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Mecklenburg-Vorpommern

30. Juli 2016 | 22:45 Uhr

Gesundheitswesen : Fehler in jeder zehnten Rechnung

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Krankenhäuser weisen pauschale Betrugsvorwürfe zurück: Schuld sei der komplizierte Abrechnungsmodus

Diese Nachricht hört kein Patient gern: Bundesweit sei gut jede zweite überprüfte Krankenhaus-Abrechnung falsch, reklamierte jüngst der Spitzenverband der gesetzlichen Krankenkassen und sprach von einem Schaden für die Beitragszahler in Höhe von rund 2,3 Milliarden Euro.

Im Land indess sieht man die Thematik weniger aufgeregt. „Jede Rechnung durchläuft bei uns eine Plausibilitätsprüfung“, erläutert der Sprecher der AOK Nordost, Markus Juhls. Dies sei eine interne Prüfung, nur wenn dabei Zweifel auftreten, würde der Medizinische Dienst der Krankenversicherung, der MDK, eingeschaltet. Das sei bei etwa jeder fünften Krankenhausrechnung der Fall. „Von den dort überprüften Rechnungen erweist sich schließlich fast die Hälfte tatsächlich als falsch“, so Juhls. Daraus den pauschalen Vorwurf des Abrechnungsbetrugs zu erheben, sei aber unangebracht. „Viele Fehler gehen auf den Abrechnungsmodus zurück“, weiß der AOK-Mann.

Auf die Abrechnungsmodalitäten als Fehlerquelle verweist auch der Geschäftsführer der Krankenhausgesellschaft des Landes (KGMV), Wolfgang Gagzow. „zu kompliziert und oft mehrdeutig, das ist das Grundproblem.“ Das Gros der Krankenhausleistungen wird über diagnoseorientierte Fallpauschalen – kurz DRG’s – abgerechnet. Die genaue Definition der einzelnen Fallpauschalen ist neben der jährlich neu erscheinenden Krankenhausfallpauschalenverordnung im jeweils aktuell gültigen DRG-Definitionshandbuch zu finden. Zudem müssten individuelle Umstände des einzelnen Krankenhauspatienten berücksichtigt werden.

KGMV-Justiziarin Liana Rademske-Grell erläutert an einem Beispiel, wozu dieses komplizierte Recht führen kann: „Ein Diabetiker kommt mit Herz-Kreislauf-Problemen ins Krankenhaus. Je nachdem, was als Haupt- und was als Nebendiagnose eingetragen wird, ergeben sich ganz unterschiedliche Kosten – für exakt dieselbe Behandlung.“ Gagzow zufolge müssten Krankenhausärzte zwischen zehn und 60 Prozent ihrer Arbeitszeit darauf verwenden, dem MDK zu erklären, warum sie einen Kranken wie behandelt und was sie dafür abgerechnet haben.

In Mecklenburg-Vorpommerns Krankenhäusern würden jährlich 440 000 Patienten stationär und eine weitere Million ambulant behandelt – da kämen schier unübersehbare Datengebirge zusammen…

Gagzow sieht hinter den jährlich wieder aufkommenden Vorwürfen des Abrechnungsbetruges ohnehin in erster Linie politische Ziele. Schließlich sei gerade ein Gesetz zur „Weiterentwicklung der Finanzstruktur und der Qualität in der Gesetzlichen Krankenversicherung“ auf den Weg gebracht worden. Fragen der Qualitätssicherung würden sich auch die Krankenhäuser keinesfalls verschließen. Aber dafür seien Aufwendungen notwendig, die refinanziert werden müssen. Wenn zum Beispiel Anforderungen an die Mindestausstattung mit Personal gesetzlich geregelt würden, müsse das in den Fallpauschalen vollständig finanziell berücksichtigt werden, fordert KGMV-Geschäftsführer Gagzow: „Wir wollen unsere Mitarbeiter entsprechend ihrer verantwortungsvollen Aufgabe gerecht bezahlen können.“


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erstellt am 03.Jul.2014 | 20:50 Uhr

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