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Mecklenburg-Vorpommern

27. März 2017 | 04:41 Uhr

Mundraub.org : Die Zeit ist reif – freies Obst für freie Bürger

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Die Internetplattform „www.mundraub.org“ zeigt, wo Äpfel, Pflaumen, Brombeeren oder Holunderbeeren kostenfrei geerntet werden können

Brombeeren lieben die Freiheit. Selten schmecken sie im Garten so aromatisch wie in der freien Natur. Doch nicht nur Brombeeren, Holunder und Wicken, sondern auch herrenlose Apfel-, Birnen- und Kirschbäume oder Kräuter wie Bärlauch – das Internetportal „www.mundraub.org“ zeigt, wo diese Vitaminbomben ganz in der Nähe kostenlos zu holen sind.

„Weil in Deutschland jedes Jahr tausende Tonnen ungenutztes Obst vergammeln, sammeln wir auf unserer Internetseite Standorte von Bäumen und Sträuchern, die ohne Bezahlung abgeerntet werden können“, sagt Kai Gildhorn, einer der Gründer der Initative. Heute wohnt der Umweltingenieur mit seinen drei Mitstreitern in Berlin, ursprünglich stammt er aus Stralsund.

Die Idee für die Homepage kam den Mundräubern im Sommer 2009, als sie die zahlreichen reifen Äpfel an den Bäumen sahen – aber selbst importierte Supermarkt-Äpfel aus Neuseeland gekauft hatten. Inzwischen gibt es deutschlandweit 12 000 Einträge mit kleinen Fähnchen auf der „Mundraub-Karte“, die zeigen, wo legal Obst an öffentlichen Orten gepflückt werden darf. So sind allein in Mecklenburg-Vorpommern mehr als 730 Standorte gekennzeichnet. In Berlin und Brandenburg sind es sogar mehr als 2020 Stellen.

Die Idee lebt vom Mitmachen vieler: Jeder, der einen vergessenen Baum oder Strauch entdeckt, kann ein Fähnchen auf die Karte setzen und mit einer Kurzbeschreibung versehen. Brombeeren gibt es beispielsweise in Rostock „reichlich, auf der Brachfläche am Platz der Freundschaft, direkt an der Haltestelle Stadthalle“, schreibt „Eichkater“. In der Prignitz hat „Visitor“ eine „Allee von verschiedenen alten Apfelsorten auf der Landstraße zwischen Kuhbier und Groß Langerwisch“ entdeckt. Und in Schwerin wachsen Holunderbüsche „rechts und links der alten Verbindungsstrasse zwischen Warnitz und Friedrichsthal“, schreibt „Niklot“.

„In der Erntezeit ist das Interesse besonders groß, dann kommen täglich etliche neue Einträge hinzu“, erzählt Gildhorn. Dabei gebe es auch immer wieder Überraschungen. So hat ein Nutzer einen Aprikosenbaum gefunden und eingetragen – mitten in Berlin am Ostbahnhof. Auch andere Exoten wie Maulbeerbäume, die früher versuchsweise zur Seidenraupenzucht gepflanzt wurden, finden sich auf der Karte. Die Früchte sind essbar.

Doch längst nicht jeder Obstbaum, der nicht eingezäunt ist, ist auch herrenlos. Das wissen die „Mundräuber“ und stellten Regeln auf: „Stellt vor dem Eintragen bzw. Ernten sicher, dass keine Eigentumsrechte verletzt werden“, heißt die erste Regel. „Beispielsweise können Bäume entlang einer Landstraße komplett verpachtet sein“, gibt Kai Gildhorn zu bedenken. Um für Klarheit zu sorgen, reicht im Zweifelsfall ein Anruf bei der Gemeindeverwaltung. Zudem fordern die Initiatoren einen behutsamen Umgang mit Büschen und Bäumen und rufen zum Nachpflanzen auf. Frei nach dem Motto: „Wer ernten will, muss auch säen.“

Die Mundräuber haben ihre Idee längst weiterentwickelt. Neben dem Internetportal haben sie eine Firma gegründet, die eigene Bücher über Obst verkauft, mit Mostereien kooperiert oder Verwaltungen beim Anlegen von Streuwiesen hilft. Zwei Mitarbeiter hat das kleine Startup-Unternehmen inzwischen eingestellt.

 

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erstellt am 22.Aug.2014 | 12:00 Uhr

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