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Mecklenburg-Vorpommern

03. Dezember 2016 | 20:49 Uhr

Triumph für „My Fair Lady“ : Ein Muss für jeden Theaterfreund

vom
Aus der Onlineredaktion

Große Premiere: Zuschauer meinen, eine so gute Aufführung wie „My Fair Lady“ hätten sie in Schwerin lange nicht gesehen

„Es grünt so grün, wenn Spaniens Blütenblühen… Jeder kennt das Musical „My Fair Lady“ nach der Komödie „Pygmalion“ von George Bernard Shaw, beinahe jeder hat es schon einmal auf der Bühne oder im Kino gesehen. Dennoch: Die neue Inszenierung des Musicals von Operndirektor Toni Burkhardt in Schwerin anzusehen, ist ein Muss für jeden Theaterfreund. Ihre Premiere wurde am Freitagabend im ausverkauften Großen Haus des Staatstheaters unter Jubel und Bravorufen mit stürmischem Applaus gefeiert.

Wie sich hier das Blumenmädchen Eliza mit ihrem schnoddrigen Dialekt und der Phonetikprofessor Henry Higgins in die Haare kriegen und dennoch daraus eine Liebesbeziehung spinnen, ist hinreißend komisch und dabei überzeugend echt gezeichnet. Alle dramatischen Nebenlinien sind hervorragend besetzt und in der Lage, die Komik zuweilen bis auf die Spitze und dem Publikum vor Lachen die Tränen in die Augen zu treiben, ohne je auszugleiten. Oder sie begegnen wie Freddy (Matthias Koziorowski) der Komik mit gefühlvoller Zuneigung zu Eliza und dem Professor wie dessen Mutter (Elfie Schrodt) mit strenger Zurechtweisung.

So entsteht ein dramaturgisches Gleichgewicht zwischen Komödiantentum und Charakterdarstellung. Vom ersten fröhlichen Jahrmarkttreiben zur Potpourri-Musik des Vorspiels bis zum Knalleffekt des Schlussbildes gelingt Toni Burkhardt eine durchweg temporeiche, fantasievolle Aufführung mit spritziger Dialogführung und köstlichem Wortwitz, nur unterbrochen durch immer wieder aufbrausenden Szenenapplaus. Und es gelingt ihm, für diese Inszenierung die verschiedenen Sparten des Theaters eng miteinander zu verzahnen: Schauspiel und Musiktheater, Ballett und Opernchor, Staatskapelle, Fritz-Reuter-Bühne und Statisterie. Das passt eindrucksvoll zusammen.

Unterstützt wird der Regisseur durch Bühnenbildner Wolfgang Kurima Rauschning, der die Drehbühne mit einem zweiseitigen Aufbau für Innen- und Außenräume versehen hat. Von der Kostümbildnerin Anja Schulz-Hentrich vom Theater Nordhausen, die eine angenehme Farbigkeit auf die Bühne bringt. Und von der Choreografin Jutta Ebnother, mit deren tänzerischen Ideen das Ballettensemble den Trubel auf dem Jahrmarkt oder die Atmosphäre des aristokratischen Balls ergänzt.

Wesentlichen Anteil an der Ausstrahlung der Inszenierung haben die Musiker der Staatskapelle unter der Leitung von Kapellmeister Gregor Rot. Rot hat einen guten Nerv für die Wirkung der Musik in der Szene. Quasi unauffällig schleicht er sich mit ihr in die Dialoge hinein und ermöglicht es den Darstellern, bruchlos und ohne jeden Anlauf vom Sprechduktus in den Gesang zu wechseln. Mit delikatem Klang und stilistischem Feingefühl legt er den Teppich, auf dem sie tanzen, jubeln, schluchzen, drohen, sehnsuchtsvoll oder egoistisch sich ergehen können.

Katrin Hübner und Jochen Fahr geben als Eliza und Higgins auf der Bühne ein faszinierendes Paar. Sie, die mit verblüffender schauspielerischer Leichtigkeit in der Szene agiert, die mit „Ich hätt’ getanzt heut Nacht“ nur so über die Bühne schwebt und nie die Opernsängerin vorzeigt; und er, der Schauspieler, der jede Nuance seiner Figur aufs Genaueste durchgearbeitet hat, der seinen Songs mit raffiniertem Sprechgesang beikommt und das Musikalische mit schauspielerischem Pfeffer würzt.

Daneben Christian Hees als munterer, agiler Oberst Pickering und Christoph Reiche von der Fritz-Reuter-Bühne, der als Vater Doolittle voll aufdreht, wenn er sich „pünktlich zum Altar“ bringen lässt.

Der Opernchor ist von Ulrich Barthel und Helmut Sonne bestens vorbereitet. Er agiert sehr beweglich und verleiht Bildern wie Pferderennen in Ascot oder Ball im Buckingham Palace die treffende Atmosphäre. Mehrere Choristen haben kleinere Solorollen übernommen, die sie mit Pfiff und charaktervoller Zeichnung meistern. Kurz: von Anfang bis Ende eine tolle Aufführung!
 

Weitere Vorstellungen: 20. Januar, 23. und 24. März (ausverkauft), 4. (ausverkauft), 5. und 17. Mai sowie 3. Juni jeweils um 19.30 Uhr sowie am 4. Juni um 15  Uhr im Großen Haus des Mecklenburgischen Staatstheaters

 

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