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Mecklenburg-Vorpommern

31. August 2016 | 02:27 Uhr

Tag der offenen Töpferei : „Eine Art Experiment mit ungewissem Ausgang“

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Alexander von Stenglin stellt beim bundesweiten 11. Tag der offenen Töpferei traditionelles Handwerk vor

„Manchmal überfallen mich die Ideen für neue Werke einfach aus dem Hinterhalt. Oder ergeben sich als plötzlicher Einfall aus Gesprächen wie auch Betrachtungen. Sie schleichen sich an und sind von einer Sekunde auf die nächste da, um von mir zum Eigenleben erweckt und fass- sowie sichtbar gemacht zu werden“, verrät Alexander von Stenglin. Die Arbeit mit Ton und Keramik bedeute für ihn eine absolute seelische Ausgeglichenheit, ein inniges Bei-sich-selber-sein. Jeden Arbeitstag.

„Wenn ich töpfere, vergesse ich meist alles andere um mich herum. Außerdem freut es mich, wenn ich den Geschmack anderer Leute treffe.“ Die Arbeit erfordere große Kraft und sei gleichzeitig alles andere als einseitig. „Das, was man formen möchte, muss man zunächst im Kopf haben. Einfach nur loslegen, geht schief“, sagt der 53-Jährige, der in Picher-Eichenhof lebt und arbeitet. Der Ton werde so lange geschlagen und gewalkt, bis auch die letzte Luft aus ihm heraus sei, um ihn verarbeiten zu können. „Das braucht viel Fingerspitzengefühl. Gefühle spielen beim Töpfern generell eine große Rolle“, berichtet der Töpfer, der seit über vier Jahrzehnten Keramik herstellt.

Am 12. und 13. März von je 10 bis 18 Uhr werden er und seine Frau Kat wieder am bundesweiten Tag der Töpferei teilnehmen. Bereits zum elften Mal. Also seit Anbeginn. „Dieses Angebot wird erstaunlicherweise sehr gut angenommen, läuft ähnlich gut wie Kunst offen. Unsere Besucher kommen aus der gesamten Region sowie Berlin, Niedersachsen und Hamburg. Viele von ihnen arbeiten sich sogar eine Route aus, die sie Punkt für Punkt abfahren, um etliche der 93 Töpfereien, Keramikwerkstätten, Studios und Ateliers hierzulande zu besuchen“, erzählt von Stenglin weiter. Das sei ein sehr angenehmes, weil interessiertes Publikum, das viele gute Gespräche mitbrächte, aber immer auch aufs Neue überrascht werden wolle.

„Wir reden meist über Technik, Form und Farben. Und was Keramik ihnen bedeutet. Es ist immer ein Wochenende, das uns riesigen Spaß macht. Denn oft bekommen wir auch wertvolle Gestaltungstipps, die nicht selten zu Weiterentwicklungen und noch mehr praxistauglicher Keramik führen.“ Besonders Wetterfestes, das auch Frost überstehe, gerate zunehmend in den Fokus des Kundeninteresses.

„Gärten wurden in den letzten 20 Jahren immer mehr zu einem erweiterten Wohnzimmer, in dem man sich mit Dingen umgeben möchte, die man liebt“, erzählt der Handwerker, der sich gleichzeitig als Künstler versteht. Und offenbart: Die Keramik habe einst ihn ausgewählt. „Auf der Suche nach einer Lehrstelle standen Möbeltischler, Restaurator oder Töpfer zur Auswahl. Bei Letzterem habe ich als Erstes gefragt und wurde angenommen“, sagt der auf dem romantischen Eichenhof Lebende. Für ihn seien Beruf und Leidenschaft dasselbe, nicht voneinander zu trennen. „Ich bin mit all meinen Sinnen und ganzem Herzen Keramiker. Fühle mich dem Ton verbunden. Das Ergebnis ist immer eine Art Experiment mit ungewissem Ausgang.“

Und: Nur selten spricht der Keramiker Alexander von Stenglin über die unzähligen, bangen Stunden am Ofen, wenn die Flammen im Dunklen leuchten und magisch um die gebrannte Erde züngeln. Die sich mit ihren Konturen schemenhaft in unruhigen Schatten zeigt. Und das fast schon kindlich-sehnsüchtig anmutende Beten, es möge überdauern, was der Kopf sich erdachte, die Hände liebevoll formten und das Feuer in seiner Unbarmherzigkeit gebar, um letztlich Sinn und Sinnlichkeit auszumachen.

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erstellt am 09.Feb.2016 | 04:00 Uhr

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