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Mecklenburg-Vorpommern

02. Oktober 2016 | 00:20 Uhr

Sonderausstellung in Güstrow : Der Hengst schreit wieder

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Ernst-Barlach-Stiftung widmet sich in einer Sonderausstellung dem Rostocker Künstler Jo Jastram

Jo Jastram gilt als einer der bedeutendsten Bildhauer des 20. Jahrhunderts. Vielfach schmücken seine Werke den öffentlichen Raum in Mecklenburg-Vorpommern. Die Ernst-Barlach-Stiftung in Güstrow widmet dem Rostocker Künstler nun eine Sonderausstellung. Am Sonntag wird sie eröffnet. Gezeigt wird ein repräsentativer Querschnitt seines künstlerischen Schaffens: Zu sehen sind Plastiken, Medaillen und Zeichnungen aus den Jahren 1957 bis 2006. Es ist die zweite Ausstellung der Barlach-Stiftung, in der ein Bildhauer präsentiert wird. „Wir haben einen klar definierten Stiftungszweck, der dem Leben und Wirken Barlachs oberste Priorität einräumt“, erklärt Museumsleiter Dr. Volker Probst. Wie Jastram in das Konzept passe, dazu fallen im zwei wesentliche Gründe ein: „Barlach hat sich intensiv mit der Gewandfigur auseinandergesetzt, obwohl zu seiner Zeit Aktfiguren im Fokus standen. Sein Werk wurde vielfach rezipiert, unter anderem von Jo Jastram.“ Zudem hätte sich Jastram für die Pflege des Werkes Barlachs eingesetzt – als Vorsitzender des Arbeitskreises Ernst Barlach im Kulturbund der DDR. Außerdem trug er als Präsident der Ostsee-Biennale zur Öffnung des Landes für internationale, insbesondere nordeuropäische Kunstströmungen bei.

Um das Engagement und das Schaffen des Rostocker Künstlers zu würdigen, wurde in den vergangenen zwei Jahren erstmals ein Werkverzeichnis erarbeitet, das im Kontext der Ausstellung in Güstrow erschienen ist. Die Federführung übernahm die Kunsthistorikerin und ehemalige Leiterin des Kulturhistorischen Museums in Rostock, Dr. Heindrun Lorenzen. Zwei Jahre haben sie und ihr Team detektivisch Archive durchforstet, den schriftlichen Nachlass Jastrams gesichtet, Zeitungsartikel verschlungen. Hilfe bekamen sie von Inge Jastram, der Witwe des 2011 verstorbenen Bildhauers. Sie hätte Kontakte zu Sammlern ermöglicht. „Solange Künstler leben, ist ihnen ein Werkverzeichnis nicht wichtig“, sagt Lorenzen.

Jastram hat sich in erster Linie durch seine Plastiken verdient gemacht, der „Brunnen der Lebensfreude“ in Rostock oder das Relief „Todesmärsche im April 1945“ in Wöbbelin zählen zu den bekanntesten in Norddeutschland. „Ich hatte das große Glück, Jo Jastram kennenlernen zu dürfen. Er war ein offener, interessierter Mensch, der eine charakteristische Kunst schuf, durchdrungen von starker Intellektualität“, äußert Probst. Jastram sei es gelungen, dass ostdeutsche Kunst auch im Westen Deutschlands akzeptiert wurde. „Als Lehrer und Professor für Bildhauerei unterstützte er junge Studenten auf ihrem Weg, wobei er nicht nur anderen, sondern auch immer sich selbst kritisch gegenüberstand“, weiß Lorenzen. „Das unterscheidet ihn im Übrigen von Barlach, der Lehrangebote ausschlug und es vorzog, autark zu leben“, ergänzt Probst.

Die neue Jastram-Ausstellung ermöglicht einen Einblick in die unterschiedlichen Schaffensepochen des Künstlers und zeichnet seine Entwicklung als Bildhauer nach. Erstmals werden Jastrams umfangreiche Arbeiten im Bereich von Denkmal und Gestaltungen des urbanen Raumes mit Brunnenanlagen und freien Großplastiken in einer Ausstellung dokumentiert. Ein besonderer Höhepunkt ist die 1986/87 gefertigte Skulptur „Der schreiende Hengst II“.

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erstellt am 18.Sep.2016 | 09:00 Uhr

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