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Mecklenburg-Vorpommern

02. Dezember 2016 | 21:11 Uhr

Schwerin : Die Fritz-Reuter-Bühne wird 90!

vom
Aus der Onlineredaktion

Die Geschichte der Schweriner Fritz-Reuter-Bühne ist, wie könnte es bei einer älteren Dame mit 90 Jahren anders sein, eine bewegte. Mal gefiel das, was die Plattdeutschen spielten, den Mächtigen nicht, mal mischte sich eine Weltwirtschaftskrise oder ein missgünstiger Intendant ins Spiel oder die Rechte für Stücke lagen bei Verlagen im Westen oder das sonst so treue Publikum blieb aus, weil etwa das Leben im wiedervereinten Lande verlockender schien als das ausgedachte auf den berühmten Brettern.

Doch der Reihe nach. Als Anfang des 20. Jahrhunderts niederdeutsches Theater immer beliebter wurde, entstanden auch in Mecklenburg und Vorpommern Theater, die up Platt spielten: Rostock bekam eine Niederdeutsche Bühne, Stralsund die Plattdütsch Späldäl – und Schwerin die Niederdeutsche Bühne am Mecklenburgischen Staatstheater. Eine Urkunde weist den 29. November 1926 als offizielles Gründungsdatum aus. Dabei hatte der Hamburger Schauspieler Richard Spethmann schon 1920 eine plattdeutsche Inszenierung in Schwerin he-rausgebracht. Wohlgemerkt mit Profischauspielern. Den stolzen Namen des größten niederdeutschen Dichters, Fritz Reuter, trägt das Ensemble übrigens erst seit 1946.

Eines der Erfolgsgeheimnisse der Schweriner Plattdütschen in all den Jahren bis heute sind ihre für das Ensemble oft anstrengenden Gastspiele im ganzen Norden. Nach den Premieren im Großen Haus des Mecklenburgischen Staatstheaters wandern die Inszenierungen in der Regel ins Schweriner E-Werk und auf Abstecherbühnen von Putbus bis Papenburg. Von ihren Kantinenerlebnissen können die Künstler der Fritz-Reuter-Bühne ein besonderes Lied singen!

Von einem kuriosen Kapitel in der Geschichte des Schweriner niederdeutschen Theaters weiß der Rundfunkjournalist Rainer Schobeß zu berichten: „Der NDR wollte 1978 neben den Aufzeichnungen aus dem Hamburger Ohnsorg-Theater auch Stücke der Fritz-Reuter-Bühne zeigen. Der Rat des Bezirkes Schwerin stand diesem Vorhaben äußerst ablehnend gegenüber. Erst nach stiller Diplomatie wurde das Projekt genehmigt, und das kam so: Die Frau des Schauspielers Manfred Brümmer konnte als Frührentnerin in den Westen nach Hamburg reisen…Mit Hans Brecht, dem Leiter der NDR Redaktion Film und Theater, hat sie dann über die Schwierigkeiten mit der Schweriner Bezirksleitung gesprochen und angeregt, gleich Kontakt mit den zuständigen Stellen in Ostberlin aufzunehmen. Und tatsächlich: Das Projekt wurde genehmigt. Ein Jahr später zeichnete das Fernsehen der DDR mit „Vadder hett n Fründin“ eine erste plattdeutsche Inszenierung auf. Nach der Ausstrahlung im Zweiten Programm des DDR-Fernsehens konnte das Stück vom NDR übernommen werden. Und auch mit zwei weiteren Inszenierungen der Fritz-Reuter-Bühne wurden später Devisen für die DDR eingespielt…“

Dass die Fritz-Reuter-Bühne mehr spielt als seichte Komödien, bewies auch 1999 die Inszenierung des Stücks „De unheimliche Swiegersöhn“ – mit dem Nigerianer Jubril Sulaimon als perfekt plattdeutsch sprechendem afrikanischem Schwiegersohn.

Die Geschichte der Fritz-Reuter-Bühne beleuchtet jetzt auch eine Ausstellung im Parkettfoyer des Mecklenburgischen Staatstheaters, die auf alten Inszenierungsfotos Begegnungen mit unvergessenen Künstlern des Ensembles erlaubt – von Marga Heiden bis Kurt Nolze.

 

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erstellt am 24.Nov.2016 | 12:00 Uhr

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