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Mecklenburg-Vorpommern

02. Juli 2016 | 04:01 Uhr

Obst aus MV : Erdbeeren warm verpackt

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Süße Früchte wachsen derzeit unter Tunneln und Vliesdecken in Ostseenähe. In fünf Wochen soll die Ernte beginnen

Die Erdbeeranbauer in Mecklenburg-Vorpommern haben ihre Anbaufläche in diesem Jahr vergrößert. 830 Hektar wurden mit Erdbeeren bepflanzt, im Vorjahr waren es 811. Mehr als die Hälfte der Flächen gehört den beiden größten Anbaubetrieben im Land in Rövershagen und Hohen Wieschendorf.

Beide wollen bereits Ende April die ersten roten Früchte anbieten. „Endlich mal Sonne“, freut sich Betriebsleiter Jan van Leeuwen und misst die Temperatur in einem der Folientunnel in Hohen Wieschendorf bei Wismar. 30 Grad zeigt das Thermometer. Das treibt ihm dann doch Sorgenfalten ins Gesicht. „25 Grad sind genug. Mehr ist für die Blüten, von denen die ersten jetzt treiben, zu viel“, erklärt der Experte vom Erdbeerhof Glantz. Bei zu hohen Temperaturen und Feuchte steige die Infektionsgefahr. Deshalb müssten die Tunnel am Tage gelüftet und am Abend wieder geschlossen werden. Ein enormer Aufwand, den der wirtschaftliche Erfolg am Ende rechtfertigen soll. Auf 16 der 160 Hektar Erdbeeren in Hohen Wieschendorf wird die Reife auf diese Weise verfrüht.

Ähnlich ist die Situation auf Karl's Erdbeerhof in Rövershagen bei Rostock mit 330 Hektar Anbaufläche. 500 Folientunnel von mehr als 100 Metern Länge und drei Metern Höhe wurden über die auf Dämmen stehenden Pflanzen gezogen, wie Betriebsleiter Wolfgang Loll berichtet. Die Dämme ermöglichen eine schnellere Erwärmung des Bodens. Zusätzlich wurden die Pflanzen mit einer Folien- und Vliesschicht überzogen. Mit dieser Dreifach-Verpackung kann eine Verfrühung um bis zu sechs Wochen erreicht werden. „Wir wollen am 26. April die ersten Erdbeeren anbieten. Die vergangenen Jahre haben gezeigt, dass die Verbraucher regelrecht darauf warten, endlich Erdbeeren aus der Region kaufen zu können“, sagt Loll. „Wir schaffen das noch zwei Tage eher“, heizt van Leeuwen den zwischenbetrieblichen Wettbewerb noch an. Beide Unternehmen verbindet ihre Geschichte: Nach dem Zweiten Weltkrieg wurden die Inhaber von ihren Flächen bei Rostock und Wismar vertrieben und anschließend in Schleswig-Holstein aktiv. Nach der Wende erhielten sie ihr Eigentum weitgehend zurück und starteten neu durch.

Gleich neben dem Tunnelgelände, etwas abseits von Rövershagen, haben Helfer auf weiteren Hektar eine Vlies- und eine Folienschicht über die Pflanzen gezogen und mit tausenden Mauersteinen beschwert. Hier wird mit einem Erntestart rund vier Wochen früher als bei Pflanzen erwartet, die nicht gegen Kälte geschützt wurden.

Probleme bereitete den Erdbeeranbauern der Temperatursturz zu Jahresbeginn. „Zusätzlich erschwert wurde die Situation durch starke Winde, die über die schneelosen Felder gefegt sind“, sagt Wolfgang Loll und hofft, dass die meisten seiner Pflanzen diese extreme Situation überlebt haben. Mit dem Einspülen von Huminsäuren habe er zu Monatsbeginn versucht, das Wachstum anzuregen.

Neben den beiden großen Erdbeer-Betrieben gibt es acht weitere im Land, die auf zehn und mehr Hektar die süßen Früchte anbauen. Hinzu kommen etliche Kleinunternehmen. Alle setzen auf die Direktvermarktung. In Rövershagen sollen zur Hochsaison 80 Tage lang im Schnitt jeweils 80 Tonnen geerntet werden. 2015 waren es mit 9707 Tonnen mehr als je zuvor. Die Früchte aus Rövershagen werden an Hunderten roten Verkaufsständen in Norddeutschland bis nach Berlin angeboten. „In diesem Sommer wollen wir unser Angebot bis Leipzig ausdehnen. Die Autobahn macht das möglich“, sagt Loll. Bis zu 1300 Erntehelfer, vor allem aus Polen, sorgen zur Hochsaison täglich für Nachschub. Mit neuen Sorten bietet der Erdbeerhof bis in den Oktober hinein frische Erdbeeren an. In Hohen Wieschendorf dagegen wechseln die Helfer nach der Erdbeersaison in die Himbeeren.

 

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erstellt am 27.Mär.2016 | 09:00 Uhr

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