zur Navigation springen

Mecklenburg-Vorpommern

05. Dezember 2016 | 09:25 Uhr

Aus dem Gerichtssaal : Fahrlehrer gesteht Auftragsmord

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Der Fall ist in der Region Schwerin als „Plater Auftragsmord“ bekannt. Die Ex-Ehefrau, mit der der Fahrlehrer einen bösen Scheidungskrieg führte, überlebte den Anschlag in ihrem Haus in Plate im März 1996 schwer verletzt

Ein früherer Fahrlehrer hat vor dem Schweriner Landgericht den 52-jährigen Angeklagten schwer belastet. Er habe dem Angeklagten vor 21 Jahren den Auftrag erteilt, seine geschiedene Ehefrau zu töten, sagte der Fahrleher heute als Zeuge aus. So deutlich hatte sich der Fahrlehrer bislang nie vor Gericht geäußert. In zwei Prozessen wurde er freigesprochen. Erst im dritten Verfahren vor dem Landgericht in Stralsund wurde er 2002 wegen Anstiftung zum versuchten Mord zu 14 Jahren Haft verurteilt. Zur Tat und den Tätern hatte er geschwiegen.

Der Fall ist in der Region Schwerin als „Plater Auftragsmord“ bekannt. Die Ex-Ehefrau, mit der der Fahrlehrer einen bösen Scheidungskrieg führte, überlebte den Anschlag in ihrem Haus in Plate im März 1996 schwer verletzt. Zwei Männer, die angeblich vom jetzt Angeklagten gedungen worden waren, hatten auf sie geschossen. Die Staatsanwaltschaft legt dem Angeklagten auch einen zweiten Fall zur Last. Er soll im Herst 1995 jene Männer besorgt haben, die im Auftrag eines Schweriner Spielhallen-Betreibers auf der Krösnitz einen von dessen Angestellten niederschossen.

Er hatte mit seiner Ex-Frau Streit ums Kind und ums Geld, so der Fahrlehrer. Sie habe ihn mit Verleumdungen bei der Polizei überhäuft. Irgendwann habe der Angeklagte, ein guter Bekannter des Fahrlehrers, ihm angeboten, sich darum zu kümmern, „dass sie mich in Ruhe lässt“.

Anfangs ging es wohl nur darum, die Frau einzuschüchtern. Später habe der Angeklagte gefragt, ob es ihm etwas ausmache, wenn sie tot wäre. Es sei ihm scheißegal gewesen, räumte der Zeuge ein. Der Angeklagte ließ von einem Boten 10 000 Mark abholen. Der Bote aber verschwand mit dem Geld. Also zahlte der Fahrlehrer weitere 15 000 Mark, angeblich ohne Fragen zu stellen. „Ich fand die Idee gut, dass sie mich in Ruhe lässt, aber ich wollte nichts damit zu tun haben.“

Warum er all die Jahre den Angeklagten, soweit seine Vorwürfe überhaupt stimmen, gedeckt habe, konnte der Fahrlehrer nicht sagen. Ausgepackt hat er 2008 bei der Staatsanwaltschaft – gegen den Rat seines Rechtsanwalts. Er wollte wegen guter Führung entlassen werden. Er hatte fast zwei Drittel seiner Strafe abgesessen. 2009 kam er auf Bewährung frei. Der Prozess wird in der kommenden Woche fortgesetzt.

zur Startseite

von
erstellt am 02.Nov.2016 | 21:00 Uhr

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Themen zu diesem Artikel:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen