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Mecklenburg-Vorpommern

02. Dezember 2016 | 19:10 Uhr

Verbrauch : Die große Spritlüge der Autofirmen

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Manipulierte Verbrauchswerte. Minister Pegel fordert realistische Messverfahren

Autokäufer reiben sich nach den ersten gefahrenen Strecken immer häufiger verwundert die Augen. Die von den Herstellern angegebenen Werte zum Spritverbrauch haben zunehmend weniger mit der Realität zu tun. Mecklenburg-Vorpommerns Verkehrsminister Christian Pegel (SPD) fordert deshalb von der Autoindustrie, die Anwendung realistischer Mess- und Prüfverfahren. „Nur auf diese Weise kann Verbraucherschutz wirksam möglich sein und das Vertrauen der Nutzer zurückgewonnen werden“, sagte Pegel gegenüber unserer Redaktion.

Umweltforscher des International Council on Clean Transportation (ICCT) – Mitenthüller des VW-Abgas-Skandals – haben die Diskrepanz von angegebenen und tatsächlichen Verbrauchsdaten wissenschaftlich untersucht und Erstaunliches an den Tag gebracht: In einer gestern vorgestellten Studie kamen die Wissenschaftler zu dem Ergebnis, dass im vergangenen Jahr Autos im Alltag 42 Prozent mehr Kraftstoff verbrauchten, als die Hersteller im Prospekt offiziell angeben. Vor fünf Jahren hatte eine frühere Studie noch einen Unterschied von 23 Prozent, vor zehn Jahren von 15 Prozent ergeben. ICCT hat nach eigenen Angaben Daten von etwa einer Million Fahrzeugen aus sieben europäischen Ländern untersucht.

„Das Ergebnis überrascht uns überhaupt nicht“, sagte Hans Duschl, Sprecher des für Mecklenburg-Vorpommern zuständigen ADAC Hansa e.V. in Hamburg. Der Automobilclub hat nach eigenen Berechnungen selbst eine Differenz von 17 Prozent zwischen den angegebenen und den tatsächlichen Verbrauchswerten festgestellt.

Bei den Tests würden die Autohersteller systematisch Lücken im Testverfahren ausnutzen, meinte Duschl. Gemeint ist beispielsweise die Ermittlung der Verbrauchswerte unter Laborbedingungen. Kanten werden abgeklebt und Autoreifen für einen geringen Verbrauch optimiert. Die Klima-Anlage ist abgeschaltet, Lichtmaschine und Batterie sind abgeklemmt.

Verkehrsminister Pegel erinnerte daran, dass mit dem tatsächlich höheren Spritverbrauch auch die Werte des ausgestoßenen Treibhausgases Kohlendioxid höher als die angegebenen Laborwerte sind. In Marrakesch findet gerade der Weltklimagipfel der UN statt. Pegel fordert für „alle Hersteller verpflichtende Testläufe einzuführen, die unter realen Fahrbedingungen stattfinden müssen und daher zu lebensnahen und realistischen Prüfergebnissen kommen“.

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erstellt am 18.Nov.2016 | 05:00 Uhr

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