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Mecklenburg-Vorpommern

09. Dezember 2016 | 18:22 Uhr

Prozess wegen Kindesmissbrauch : „Es kommt nie wieder vor“

vom
Aus der Onlineredaktion

Bewährungsstrafe für 60 Jahre alten Frührentner wegen Kindesmissbrauch

Wegen schweren sexuellen Missbrauchs eines Kindes und Vergewaltigung eines Jugendlichen hat das Landgericht Schwerin einen 60 Jahre alten Frührentner zu zwei Jahren Gefängnis verurteilt. Die Strafe wurde zur Bewährung ausgesetzt. Allerdings wird der Mann für die nächsten vier Jahre unter Führungsaufsicht gestellt. Außerdem muss er sich bei einem Therapeuten melden.

Der Angeklagte hatte gestanden, sich zwischen 2012 und 2013 fünf Mal an einem 13-jährigen Jungen vergangen zu haben. Außerdem machte er sich in seiner Wohnung in Schwerin gegen dessen Willen an einem 14-jährigen Schüler zu schaffen. In mehreren Fällen „entlohnte“ er die Jungen mit kostenlosen Zigaretten, für die er bei anderen Gelegenheiten 25 Cent pro Stück verlangte. Der erste Anlauf für einen Prozess gegen den Frührentner war vor einem Jahr geplatzt, weil er damals nicht bereit war, die Taten zu gestehen. Das Gericht hatte im vergangenen Jahr jedoch keine Termine für einen umfangreichen Indizienprozess frei.

Der Angeklagte verkaufte offenbar ab und an vor einer Schule einzelne Zigaretten an Schüler. Einige Kinder und Jugendliche besuchten den Mann auch in seiner nahe gelegenen Wohnung. Obwohl einer der missbrauchten Jungen gegenüber der Polizei vermutete, dass sich der Angeklagte auch an anderen Kindern vergangen habe, konnten die Ermittler nichts über weitere Fälle herausfinden. „Die Kinder gingen bei ihm ein und aus“, hieß es in einem Vernehmungsprotokoll. Sie kamen nicht nur wegen der Zigaretten, sondern spielten mit dem Frührentner ab und an auch Mensch-Ärgere-Dich-Nicht.

Rausgekommen sind die Übergriffe, weil einer der Jungen von seinen Mitschülern in der Schule mit sexuellen Anspielungen gemobbt wurde, was seiner Mutter zu Ohren kam. Anfangs fragte sie ihren Sohn vergeblich, was der Grund für die Hänseleien ist. Als er doch mit der Sprache herausrückte, erstattete sie Anfang 2014 Anzeige bei der Polizei.

Das Gericht, die Staatsanwaltschaft und der Verteidiger einigten sich zu Beginn des Prozesses auf eine Höchststrafe von zwei Jahren und drei Monaten. Im Gegenzug sollte der Angeklagte ein Geständnis ablegen. So ersparte er den Opfern, vor Gericht erscheinen und aussagen zu müssen. Das war besonders für einen der beiden Jungen eine große Erleichterung, so die Mutter. Der Junge ist inzwischen 17 Jahre alt, aber er hat sich noch lange nicht so entwickelt, wie es seinem Alter entsprechen würde.

Das Gericht billigte dem Angeklagten auch eine ganze Reihe weiterer strafmildernder Umstände zu, so dass am Ende eine Strafe herauskam, die die Richter zur Bewährung aussetzen konnten. Der Frührentner, der inzwischen in einen anderen Stadtteil gezogen ist, beteuerte in seinem „letzten Wort“, dass jedem Angeklagten vor Gericht zusteht: „Es tut mir wahnsinnig leid, es kommt nie wieder vor.“

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erstellt am 11.Nov.2016 | 21:00 Uhr

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