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Mecklenburg-Vorpommern

05. Dezember 2016 | 03:27 Uhr

Koggen in Wismarbucht : „Ein Sensationsfund“

vom
Aus der Onlineredaktion

Mittelalterliche Hanse-Koggen werden vor Wismar Stück für Stück geborgen

Im trüben Wasser der Wismarbucht fischen Archäologen nach einer wissenschaftlichen Sensation: Im April wurden bei der Munitionsbergung im Wismarer Hafen zwei große, gut erhaltene Wrackteile aus dem Mittelalter entdeckt und bis Sommer teils freigelegt. Seit Monaten werden die Funde im Meer akribisch vermessen und dokumentiert, wie Roman Scholz von der Rügener Bergungsfirma UWA-Logistik gestern sagte. Bei stürmischem Wetter präsentierten die Wissenschaftler erste Funde und Ergebnisse der Bergung.

Das stückweise Freilegen der gut 600 Jahre alten Wasserfahrzeuge aus der Hansezeit werde sich noch bis ins nächste Frühjahr hinziehen. Zum Schutz vor Wracktauchern und Schatzräubern müsse der genaue Fundort streng gesperrt und die Öffentlichkeit solange abgeschirmt bleiben, bis die Schiffe komplett an Land gehievt sind, erklärte Landesarchäologe Detlef Jantzen. „Diese Schiffe sind eine echte Neuentdeckungen“, betonte Jantzen. „Wir haben es auf jeden Fall mit mittelalterlichen Schiffsresten zu tun.“ Untersuchungen hätten ergeben, dass es sich bei den Funden um Wracks aus dem 13. oder 14. Jahrhundert handelt. Für das Alter des Holzes konnte die Zeit um 1200 bestimmt werden – bis dahin stand der Baum im Wald und wurde anschließend verbaut. Bis wann die etwa 15 bis 18 Meter langen Schiffe mit ihren Lasten wie Steinen, Holz oder Bier über die Ostsee segelten und warum sie sanken, ist noch unklar. Die Wracks seien für die Wissenschaft vor allem deshalb so interessant, weil es kaum Vergleichsfunde oder schriftliche Zeugnisse aus jener Zeit gebe, erklärte Bergungsleiter Scholz. Auch das vor 20 Jahren bei Wismar entdeckte Wrack der sogenannten „Poeler Kogge“ sei nach neuesten Untersuchungen doch deutlich jünger als lange Zeit vermutet – keine 650, sondern 250 Jahre alt. So mache das extreme Alter der beiden jetzt entdeckten Wracks ihren Wert für die Wissenschaft aus. „Ein Sensationsfund“, meinte Archäologe Scholz. Die Bauzeit falle eng mit der Gründung Wismars zusammen. „Ich bin gespannt, ob wir die Stadtgeschichte umschreiben müssen“, meinte der Sprecher der Hansestadt, Marco Trunk.

Den guten Zustand der Funde führen die Wissenschaftler auf die dicken Schichten Sand, Schlick und Muscheln zurück, unter denen die im Flachwasser versunkenen Koggen mehrere Jahrhunderte lang begraben waren. Nicht mal vom gefürchteten Schiffsbohrwurm, einer Holz zersetzenden Muschelart, seien sie befallen, erklärte Scholz.

Klar ist, dass beide Lastensegler kompakt und stabil aus mächtigen Eichenholz-Spanten gezimmert worden waren, was auf Handelsschiffe hindeute. „Das macht die Sache so spannend: Wir wollen verstehen, zu welchem Schiffstyp die Hölzer gehören“, sagte Jantzen.

 

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