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Mecklenburg-Vorpommern

10. Dezember 2016 | 11:44 Uhr

Streit um Escort-Service : Federau soll von Landtagsliste

vom

Jetzt hat die Geduld mit AfD-Spitzenpolitikerin Petra Federau  offenbar auch in den eigenen Reihen ein Ende: Nachdem sie mehreren Aufforderungen sowohl des Kreis- als  auch des Landesvorstandes der Alternative für Deutschland (AfD) nicht nachgekommen war, in einem persönlichen Gespräch zum Wahrheitsgehalt  der gegen sie erhobenen Vorwürfe Stellung zu nehmen, soll die Schwerinerin nun von Platz drei der Landtagswahlliste gestrichen werden. 

Durch Recherchen unserer Redaktion war in der vergangenen  Woche aufgedeckt  worden, dass Federau bei  der Kandidatenkür für die Landtagswahl wichtige Details aus ihrem Leben verschwiegen hatte. So soll sie in den Jahren 2009   und 2010 Frauen für einen hier in der Region, vor allem aber auch  im arabischen Raum tätigen Escort-Service  angeworben haben. Das belegen uns vorliegende Dokumente, die von Federau unterschrieben sind. Wie die „Bild“  heute berichtete, soll  auch Petra  Federau  selbst in Dubai und Abu Dhabi  Kunden gehabt haben. Ein nicht ungefährliches Unterfangen: Frauen, die in den Emiraten in den Verdacht der Prostitution kommen, werden  mit Gefängnis  bestraft, schlimmstenfalls   sogar ausgepeitscht.

Die AfD-Anhängerschaft findet Federaus Vorleben wohl nicht hinderlich für ein landespolitisches Engagement, das legen zahlreiche Leserzuschriften nahe. Indes versuchte der AfD-Landesvorstand, nähere Informationen von ihrer Landtagskandidatin zu bekommen. Mehrfach, so AfD-Landessprecher  Leif-Erik  Holm, hätten Parteigremien versucht,  Kontakt zu Petra Federau aufzunehmen. Der sei jedoch nie  zustande gekommen. Über ihren Anwalt hätte sie zwar einmal einen Gesprächstermin angeboten, diesen dann aber selbst nicht eingehalten.

Der AfD-Kreisvorstand Mecklenburg-Schwerin betonte gestern, die AfD sehe sich nicht als Hüterin einer Sexualmoral der 1960er-Jahre. Die Stigmatisierung einer Tätigkeit wie im Escort Service erscheine heute nicht mehr angebracht. Problematisch sei allerdings, dass die Listenkandidatur ohne Kenntnis dieses Umstandes zustande kam.

Petra Federau wird dem rechten Parteiflügel zugerechnet. So war sie in  der Vergangenheit immer wieder im Internet mit abfälligen Äußerungen über Ausländer aufgefallen. Nach den zweistelligen AfD-Wahlergebnissen bei den jüngsten Landtagswahlen  werden der Partei auch bei der Wahl im September im Nordosten große Chancen auf Einzug in den Landtag eingeräumt.

Doch geht es nach dem Landesvorstand, wird Petra Federau dann nicht mit  ins Schloss  ziehen. Wie AfD-Landessprecher  Leif-Erik Holm heute auf Nachfrage unserer Redaktion bestätigte, sei ein Beschlussverfahren in Gang gesetzt  worden, wonach    der Politikerin nahegelegt werden soll, den aussichtsreichen Listenplatz selbst zu räumen. Tut sie das nicht, werde geprüft, wie eine Streichung von der Liste zu bewerkstelligen sei.

Grundsätzlich sei das möglich, so Holm, derzeit müsse aber rechtlich bewertet werden, auf welchem Weg das geschehen kann. Wäre  der Wahlvorschlag bereits bei  der Landeswahlleiterin eingereicht worden, könnten die beiden auf dem Landesparteitag gewählten Vertrauenspersonen in einem gemeinsamen Votum über die  Streichung von der  Landesliste befinden. Doch noch sei  der Wahlvorschlag nicht eingereicht  worden, deshalb müsse jetzt geprüft werden, ob das Procedere ein anderes sein muss. Wenn erforderlich, so betonte Holm, werde aber auch ein Parteitag  einberufen, der dann über  die  Streichung Federaus von der Landesliste abstimmen müsste.

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erstellt am 21.Mär.2016 | 17:49 Uhr

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