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Mecklenburg-Vorpommern

03. Dezember 2016 | 07:40 Uhr

Spielemesse MV : Die Würfel sind gefallen

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Größte Spielemesse Mecklenburg-Vorpommerns startet heute in Rostock. Dabei verbirgt sich dahinter mehr als nur der Spaß-Faktor.

„Opa du hast nur Mädchenlego“ – wenn Matthias Tiller seinen Enkel zu Besuch hat, gibt es für das Duo nur eine Beschäftigung: Zwischen den Steinen kramen, bauen und experimentieren. Während die rosa Feen und die „Friends“-Sammlung bei dem Sechsjährigen dabei auf wenig Begeisterung stoßen, lösen die Piraten, die Simpsons oder auch die Ghostbusters regelrechte Begeisterung aus. „In meinem Hobby-Zimmer beherberge ich auch eine 16-Quadratmeter große Stadt, eine Vier-Quadratmeter-Westernanlage und ein Zwei-Quadratmeter-Winter-Wonderland“, erzählt er stolz. Gut verstaut in ordentlich sortierten Kartons holt er die Schätze vor allem dann raus, wenn er mit seinen „Lugs“ unterwegs ist – so wie heute bis Sonntag auf der Spielidee-Messe in Rostock.

Hinter „Lugs“ verbirgt sich eine Gruppe von Lego-Freunden. Die einen sammeln nur, die anderen zaubern aus den Steinen eigene Kreationen wie Schlösser, Raketen oder Eisenbahnen. Die Spielidee ist mit 100 Ausstellern die größte Messe dieser Art in Mecklenburg-Vorpommern, auf der auch die Neuigkeiten des Marktes präsentiert werden.

Spiele-Tipps der Profis

„Dr. Eureka“

Wenn zwei bis vier verrückte Wissenschaftler gleichzeitig nach einer vorgegebenen Formel forschen, herrscht Chaos im Labor. In „Dr. Eureka“ stehen jedem Spieler drei Reagenzgläser gefüllt mit zwei jeweils gleichfarbigen Bällchen zur Verfügung. Sobald eine Formelkarte in der Tischmitte aufgedeckt wird, gilt es, schnell zu sein: Nur wer zuerst durch Umfüllen der Bällchen in seinen Reagenzgläsern die gesuchte Formel mischt, kann das Spiel gewinnen. Bei „Dr. Eureka“ können zwei bis vier Spieler ab einem Alter von sechs Jahren mitmischen.

„Codenames“

Seit 1979 wird das Spiel des Jahres gekürt. 2016 heißt es „Codenames“.  Nur die Geheimdienstchefs kennen die Identitäten ihrer Agenten. Aus Gründen der Geheimhaltung dürfen sie jedoch nur Hinweise auf die gesuchten Codenamen geben, die ihre Ermittler dann deuten müssen. Das Team, das in Teamarbeit als erstes alle Codenames gefunden hat, gewinnt. Das Spiel  ist für Kinder ab zehn Jahren geeignet.  Eine Partie dauert etwa 15 Minuten. Zwei bis acht Personen können mitspielen.

„Activity“

Der Party-Klassiker „Activity“ ist in diesem Jahr in einer neuen Variante erschienen – und zwar als „Krazy Kritzel“. Ein Haus zeichnen klingt doch nicht schwer. Doch was passiert, wenn dieses blind auf einem Brett vor der eigenen Stirn gezeichnet werden soll? Die Mitspieler müssen innerhalb von 30 Sekunden erkennen, was das Gekritzel bedeuten soll. Spielbar ab acht Jahre, für drei bis zehn Personen.

„Imhotep

Nominiert zum Spiel des Jahres wurde 2016 „Imhotep“, ein Strategiespiel für zwei bis vier Personen ab einem Alter von zehn Jahren. Imhotep war der erste und berühmteste Baumeister Ägyptens. Nun  werden die Spieler selbst zum Baumeister und erschaffen wie Imhotep Monumente für die Ewigkeit. Dabei versuchen sie auch die Pläne der Mitspieler zu verhindern.

 

Besonders beliebt seien in diesem Jahr Assoziations- und Wortfindungspiele wie „Krazy Wordz“. „Der Trend geht zu einfachen Spielen. Die Zielgruppe ist nicht mehr nur die Familie, sondern auch Freundeskreise oder gar Kollegen“, weiß Spielberaterin Franka Meusel. Die Branche wachse kontinuierlich. Mittlerweile kämen jährlich 1000 neue Spiele auf den Markt. „Vor sieben Jahren waren es noch etwa 300 Neuerscheinungen. Deutschland galt immer als Hochburg der Spiele-Entwickler. Doch gerade die USA, Korea und auch Frankreich holen auf“, ergänzt ihr Kollege Erik Wöller. In Deutschland würden vor allem in südlichen Gefilden regelmäßig Brett- und Gesellschaftsspiele ausgepackt. „Das ist historisch gewachsen. Weil sich dort Verlage ansiedelten, wurden Testspieler benötigt. Daraus etablierten sich am Ende Vereine und Spiele-Clubs“, weiß Wöller. „Aber auch im Nordosten entwickelt sich allmählich eine Spielszene“, freut er sich. Besonders bedauerlich finden die Spieleberater, dass Vielen trotz der enormen Vielfalt nur Spiele-Klassiker bekannt seien. Dazu zählen „Monopoly“, „Risiko“ oder auch „Spiel des Lebens“.

„Sich vor dem Auswahlregal zurechtzufinden, sorgt häufig für Überforderung. Hinzu kommt, dass sich die Quantität negativ auf die Langlebigkeit der Spiele auswirkt“, erklärt Franka Meusel. Dabei gäbe es für jede Spielergruppe ein riesiges Potpourri. Ein Indiz für den Erfolg eines Spiels sei die Auswahl an Erweiterungen oder die Anzahl der Neuauflagen. „Aber etwas richtig Herausragendes gab es schon lange nicht mehr. In der Regel geben Spiele-Auszeichnungen aber eine gute Orientierung.“ Auf dem Vormarsch seien kooperative Spiele, in denen Teams gebildet werden. „Um zu gewinnen, muss man zusammenhalten. Man tritt zum Beispiel gegen das Spiel an wie bei ,The Game’. Es macht einfach Spaß, sich gemeinsam den Kopf zu zerbrechen“, weiß die Expertin, die so gut wie jede Anleitung im Kopf hat. Ob jemand gerne spielt oder nicht, entscheide bereits die Kindheit. „Wer früh rangeführt wird, bleibt neugierig.“

Warum Spielen bereits im Babyalter wichtig ist, verdeutlicht Pädagogin Anne Zilling. Im Rostocker Verein Charisma ist sie verantwortlich für die Eltern- und Familienbildung und in dieser Funktion auch als Fun-Teamerin unterwegs. Fun bedeutet Familie und Nachbarschaft. Dahinter verbirgt sich ein lizenziertes Programm, bei dem übers Spielen die Eltern-Kind-Bindung gefördert und gestärkt wird. Auf diese Weise erfahren alle Familienmitglieder wie die Kompetenzen, die zum Zusammenleben in der Familie nötig sind, erlernt werden können. „Im besten Fall entsteht eine Kommunikation, die für die Entwicklung des Kindes enorm wichtig ist“, erklärt Zilling und ergänzt: „Auch wenn das Kind noch nicht antworten kann, findet ein Austausch statt. Für einige Familien ist es ein komisches Gefühl mit einem Baby zu sprechen, weil es ja noch nicht antwortet.“ Mittels Spielzeug könne der Entwicklungsstand des Kindes festgestellt und Wissen vermittelt werden. „Für kleine Kinder können das Bausteine in verschiedenen Farben sein. Indem die Eltern erklären, was gelb und was grün ist oder welche Form welcher Stein hat, beginnt das Kind zu lernen. Die Eltern sind oft überrascht zu sehen, was ihr Kind alles kann“, erläutert die Bildungswissenschaftlerin. „Darüber hinaus lernt man beim Spielen die gegenseitigen Interessen kennen.“

Für etwas ältere Kinder im Kita- und Grundschulalter empfiehlt Zilling sogenannte Story Cubes. Ein Spiel besteht aus neun Würfeln, auf denen jeweils verschiedene Bilder gedruckt sind. Nach dem Würfeln soll aus den Bildern eine Geschichte konstruiert werden. „Das sorgt für viele Aha-Effekte. Die Fantasie wird angeregt und die Kreativität gefördert“, sagt Zilling. „Weil der Alltagsstress sich einnistet, steht das Familienleben manchmal ganz schön Kopf. Auch Kinder haben oft stark strukturierte Tagesabläufe. Spiele sind eine gute Gelegenheit, sich Familienzeit zu schaffen.“ Die Pädagogin definiert übrigens auch Bücher als Spielzeug: „Im weiteren Sinne. Immerhin sind sie in zahlreichen Familienritualen eingebunden, zum Beispiel liefern sie die Geschichten vorm Einschlafen.“

Programmhöhepunkt der Spielemesse in Rostock

Um die Wette
Bereits zum vierten Mal treffen sich  Carcassonne Fans  heute  um 14.30 Uhr zur Ostseemeisterschaft. In diesem Jahr wird der spielerische Wettkampf  mit dem erst vor wenigen Tagen veröffentlichten Spiel aus der Edition Carcassonne around the world Amazonas ausgetragen. Hier treten die Mitspieler zu einem Kanu Wettrennen an und entdecken die Tierwelt des Regenwaldes. Anmeldungen werden direkt am Stand entgegen genommen.

Meisterhaft
„Mensch ärgere dich nicht“ ist ein echter Spieleklassiker, der seit 100 Jahren ganz oben auf der Beliebtheitsskala der Deutschen steht. Morgen  findet  um 14 Uhr die erste offizielle offene Landesmeisterschaft im „Mensch ärgere Dich nicht“ für Mecklenburg-Vorpommern  statt.  Wer mitmachen möchte, kann sich vor Ort anmelden.

Hoch hinaus
Bauklötze waren gestern. Heute gibt es Bioblo - neuartige  Spiel- und Konstruktionssteine, die nicht nur bunt sind, sondern auch wasch- und recycelbar. Sonntag um 17 Uhr  wird  zum  großen Wettbauen geladen.

An die Puzzle. Fertig. Los!
Am Sonntag um 14 Uhr versuchen  66 Puzzlebegeisterte bei der Schmidt-Puzzle-Städte-Tour  möglichst schnell 66 Puzzle zusammen zu setzen. Dabei sind sowohl Kindermotive mit 100 Teilen als auch Puzzle für Erwachsene mit 135 Teilen. Erst wenn das letzte Puzzle fertig ist, wird die Zeit gestoppt. Der Wettbewerb wird in insgesamt 16 Städten ausgetragen. Wer am Ende am schnellsten ist,  darf sich nicht nur  „Deutschlands schnellste Puzzle-Stadt“ nennen, sondern erhält auch ein großes Spielepaket für soziale Einrichtungen. Auf der Spielidee  wird übrigens auch das größte verkäufliche  Puzzle der Welt mit dabei sein. Es hat 40 320 Teile. 

Die Spielidee in der Hanse Messe, Zur Hanse Messe 1-2 in Rostock, ist täglich von 10 bis 18 Uhr geöffnet. Kinder bis drei Jahre erhalten in Begleitung eines Erwachsenen freien Eintritt zur Veranstaltung.

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erstellt am 04.Nov.2016 | 11:45 Uhr

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