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Mecklenburg-Vorpommern

28. September 2016 | 13:58 Uhr

Prozess in Rostock : Ex-Radiomoderator wegen Betrugsvorwürfen vor Gericht

vom

J. soll ab und an das Geld, das die Ostseewelle eigentlich ihren Hörern bei Gewinnspielen zugute kommen lassen wollte, in die eigene Tasche gewirtschaftet haben.

Während der Mitangeklagte sein Gesicht vor den Kameras verbarg, zeigte J.  keine Scheu vor der Öffentlichkeit. Freundlich präsentierte sich der 42-Jährige den Journalisten, bevor die Richter den zweiten Prozess gegen das ehemalige Zugpferd der  Ostseewelle  eröffneten. Als charmanter und humorvoller Plauderer sicherte und steigerte J. in seiner Guten-Morgen-Show fast zehn Jahre lang dem privaten Radiosender die Gunst der Zuhörer. Mitte 2012 aber wurde er im Studio verhaftet. Es folgte ein Prozess, ein Urteil und ein Gefängnisaufenthalt wegen Kindesmissbrauchs. Seit gestern nun steht er wieder vor Gericht – wegen Betruges und Bankrotts.

J. soll ab und an das Geld, das die Ostseewelle eigentlich ihren Hörern bei Gewinnspielen zugute kommen lassen wollte, in die eigene Tasche gewirtschaftet haben. Die Staatsanwaltschaft wirft ihm zehn Fälle vor, die ihm und dem mitangeklagten Komplizen 61 000 Euro eingebracht haben sollen. Dazu instruierte der Mitangeklagte, so die Anklage, Freunde und Bekannte, je nach Gewinnspiel beim Sender zur richtigen Zeit anzurufen oder aber sich für einen Rückruf bei einem Gewinnspiel registrieren zu lassen. Wenn es galt, ein geheimnisvolles Geräusch zu erraten, das vorher im Programm zu hören war, hatte dann den fingierten Teilnehmern jemand die Lösung gesteckt. Andere brauchten nur den richtigen Werbe-Slogan des Senders aufzusagen, wenn J. anrief. Von den „zufälligen“ Gewinnsummen konnten die Strohmänner und -frauen etwa ein Viertel behalten. Mal waren das leicht gewonnene 500 Euro, andere freuten sich über 2500 vom ausgelobten 10 000-Euro-Gewinn. Das Übrige gaben sie an den Mitangeklagten weiter. Schwerer aber wiegt wohl der Vorwurf des Insolvenzbetrugs gegen den damals hochverschuldeten J..

Über Jahre hinweg soll er sein wahres Einkommen verschleiert haben. Seine Gläubiger blieben deshalb bislang auf Forderungen in Höhe von 520 000 Euro sitzen. J. trickste laut Anklage Angaben über sein Einkommen, das er als Moderator bekam, auf einen Hungerlohn von unter 1000 Euro herunter. Den kassierte er allerdings nicht von der  Osteewelle, sondern von seiner damaligen Freundin, die als seine Agentin fungierte. Dem Sender stellte sie allerdings ein anständiges Honorar für die Arbeit J.s in Rechnung.

Tino Sperke, Geschäftsführer der Ostseewelle  und langjähriger Kollege J.s, verteidigte als Zeuge vor Gericht die Agenturlösung. Kreative Köpfe wie J. seien halt manchmal mit dem „Papierkram“ überfordert. Deshalb sei es gut gewesen, wenn sich die Freundin-Agentin darum kümmerte. Als J. die Freundin wechselte, übernahm die neue den Job. Da J. offiziell kaum Einkommen hatte, konnte auch kein Gerichtsvollzieher bei ihm etwas holen.

Vor Gericht schwieg gestern der sonst so redegewandte Radiomann. Sein Anwalt deutete jedoch an, dass J. den Insolvenzbetrug gestehen könnte. Warum er die hohen Schulden angehäuft hatte, ist unklar. In Rostock war bekannt, dass J. gern auf großem Fuß zu leben schien. Auch soll er in Spielcasinos gesehen worden sein.

Bislang zweifelhaft ist, ob J. auch die Gewinnspiel-Manipulation einräumt. Die Staatsanwaltschaft brachte für diesen Fall eine Gesamtfreiheitsstrafe von maximal fünf Jahren Jahren Gefängnis ins Spiel. Dann müsste J. vielleicht nur noch einmal für kurze Zeit zurück in den Knast. Eingerechnet in die Gesamtstrafe würde das Urteil zum Kindesmissbrauch, für den J. 2012 drei Jahre und zwei Monate Haft bekam. Den größten Teil hat er abgesessen.

J. hatte gestanden, zwischen 2005 und 2008 ein anfangs zwölf Jahre altes Mädchen wiederholt sexuell missbraucht zu haben. Kennengelernt hatten sich die beiden bei einem Gewinnspiel. Das Mädchen hatte einen Besuch im Studio gewonnen. Der aktuelle Prozess wird am kommenden Dienstag fortgesetzt.

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erstellt am 23.Feb.2016 | 07:32 Uhr

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