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Mecklenburg-Vorpommern

25. September 2016 | 00:36 Uhr

Machtmissbrauch Awo Müritz : Ex-Chef klagt gegen Kündigung

vom

Der Skandal bei der Arbeiterwohlfahrt in Müritz beschäftigt jetzt auch das Landgericht Neubrandenburg.

Der Bereicherungsskandal beim Müritz-Kreisverband der Arbeiterwohlfahrt (Awo) beschäftigt jetzt auch das Landgericht Neubrandenburg. Wie ein Sprecher am Freitag erklärte, hat der ehemalige Geschäftsführer Peter Olijnyk Klage gegen seine fristlose Kündigung eingereicht. Damit würde es zu einem Zivilverfahren am Landgericht kommen.

Der langjährige Kreisgeschäftsführer hatte sich nach Einschätzung des Awo-Landesverbandes ein unverhältnismäßig hohes Jahresgehalt von 150 000 Euro plus 30 000 Euro Tantiemen, die bei einem Sozialverband gar nicht zulässig seien, zugeschanzt. Olijnyk war nach langem Streit im Juni gekündigt worden. Danach kamen die nach Ansicht des Landesverbandes illegalen Verträge ans Licht - alle Awo-Kreisverbände wurden daraufhin aufgefordert, ihre Verträge prüfen zu lassen.

Awo-Landesgeschäftsführer Bernd Tünker hatte von einem „perfiden System“ gesprochen, bei dem sich Olijnyk und sein Vorsitzender des Kreisverbandes - der Ex-Bundestagsabgeordnete (1998-2005) Götz-Peter Lohmann (SPD) - gegenseitig Verträge unterschrieben hätten. So hatte Lohmann, der auch Vize-Landesvorsitzender der Awo war, über fast zehn Jahre rund 700 000 Euro vom Kreisverband erhalten, ohne „signifikante Tätigkeiten nachzuweisen“, wie es ein Anwalt formulierte. In der Zeit war der heute 74-jährige Lohmann schon im Ruhestand. Er legte nach Bekanntwerden der Vorwürfe seine Ämter nieder.

Ex-Geschäftsführer Olijnyk soll das Ganze am ehrenamtlichen Vorstand vorbei inszeniert haben. Dabei war auch eine Zahlung von 100 000 Euro bei seinem Ausscheiden festgelegt worden, die der Kläger nun einfordern will. Eine außergerichtliche Einigung sei im Vorfeld fehlgeschlagen, hieß es vom Awo-Kreisverband. Gegen beide Männer ermittelt seit Wochen auch die Neubrandenburger Staatsanwaltschaft wegen des Verdachts der Untreue.

Der Landesverband will auf einer nicht öffentlichen Sitzung des Landesausschusses am Samstag weitere Gegenmaßnahmen beraten. „Viele Mitglieder sind entsetzt über diesen Vorfall“, sagte Tünker. Jetzt bestehe aber auch die Chance, mit Offenheit verloren gegangenes Vertrauen zurückzugewinnen. So könnten die Kreisverbände bis 31.

Oktober ihre bestehenden Verträge in Schwerin vorlegen. Der Landesausschuss soll zudem eine Selbstverpflichtung der Kreisverbände beschließen, dass neue Verträge mit Geschäftsführern künftig im Vorfeld vorgelegt würden.„Damit wollen wir solche Missbrauchsfälle wie an der Müritz ausschließen“, sagte Tünker. Das Jahresgehalt von Olijnyk sei mit 150 000 Euro noch höher gewesen als beim Geschäftsführer des größten regionalen Verbands in Nordrhein-Westfalen, obwohl dort mehr als zehnmal soviel Leute beschäftigt seien. Die Awo prüfe auch weiterhin, inwieweit man Schadenersatz von den beiden Männern fordern werde.

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erstellt am 16.Sep.2016 | 08:46 Uhr

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