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Mecklenburg-Vorpommern

07. Dezember 2016 | 17:21 Uhr

Einbruchserie Agrarbetriebe MV : Diebstahl auf Bestellung

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Lange Einbruchserie bei Agrarfirmen aufgeklärt. Bande aus Polen vertrieb Ware in Osteuropa. Landwirte sollen Gebäude besser sichern

Die seit April andauernde Einbruchserie bei Agrarbetrieben im Osten Mecklenburg-Vorpommerns und im Norden Brandenburgs geht auf das Konto einer Bande aus Polen. Der Gruppe werden bisher 36 Einbrüche zur Last gelegt, wie Hanno Lüders vom Polizeipräsidium Neubrandenburg gestern bei einer Präventionsveranstaltung mit Landwirten erklärte. Der Schaden wird auf mehr als 500 000 Euro geschätzt. Wegen der Einbrüche hatte der Landesbauernverband schon Alarm geschlagen.

Vier Männer der Gruppe waren vor zehn Tagen bei Grischow (Kreis Mecklenburgische Seenplatte) festgenommen worden. Gegen die 26 und 40 Jahre alten mutmaßlichen Haupttäter wurden Haftbefehle erlassen, sie sollen 13 Einbrüche bereits gestanden haben. Zwei Komplizen kamen wieder auf freien Fuß.

Gestohlen wurden vor allem Pflanzenschutzmittel, Werkzeug und technische Geräte an der Seenplatte und in Vorpommern-Greifswald. Betroffen waren Firmen meist entlang der Autobahn 20 unter anderem in Neuenkirchen, Bartow, Grapzow, Grischow, Werder, Warlin und Brunn.

Grundsätzlich immer würden die Betriebe vorher ausgespäht. Zusammen mit polnischen Behörden werden die Ermittlungen vorangetrieben, um weitere Täter in Haft nehmen zu können. Die Beute – vor allem Tausende Liter Pflanzenschutzmittel – sei „auf Bestellung gestohlen worden“, um sie weiter nach Osteuropa zu vertreiben. Polnische Bauern hätten aber die gleichen Probleme. Diesen Weg – oft „bis nach Kasachstan“ – nähmen auch gestohlene Traktoren, Radlader, Autos oder andere Fahrzeuge.

Die Polizei empfahl den Bauern trotz des Ermittlungserfolges, ihre Betriebe - vor allem Büros, Werkstätten und Chemikalienlager mechanisch und elektronisch besser zu sichern. Betriebe müssten ihre wertvollsten Gebäude besser sichern und zeitgemäß mit Alarmtechnik ausstatten. „Das allein wirkt schon abschreckend“, sagte Bönisch. Mehrere Bauern kritisierten, dass die Polizei zuerst solche Einbrüche nicht konsequent genug verfolgt habe. „Ich glaube nicht, dass mit dieser Tätergruppe, die Sache schon ganz erledigt ist“, sagte Jost Matzdorf von einer Agrargesellschaft aus Cölpin. Andere Bauern forderten eine höhere Polizeipräsenz in der Region. Kriminalist Lüders rief die Landwirte auf, jegliche verdächtige Ereignisse sofort zu melden. „Wenn ein Zaunteil fehlt, der Schlüssel nicht mehr richtig schließt oder ungewöhnliche Fahrzeugspuren auf dem Gelände sind“, nannte er als Beispiele. Das könne alles der Vorbereitung von Straftaten dienen. Waffen oder hohe Geldsummen – wie in einem Fall 25 000 Euro – sollten grundsätzlich nicht in abgelegenen Agrarbetrieben aufbewahrt werden. „Dann werden oft die Tresore einfach ganz mitgenommen.“ Lüders erklärte, dass es auch noch andere Täter gebe. Diesen würden unter anderem die jüngsten Einbrüche in Spantekow und bei Röbel zugeschrieben. Aber die Technik der Einbrecher nutze der Polizei manchmal: „Die Täter geben die Ziele in ihre Navis ein, und wir wissen dann bei einer Kontrolle auch genau, wo sie hinwollten.“

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erstellt am 03.Nov.2016 | 20:45 Uhr

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