zur Navigation springen

Mecklenburg-Vorpommern

29. Juni 2016 | 09:14 Uhr

Fachtagung zur Tierhaltung : Einheitliche Kriterien für Tierwohl gefordert

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Landwirte sehen sich zu Unrecht am Pranger, Landwirtschaftsminister appelliert an Verbraucher

Die Landwirte in Mecklenburg-Vorpommern sehen sich angesichts anhaltender Debatten um Defizite im Tierschutz zu Unrecht am Pranger. Gerade in der jüngeren Vergangenheit habe es bei den Haltungsbedingungen für Nutztiere erhebliche, zum Teil „revolutionäre“ Verbesserungen gegeben, betonte Jürgen Baier von der Landgesellschaft Mecklenburg-Vorpommern gestern auf der ersten Landesfachtagung zum Tierwohl. Mehrere Redner beklagten, dass einzelne Verstöße gegen Tierschutzbestimmungen oft pauschal auf die gesamte Agrarwirtschaft übertragen würden. Sie kündigten einen intensiven Dialog mit Verbrauchern und Tierschützern an und machten deutlich, dass sie zur Vertrauensbildung verstärkt auch Ställe öffnen wollen.

Till Backhaus (SPD), Landwirtschaftsminister von Mecklenburg-Vorpommern, betonte vor den rund 350 Tagungsteilnehmern, dass der Tierschutz weiter gestärkt werden müsse. Dabei gelte es jedoch, stets die Interessen der Agrarbetriebe zu berücksichtigen. Ziel seiner Politik sei es, zu gesellschaftlich akzeptierten und vom Tierhalter leistbaren Haltungsbedingungen zu kommen. Transparent und für Verbraucher nachvollziehbar müsse das Wohlbefinden der Tiere sichergestellt werden. Im Verein der Nordländer dringe Mecklenburg-Vorpommern auf die Einführung bundesweit einheitlicher Kriterien dafür. Backhaus appellierte an die Verbraucher, die Entwicklung im Sinne des Tierwohls durch eigenes Verhalten mit voranzutreiben. Wer stets in Regale und Kühltruhen mit Billigangeboten greife, hintertreibe die Bestrebungen. „Man muss schon bereit sein, für qualitätsvolle Lebensmittel mehr Geld auszugeben. Ansonsten wird das bessere Tierwohl im Keim erstickt“, mahnte Backhaus.

Kritisch äußerte er sich zu den jüngsten Preisentwicklungen etwa bei Fleisch und Milch. Die deutlich geringeren Erlöse für die Produzenten hätten bereits zu einer weiteren Dezimierung der ohnehin geringen Tierbestände in Mecklenburg-Vorpommern geführt.

Nach Ansicht des Agrarwissenschaftlers Prof. Matthias Gauly aus dem norditalienischen Bozen, der als Gastredner nach Güstrow eingeladen worden war, erschwert der enorme Kostendruck den Umbau der Ställe für mehr Tierwohl. Dennoch gehe die Entwicklung voran. Gauly rief die Landwirte auf, die Diskussionen zum Tierwohl selbst aktiv zu führen und die Richtung nicht Umwelt- und Tierschutzverbänden zu überlassen. „Die Landwirte wissen selbst am besten, wie sie ihre Tiere halten müssen, damit sie gesund bleiben, möglichst lange leben und gleichzeitig ausreichend Milch geben“, sagte er.

 

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen