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Mecklenburg-Vorpommern

05. Dezember 2016 | 05:29 Uhr

Landgericht Schwerin : Die wahre Geschichte hinter dem Plater Auftragsmord?

vom
Aus der Onlineredaktion

Ralf D. hat vor mehr als 20 Jahren in Plate südlich von Schwerin versucht, im Auftrag eines Fahrlehrers dessen Frau umzubringen. Dafür sitzt der 48-jährige seit 1997 im Gefängnis.

Gestern belastete er vor dem Landgericht Schwerin einen ehemaligen Komplizen schwer. Der 52-jährige sei es gewesen, der ihm den Killer-Job des Fahrlehrers vermittelt habe. Obwohl die Aussage D.s in sich weitgehend schlüssig erschien, zweifelt der Vorsitzende Richter Otmar Fandel noch, ob er D. glauben kann.

Die Staatsanwaltschaft legt dem Angeklagten einen zweiten Fall zur Last. Er soll auch im Herst 1995 jene Männer besorgt haben, die im Auftrag eines Spielhallenbetreibers einen von dessen Angestellten niederschossen. Wie die Frau des Fahrlehrers überlebte auch er schwer verletzt. Beide Fälle sorgten in der Schweriner Region über Jahre für Schlagzeilen. Einige der Prozesse gegen die Auftraggeber und Schützen mussten mehrmals wiederholt werden oder fanden erst vor wenigen Jahren statt.


Zu Hause im kriminellen Milieu


Er habe sich damals im kriminellen Milieu Schwerins bewegt, gab der Zeuge gestern zu Protokoll. Mit dem Angeklagten sei er häufiger auf Diebestour gegangen oder habe Diebesgut verkauft. Eines Tages habe der Kumpel, der Kontakte zu „ganz anderen Kalibern hatte“, jedoch von einem „großen Ding“, von dem Auftrag des Fahrlehrers gesprochen, der seine Frau nach einem bösen Scheidungskrieg töten lassen wollte. Weil er Geld für Kokain brauchte und im Milieu mehr gelten wollte, willigte er ein, so Ralf D. Im März 1996 fuhr er zusammen mit einem weiteren Komplizen nach Plate und verübte den Anschlag. Vom Fahrlehrer bekam er 10 000 Mark. Neun Monate später wurde er verhaftet und zu lebenslanger Haft verurteilt.

Erst Jahre später belastete er den jetzt angeklagten Kumpel als Mordauftrags-vermittler. Er habe, so der Zeuge, viel Zeit zum Nachdenken gehabt.

Die Frau des Fahrlehrers habe ihn im Gefängnis und auch seine alten Eltern besucht und gebeten, endlich mit der ganzen Wahrheit herauszurücken. Er wolle nicht länger einen Mitschuldigen decken. Zu dieser Einsicht zu kommen, habe lange gedauert, weil es „eisernes Gesetz“ im kriminellen Milieu sei, niemanden „anzuscheißen“. Lange habe er gehofft, der Angeklagte selbst würde sich zu seinen mutmaßlichen Taten bekennen.


500 Euro Schweigegeld im Monat


„Er war mein Freund“, der ihn hin und wieder im Gefängnis besuchte und kleine Gefälligkeiten mitbrachte. Irgendwann bot der Angeklagte dem Inhaftierten angeblich auch 500 Euro im Monat an, wenn er weiter schweigen würde.

Der aus Rheinland-Pfalz angereiste Angeklagte hörte sich die Vorwürfe des Zeugen ruhig an. Nur ab und an runzelte er die Stirn oder es huschte ein leicht spöttisches Lächeln über sein Gesicht. Der Vorsitzende Richter Fandel aber machte deutlich, dass er die Gewissensbisse, die beim Zeugen doch recht spät die Oberhand gewannen, nicht ganz nachvollziehen will. „Jeder Sozialarbeiter würde sich freuen“ über so viel Reue, hielt Fandel dem Zeugen vor. Seine lange Erfahrung als Richter aber mache ihn skeptisch.

Im Dezember soll der Lebenslängliche noch einmal vernommen werden. Dann werden die Verteidiger versuchen, seine Geschichte mit kritischen Fragen auseinanderzunehmen. Vorher sollen die anderen Hauptdarsteller der beiden spektakulären Kriminalfälle vor Gericht aussagen.

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erstellt am 12.Okt.2016 | 21:00 Uhr

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