filmszene seit Jahren unzufrieden mit Filmförderung

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Andreas Frost sprach mit ihm über die Pläne der neuen Landesregierung

Der Dokumentarfilmer Dieter Schumann engagiert sich seit Jahren für die Filmförderung in Mecklenburg-Vorpommern. Andreas Frost sprach mit ihm über die Pläne der neuen Landesregierung.

Herr Schumann, die neu aufgelegte Koalitionsregierung will die Film- und Medienförderung stärken. Die kulturelle Filmförderung und die wirtschaftliche Filmförderung sollen gebündelt werden. Wie sollte die Förderung Ihrer Meinung nach aussehen?

Schumann: Film ist wie Theater ein subventioniertes Kulturgut. Film gehört zur kulturellen Grundversorgung; man muss ihn pflegen. Wir brauchen eine substanzielle Förderung, damit eine eigene Produzenten-Szene in Mecklenburg-Vorpommern existieren oder sogar wachsen kann. Wir brauchen ähnliche Bedingungen wie sie in anderen Bundesländern üblich sind.

Was sollte gefördert werden?
Auf Film gebannte Zeitzeugnisse, das audiovisuelle Gedächtnis, die Ideen und das Engagement in diesem Land. Wir müssen uns fragen, was wir künftigen Generationen an Erinnerungen von unserer Zeit überliefern. Das kann man am besten mit Dokumentarfilmen festhalten.

Warum eine Beschränkung auf den Dokumentarfilm?
Das habe ich nicht gesagt. Es gibt große Stoffe, die mit der Geschichte des Landes zu tun haben oder mit prägnanten Menschen aus diesem Land, bei denen dies auch der Spielfilm leisten kann. Aber der Stoff sollte etwas mit der Identität des Landes zu tun haben.

Um Zeitzeugnisse herzustellen, braucht man keine hiesigen Produzenten. Filme können auch andere drehen...
Ich glaube zutiefst, das sollten Produzenten – also Autoren, Kameraleute, Regisseure – machen, die hier ihre Wurzeln haben. So wird ein Zeitzeugnis authentisch. Wer in Berlin sozialisiert wurde, wird immer den Blick von außen haben. Man sollte eine große emotionale und soziale Nähe zum Land haben.

Sie würden keine Filme mehr fördern, die hier gedreht werden, aber nicht mit dem Land zu tun haben?
Für das Land bringt es nicht viel, wenn sich für wenige Tage ein Drehteam hier einquartiert und versorgt werden muss. Und nur damit Mecklenburg-Vorpommern irgendwo als Kulisse auftaucht – das ist zu wenig. Die Filmfördermittel sind knapp. Man muss sie sehr sorgfältig verwenden.

Bislang gab es pro Jahr gut 200 000 Euro an Filmfördermitteln. Wie viel wäre Ihrer Meinung nach angemessen?
1,5 Millionen Euro pro Jahr vom Land hätten schon den Effekt, dass die hiesige Produzenten-Szene, die sich tapfer über Wasser hält, einen Impuls bekommt, sich mit sozialen und kulturellen Themen aus dem Land zu befassen.

Es hätte auch den Effekt, dass wir endlich an die Fördertöpfe des Bundes herankommen. Die sind mit viel Geld bestückt. Aber man bekommt in der Regel nur etwas ab, wenn das Land einen Anschub finanziert. Und es hätte den Effekt, dass sich der NDR mehr als bisher engagiert. Die Signale dazu gibt es. Und wenn sich der NDR beteiligt, tut das eventuell auch das ZDF.

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erstellt am 03.Nov.2016 | 12:00 Uhr

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