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Video: Joachim Gauck in MV : Der Präsident sagt Tschüss

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Joachim Gauck auf Abschiedstournee in Mecklenburg-Vorpommern

Auch zum Ende seiner Amtszeit gibt sich Joachim Gauck als Bürgerpräsident. Bereitwillig drückt er in einer Wismarer Ladenstraße die Hände von Passanten, gibt ein Autogramm „für den Schwiegersohn“, lächelt für ein Selfie in die Smartphone-Kamera und dirigiert Schulklassen zum gemeinsamen Gruppenfoto.

 

Die eintägige, randvoll mit Terminen gefüllte Visite gestern in seinem Heimatland Mecklenburg-Vorpommern ist Gaucks letzter offizieller Besuchstermin als Bundespräsident. „Morgen wird das Büro aufgeräumt. Am Freitag gibt es den Großen Zapfenstreich zur Verabschiedung. Und dann fällt der Hammer“, berichtet Gauck im Gespräch mit einer Passantin am Markt von Wismar.

Am Sonntag übernimmt in Berlin der frühere Außenminister Frank-Walter Steinmeier das höchste deutsche Staatsamt. Seinem in Konfliktbewältigung erfahrenen Nachfolger überlässt Gauck dann auch Antworten auf Fragen zu aktuellen Entwicklungen wie dem weltweit grassierenden Nationalismus.

 

Dabei böte der Besuch in Wismar, Greifswald und Stralsund, drei alten Hansestädten, eine schöne Brücke zu den Vorzügen von freiem Handel und Wandel. Und auch in den Niederlanden, wo gestern unter anderem der Rechtspopulist Geert Wilders zur Wahl antrat, war der hansische Bund der Kaufleute im Mittelalter schon recht aktiv. Das sei nicht das Thema der Reise durch Mecklenburg-Vorpommern, gibt es als Antwort.Das Thema ist bürgerschaftliches Engagement. Dafür hatte Gauck nach seinem Amtsantritt eine eigene Besuchsreihe initiiert: „Verantwortung vor Ort - Engagement in den Kommunen“. Quer durchs Bundesgebiet besuchte er kleinere und größere Orte, um sich über die Herausforderungen dort zu informieren und gleichzeitig das Engagement von Bürgern und Kommunalpolitikern zu würdigen.

Das tut er auch in Wismar, wo Bürgermeister Thomas Beyer (SPD) stolz auf die Erfolge bei der Altstadtsanierung verweist. Seit 2002 steht die Stadt zusammen mit Stralsund auf der Welterbeliste der Unesco.

Die jährliche Besucherzahl habe sich seither verfünffacht, hört Gauck und erfährt gleich darauf selbst, wie sich das wachsende Interesse an der Stadt zeigt. In kurzer Folge wird er von Touristen aus Baden-Württemberg und Hamburg angesprochen, die sich nur lobend über ihr Urlaubsziel äußern. Für Gauck Beleg, dass sich zielgerichtete Kommunalpolitik und bürgerschaftliches Engagement stets auszahlen. „Ich freue mich immer wieder, wenn ich auf eine aktive Bürgerschaft treffe. Und das ist hier besonders großartig vertreten“, bescheinigt der 77-Jährige den Wismarern. Bei vielen solcher Begegnungen sei ihm im Laufe seiner fünfjährigen Amtszeit bewusst geworden: „Dieses Land ist durchzogen von einem Netzwerk der Guten“, sagt Gauck.Dies werde allerdings häufig von Berichten darüber überlagert, wo es nicht klappt, wo es Ärger gibt, Verdruss, Verbrechen und Versagen.„Das Schöne an diesem Bundespräsidentenamt ist, dass man dieses andere, dieses funktionierende, dieses gute, engagierte Deutschland kennenlernen kann“, hebt Gauck hervor. Er habe auch Königinnen getroffen. „Ja gut, das ist auch interessant.“ Aber für seine Lebenspartnerin Daniela Schadt und ihn seien Begegnungen mit engagierten Bürgern das Schönste gewesen an der Präsidentschaft. „Das, denke ich, werde ich am ehesten vermissen“, sagt Gauck und erinnert daran, dass ihm als gebürtigem Rostocker der Weg in das Staatsamt alles andere als vorgezeichnet war. So manches „Ossigewächs“ habe sich nach dem Herbst 1989 neu orientieren müssen. „Und manchmal ging die Entwicklung in erstaunliche Richtungen“, sagt Gauck, ohne weitere Namen zu nennen.Vor dem nun folgenden Ruhestand sei ihm nicht bang. „Ich bleibe in Berlin, weil ich wahrscheinlich noch an diesen oder jenen Stellen in Deutschland gefragt sein werde. Und da ist es logistisch einfacher, von Berlin aus zu reisen“, gibt Gauck Einblick in seine Pläne. Nach Mecklenburg-Vorpommern wolle er auch wieder häufiger kommen. In der Nähe seiner Heimatstadt Rostock, auf dem Fischland, hat die Familie ein altes, reetgedecktes Ferienhaus: „Dort wird man mich dann öfter treffen.“

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erstellt am 15.Mär.2017 | 20:45 Uhr

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