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Mecklenburg-Vorpommern

28. September 2016 | 00:20 Uhr

Frauenmilch für fremde Babys : Die Amme aus der Flasche

vom
Aus der Onlineredaktion

Frühchen gedeihen Studien zufolge besser, wenn sie Muttermilch erhalten – auch von fremden Müttern

Dass das Stillen die beste Ernährung für Neugeborene ist, darüber besteht in breiten Teilen der Gesellschaft inzwischen Konsens. Mit der Besinnung auf die Vorteile des Brustgebens erlebt inzwischen auch ein weiterer Trend wieder Aufwind: Frauenmilch für fremde Babys.

Nach einer Schließungswelle in den 1970-90er-Jahren entstehen vor allem an den hoch spezialisierten Frühgeborenenzentren wieder Frauenmilchbanken. Nach Angaben der European Milk Bank Association (EMBA) arbeiten in Deutschland aktuell 15, davon 13 in den neuen Ländern. Auch in Westdeutschland, wo alle Milchbanken bis 1972 dicht machten, sind inzwischen wieder zwei aktiv. Trotz des Positivtrends liegt Deutschland damit dennoch im Mittelfeld, hinter Frankreich, Italien, Schweden oder Finnland.

Die Idee, Babys Milch fremder Mütter zu geben, ist nicht neu: Vor mehr als 100 Jahren – im Jahr 1909 –wurde die erste Frauenmilchstelle in Wien eingerichtet. Obwohl sich die künstliche Säuglingsnahrung schon damals verbreitete, waren viele Kinderärzte davon überzeugt, dass Muttermilch die beste Ernährung gerade für kranke Säuglinge und Frühgeborene sei, sagt die Neubrandenburger Still- und Laktationsberaterin Vera Risy, die zur Geschichte der Frauenmilchsammelstellen recherchierte. Im Jahr 1925 entwarf die Künstlerin Käthe Kollwitz das Plakat „Mütter, gebt von euerm Überfluss“, um für Frauenmilchsammelstellen zu werben. Im Jahr 1959 gab es in Deutschland 86 Frauenmilchbanken, davon 62 in der DDR. Mit dem Aufstieg der künstlichen Säuglingsnahrung ab den 1970er-Jahren sanken nicht nur die Stillraten, sondern gerieten auch Frauenmilchbanken ins Abseits.

Mehrere aktuelle Studien – zuletzt von 2015 – belegen die Vorteile von Muttermilch gegenüber künstlicher, auf Kuhmilchbasis produzierter Säuglingsmilch. So ist laut einer Studie des Deutschen Frühgeborenennetzwerks (GNN) das Risiko für eine nekrotisierende Enterokolitis (NEC) – eine gefährliche Darm-Entzündung – bei Frühchen, die künstliche Säuglingsnahrung erhalten, um das 12,6-fache erhöht. Bei der Bronchopulmonalen Displasie (BPD) – einer Lungenentzündung – liegt das Risiko bei künstlicher Milch um das 2,6-fache höher, bei der Retinopathie (ROP) – einer ausschließlich bei Frühgeborenen auftretenden Augenerkrankung – um das 1,8-fache.

Frauenmilch schützt nicht nur vor Darmentzündung und Sepsis, sondern wirkt auch stimulierend auf die Entwicklung des unreifen Darms und die geistige Entwicklung der Frühchen.

„Natürlich ist es das Beste, wenn Mütter ihre Kinder selbst stillen. Doch nicht immer ist das möglich“, sagt der Leiter der Neonatologie und Pädiatrischen Intensivmedizin am Universitätsklinikum Greifswald, Professor Matthias Heckmann.

Dort wurde 2014 die Frauenmilchbank neu eröffnet und dort setzt man wie in Leipzig sogar auf die Gabe von roher, also nicht pasteurisierter Frauenmilch.

 

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