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Mecklenburg-Vorpommern

29. September 2016 | 05:18 Uhr

Wolgast : Dialog mit der AfD? Linke feuert Mitarbeiter

vom
Aus der Onlineredaktion

In der Linkspartei Mecklenburg-Vorpommerns ist ein Streit über den Umgang mit der AfD entbrannt und hat in Wolgast zu ersten personellen Konsequenzen geführt. Der bei der Landtagswahl am 4. September unterlegene Direktkandidat der Linken im Wahlkreis Vorpommern-Greifswald III, Lars Bergemann, hat dem Sieger Ralph Weber (AfD) den Dialog angeboten. Dafür wird er als Wahlkreismitarbeiter der Landtagsabgeordneten Jeannine Rösler (Linke) gefeuert. Ab 1. November ist der 43-Jährige voraussichtlich arbeitslos.

„Er hat eine rote Linie überschritten“, sagte Rösler gestern gegenüber unserer Redaktion. Das Arbeitsverhältnis hätte turnusmäßig ohnehin nach Ende der Legislaturperiode im Oktober geendet. Doch obwohl Rösler die Linke auch im neuen Landtag als Abgeordnete vertreten wird, bekommt Bergemann keinen neuen Vertrag. Das Vertrauensverhältnis sei zerstört, so die Linkspolitikerin. Bergemann arbeitete seit 14 Jahren im Wolgaster Wahlkreisbüro der PDS und später der Linken.

Auf seiner Facebookseite hatte der Wolgaster, der auch stellvertretender Fraktionsvorsitzender seiner Partei im Kreistag von Vorpommern-Greifswald ist, gleich nach Bekanntwerden der Wahlergebnisse gepostet: „Ich biete Herrn Prof. Weber den Dialog an; für die Region und für den Wahlkreis.“ Weber hatte den Wahlkreis deutlich mit 35,3 Prozent der Wählerstimmen gewonnen und wird innerhalb der rechtspopulistischen Partei dem völkischen Flügel zugerechnet.

Gegenüber unserer Redaktion sagte Bergemann zur Begründung: „Ich will von dem Abgeordneten mit Direktmandat wissen, wie er unsere Region künftig im Landtag vertreten wird.“ Das gehe aber aus Sicht von Bergemann nur über einen Dialog. „Wenn man sich inhaltlich auseinandersetzen will, muss man miteinander reden“, so der Linkspolitiker.

Das wird in der Führung seines Kreisverbandes anders gesehen. „Es wird keine Zusammenarbeit mit der AfD geben“, stellte Jeannine Rösler ihre Position dar. Die Kreisvorsitzende Mignon Schwenke, die auch ein Mandat im neuen Landtag hat, habe die gleiche Position.

Lars Bergemann ist enttäuscht. Trotzdem will er der Linkspartei treu bleiben. „Ein Parteiaustritt kommt für mich deshalb nicht infrage“, sagte er.

Linksfraktion: Vorstandswahl später

Die Linke im Schweriner Landtag wird ihren neuen Fraktionsvorstand erst nach dem für Sonnabend geplanten Landesparteitag bestimmen. Die Neuwahl des Führungsgremiums sei für den 27. September anberaumt. Bis dahin werde der bisherige Fraktionsvorstand die Geschäfte weiterführen, teilte die Fraktion nach ihrer Konstituierung gestern mit. Nach der Wahlschlappe vor gut zwei Wochen stellt die Linke nur noch elf Abgeordnete, drei weniger als in der Wahlperiode zuvor. Wegen des Absturzes auf 13,2 Prozent, dem schlechtesten Wahlergebnis der Linken im Nordosten, wird für den Landesparteitag eine heftige Debatte zu Wahlstrategie und Führungspersonal erwartet.

Für die Wahl der Landtags-Vizepräsidentin nominierte die Linke Mignon Schwenke, bislang stellvertretende Fraktionschefin.

 

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erstellt am 20.Sep.2016 | 20:55 Uhr

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