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Mecklenburg-Vorpommern

24. März 2017 | 01:06 Uhr

Stallpflicht mit Folgen : Eierei auf dem Hühnerhof

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Millionen-Ausfälle durch Stallpflicht nach Vogelgrippe: Bauern in MV befürchten, ab Februar für Millionen Eier den Freiland-Status zu verlieren.

Die Geflügelpest kommt auf dem Frühstückstisch an: Mit der nach dem Ausbruch der Vogelgrippe Mitte November in MV verhängten Stallpflicht für Geflügel drohen Hennenhaltern, die ihre Tiere bisher im Freiland gehalten haben, millionenschwere Verluste. Während sie auch bis zu zwölf Wochen nach der Stallpflicht Eier weiter als Freilandeier verkaufen durften, obwohl die Tier längst keinen Auslauf mehr haben, steht in Mecklenburg-Vorpommern für Millionen Eier ab der zweiten Februar-Woche der Freiland-Status auf dem Spiel. Nach Ablauf der Zwölf-Wochen-Frist müssten die Eier als aus Bodenhaltung stammend gekennzeichnet werden, teilte das Agrarministerium mit. Damit dürfte der auf die Eier gedruckte Produkt-Code nicht mehr mit einer 1 für die Haltungsform Freiland beginnen, sondern mit einer 2 für Bodenhaltung.

Betroffen sind Millionen Eier in den Verkaufsregalen: Etwa jedes zweite der insgesamt mehr als 644 Millionen in MV 2015 produzierten Eier stammen aus Freilandhaltung, ermittelte das Statistische Amt. Dabei können die Freiland-Eier in der Regel zu höheren Preisen verkauft werden. Der jetzt drohende Verlust des Freilandstatus bringt den Preisvorteil in Gefahr: Die Hennenhalter müssten mit einem Verlust von drei bis fünf Cent je Ei rechnen, meinte Bauernpräsident Detlef Kurreck gestern in Schwerin. Zudem drohe auch der Markt für Eier aus Bodenhaltung unter Druck zu geraten, da die bisherigen Freilandeier zusätzlich in diesem Segment auf den Markt drücken würden, warnte Silvia Ey, Geschäftsführerin der Geflügelwirtschaftsverbandes MV. Inzwischen habe die Stallpflicht in den Geflügelbeständen zu Leistungsdepressionen geführt, sagte Kurreck. Doch die Bauern haben kaum eine Wahl: An den Schutzmaßnahmen führe kein Weg vorbei. Kurreck appellierte an die Bauern, die Sanktionen mitzutragen: „Wir hoffen, dass es bald durchgestanden ist.“

Freilandhalter drängen indes auf Hilfe: Es müsse eine bundesweite Ausnahmegenehmigung erteilt werden, die Eier der jetzt eingestallten Hennen auch weiter als Freilandeier verkaufen zu dürfen, forderte Marion Dorn, Vorsitzende des Geflügelwirtschaftsverbandes, eine zügige Entscheidung. Die Freilandhaltung, die in Mecklenburg-Vorpommern, weit verbreitet sei, dürfe nicht gefährdet werden, heißt es auch im Landwirtschaftsministerium. Andererseits dürfe man aber auch die Verbraucher nicht aus dem Blick verlieren. Sie vertrauten zu Recht darauf, dass das, was drauf steht, auch drin ist, so eine Sprecherin.

Für Umwelt- und Verbraucherschützer eine Eierei: Das sei eine Mogelei und vorsätzliche Verbrauchertäuschung, lehnte Burkhard Roloff, Agrarexperte des Bundes für Umwelt und Natur in MV Sonderregelungen ab. Bislang sei die Eier-Kennzeichnung das Vorbild für die Deklaration von Lebensmitteln gewesen. Eine Ausnahmeregelung würde das Vertrauen der Verbraucher stark beschädigen, meinte Roloff.

>> Aktuelle Informationen zur Vogelgrippe in MV finden Sie auf hier auf der Webseite der Landesregierung.

 

 

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erstellt am 11.Jan.2017 | 05:00 Uhr

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