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Mecklenburg-Vorpommern

11. Dezember 2016 | 01:16 Uhr

Braunkohle : Der Mief der DDR kehrt zurück

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

STREITBAR: Die Kehrseite der Energiewende wird ignoriert, Negatives ausgeblendet. Doch der größte Feind des Guten ist das gut gemeinte, analysiert Wolfgang Bok.

Da stehen sie nun Spalier. Meterhoch sind die Briketts aufgeschichtet. Zu Tausenden in jedem Baumarkt. Und jeder dieser Braunkohlepresslinge gleicht einer Stinkbombe. Ausreichend, um einen ganzen Straßenzug zu verpesten. Denn passend dazu werden die billigen Räucherkammern gleich mit angeboten. Im Glauben, Energiekosten zu sparen und für die Umwelt etwas Gutes zu tun, greifen die Kunden zu. Die Nachbarn werden’s danken. Regelmäßig zur Weihnachtszeit zieht ein Mief von DDR durch die Viertel.

Doch merkwürdig: Keine Umweltaktivisten von Greenpeace oder BUND eilen zur Mahnwache in die Baumärkte. Lieber postieren sie selbst vor modernsten Kohlekraftwerken. Deren Abluft ist zwar vielfach gefiltert - und doch nennen sie selbst modernste Stromlieferanten „Dreckschleudern“. Dabei verderben die kleinen schwarz-braunen Stinkbomben das Mikroklima weit mehr. Aber dagegen zu protestieren ist natürlich lange nicht so telegen. Damit kommt man nicht ins Fernsehen.


Grüne Kirche


Fakten spielen in der ideologisch aufgeheizten Energiedebatte ohnehin keine Rolle. Der Ökologismus ist unsere neue Religion. Gläubig beten wir das Mantra der drohenden Klimakatastrophe. Das Fegefeuer droht in Form der Klimaerwärmung. Wer kritische Fragen stellt, gilt als Ketzer und kommt auf den medialen Scheiterhaufen. Kürzlich forderte ein Professor aus Graz gar die Todesstrafe für „Klimaleugner“. Er lehrt noch immer.

Wo der Weltuntergang an die Tür klopft, gilt Rücksichtnahmen als Frevel. Wichtige Infrastrukturprojekte werden zwar gestoppt oder mit allerhand Auflagen verteuert, um vermeintlich seltenes Getier zu schützen. Mal ist es der Juchtenkäfer beim einem Bahnprojekt wie Stuttgart 21, dann wieder müssen Eidechsen aufwändig umgesiedelt werden, die sich dann aber meist doch der ökologischen Quartierzuweisung zu verweigern. Für Fledermäuse bauen wir sogar teure Brücken über Straßen, damit diese dann auch sicher den Weg finden zu den stählernen Vogel-Schredderer-Anlagen. Doch wer gegen gigantische Windrotoren vor seiner Haustüre protestiert, findet im Land des Gehörtwerdens kein Gehör. Und die Bienen, die unter der Vermaisung der Flächen leiden, die ihnen die pflanzliche Vielfalt raubt, haben ohnehin keine Stimme. Sie sterben stumm. Dabei sind 90 Prozent aller Blütenpflanzen auf die Pollenzufuhr der fliegenden Helfer angewiesen. Doch die Klagen der Imker verhallen.


Sau-Paradies


Dagegen gedeihen die Wildschweine prächtig. Maismonokulturen sind für sie ein Schlaraffenland. Die Folge: Jahr für Jahr werden mehr Verkehrsunfälle registriert, die auf kreuzende Bachen und Eber zurückzuführen sind. Das treibt die Versicherungsprämien spürbar nach oben. Auch viele Jäger haben bereits vor der neuen Plage kapituliert, weil sie nicht länger bereit sind, für die hohen Schäden zu haften, die das Borstenvieh zunehmend verursacht. Wer zählt eigentlich diese Opfer der Energiewende?

Selbst Wirtschaftsminister Siegmar Gabriel gesteht mittlerweile ein, dass bei der hier deutschen Energie-Eil-Wende vieles nicht zusammenpasst. Aufwand und Ertrag, rechnet der SPD-Vorsitzende vor, klaffen gehörig auseinander. Mit 23 Milliarden Euro verhelfen die Stromkunden den Eignern von Windparks, Solarplantagen und Biogasfarmen zu satten Renditen. Garantiert für 20 Jahre. Da muss jeder Kleinsparer, dem nun auch noch Negativzinsen drohen und die Lebensversicherungen wegschmelzen, vor Wut kochen. Auch das ist Umverteilung von unten nach oben. Wo sind die Proteste derer, die sonst ständig nach Gerechtigkeitslücken suchen? Hier tut sich eine auf. Schließlich hat sich Strompreis seit 2001 verdoppelt. Für die Ärmsten wird er zunehmend unbezahlbar. Über 300 000 Familien droht auch in diesem Jahr ein Abschalten vom Netz, weil sie ihre hohen Rechnungen nicht bezahlen konnten. Dann sitzen bei Kälte im Dunkeln oder betteln um Kilowattstunden. Es gibt eben auch Mitbürger, die für die Energiewende persönlich einen hohen Preis zahlen.


Ohne Frischluft


Tapfer kämpfen die Grünen gegen die Vermüllung der Meere mit Plastiktüten. Gut so! Doch die Platik-Burkas, mit denen selbst denkmalgeschützte Häuser „energetisch saniert“ werden müssen, werden als Segen gefeiert. Edel-TV-Pensionäre Ulrich Wickert lässt sich gegen ein stattliches Honorar von der Styropor-Lobby einspannen und preist mit sonorer Vertrauensstimme die Geborgenheit durch Luftabschluss. Der ehemalige Tagesthemen-Moderator entspricht damit der neuen deutschen Sehnsucht: Gutes tun – und gut dabei verdienen.

So folgt eine Energieeinsparverordnung der nächsten. Mit der Folge, dass neue Häuser heute technisch belüftet werden müssen, um die Bewohner mit Frischluft zu versorgen. Da mögen noch so viele Studien auf die negativen Folgen hinweisen:
1.) Auf die unterschätze Brandgefahr, weil die dicken Dämmmatten leicht Feuer fangen.
2.) Auf das verbreitete Schimmelrisiko, weil in den Wohnungen nun zu wenig gelüftet wird und die natürliche Trocknung fehlt.
3.) Auf die Minusrentabilität, weil die hohe Kosten durch entsprechende Einsparung erst nach 50 oder 60 Jahren erwirtschaftet werden. Schon gar nicht, wenn nun Öl und Gas immer günstiger werden.
4.) Auf das Sondermüll-Problem, wenn die Styroporplatten entsorgt werden müssen, weil deren Haltbarkeit weit geringer ist als die üblichen harten Baustoffe.
5.) Auf die Bausünden und neue Hässlichkeiten, weil sich so Scheinmodernisierungen leicht auf die Mieter umlegen lassen, deren Fenster dann zu Schießscharten schrumpfen.

Doch die Rufe nach einem „Ende des Dämmwahns“ verhallen ungehört. Berechtigten Einwände werden rüde abgebürstet. Der Ökologismus duldet keinen Widerspruch.


Mehr CO2


Das passt nicht in eine Zeit, in der doch eigentlich der offene Diskurs gepflegt wird. Aber auch dieser Widerspruch gehört eben zu jener „Scheinheiligkeit“, die Günther Oettinger in seiner Zeit als Energiekommissar ebenso hartnäckig wie vergeblich angeprangert hat. Also rauchen die Schlote weiter. Mehr denn je sogar: Im Großen, weil Versorgungslücken ausgeglichen werden müssen, wenn der Wind nicht weht und die Sonne nicht scheint. Im Kleinen, weil die Leute ihre Kamine mit Briketts oder Holz befeuern wie zu Zeiten, als die Zentralheizung noch nicht das Leben erleichtert hat. Hier spielt der Feinstaub offenbar keine Rolle. Dafür drangsalieren wir den kleinen Handwerker, der sich keinen neuen Transporter leisten kann, um in die „Umweltzone“ zu gelangen.


Planwirtschaft


Der Mief der DDR, der nun wieder in die Nase steigt, hat durchaus Symbolkraft: Wir bewegen uns auch politisch in eine DDR-light. Mit Reisefreiheit und Länderfinanzausgleich. Die Erben der SED kehren zurück an die Schalthebel der Macht, wie der Sündenfall von Thüringen aller Welt vor Augen führt. Derweil die FDP keinen Stich mehr macht. Das Feuer der Freiheit glimmt nur noch. Im Energiesektor herrscht schon Planwirtschaft statt Marktwirtschaft. Das stinkt zum Himmel. Denn der Nutzen für die Natur geht gegen Null: Deutschland verursacht heute mehr klimaschädliches CO2 - und nicht weniger.


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