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Mecklenburg-Vorpommern

27. Juli 2016 | 15:30 Uhr

Erdbeerhof in Rühlow : Der Held im Erdbeerfeld

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Manfred Hans und sein Kollege Volker Bathel züchten über 100 alte Erdbeersorten.

Es ist Sommer. Hochbetrieb für Manfred Hans. Die Pflanzen auf seinem Erdbeerhof in Rühlow bei Neubrandenburg müssen gegossen, das Unkraut gezupft und der Boden gedüngt werden. Er und seine drei Kollegen haben alle Hände voll zu tun. Doch bei einem Blick auf das Feld wird schnell klar: Das sind keine gewöhnlichen Erdbeeren, die der gebürtige Sachse da anbaut. Einige der süßen Früchte sind weiß, andere lila oder rosa und noch mehr als im Aussehen unterscheiden sie sich im Geschmack. Fast 100 Sorten von der Lieblingsfrucht der Deutschen wachsen und gedeihen hier.

„Irgendwie haben mich Erdbeeren immer begleitet“, erzählt Hans. Gerade sind er und seine Kollegen dabei, einige Erdbeerpflanzen für den Transport nach Süddeutschland vorzubereiten. Die Früchte selbst verkauft er nicht, sondern vorgezüchtete Jungpflanzen . Die Stauden werden in Tüten gesteckt, mit Stöcken befestigt, in Papier gewickelt und in Pakete verpackt. Bis zu 14 Tage können die zarten Pflänzchen so aushalten. Und das müssen sie auch. Manfred Hans verkauft seine Erdbeer-stauden europaweit. In Mecklenburg-Vorpommern sind sie genauso gefragt, wie in Norwegen, Luxemburg oder Italien.

„Ich hätte nie gedacht, dass ich davon einmal leben kann“, meint Manfred Hans. Mit 17 Jahren pflanzte er in einem kleinen Dorf im Erzgebirge erstmals Erdbeeren an – Senga Sengana, die wohl bekannteste Sorte. Ihre Früchte sind dunkelrot und sehr süß aromatisch. Später studierte Hans Gartenbau in Erfurt und schrieb seine Diplomarbeit über Erdbeeranbau. Nachdem er einige Zeit als Handelsvertreter im Maschinenbau tätig war, gründete er schließlich 2001 eine Gärtnerei in Sachsen und fing an, intensiv Erdbeeren zu züchten. „Damit hatte ich immer Erfolg“, meint Hans. „Ich dachte mir, es gibt so viele Sorten. Die müsste man eigentlich wieder zusammen tragen.“ Gezielt suchte er nach alten Arten. Trat dafür auch der Gesellschaft zur Erhaltung und Verbreitung der Kulturpflanzenvielfalt „Arche Noah“ in Österreich bei. Wo immer Hans im Urlaub ist, hält er nach besonderen Pflanzen Ausschau.

2003 zog es Hans nach Mecklenburg-Vorpommern, wo er eine neue Gärtnerei eröffnete. Über die Jahre hat er fast 100 Erdbeersorten gesammelt – so viele wie wohl kaum ein anderer in Deutschland.

Auf „Little Scarlett“ ist er besonders stolz. Sie sei eine der ältesten Erdbeersorten Europas und gehe auf das Jahr 1750 zurück. „Ich habe über 20 Jahre nach dieser Sorte gesucht und im Herbst 2008 endlich zwei Pflanzen bekommen. Wer bei Erdbeeren den außergewöhnlichen Geschmack sucht, der sollte diese Sorte ausprobieren.“ Doch das ist nicht seine einzige Besonderheit. Hinter seinem Haus    wachsen Wilderdbeeren aus Chile neben rumänischen Riesenerdbeeren. Aus 25 Ländern kommen seine Pflanzen. Gerade erst hat ihm ein befreundeter Züchter weiße Erdbeeren vom Hochland aus Tibet mitgebracht. „Ich muss erst einmal testen, ob sie sich für diese Gegend hier eignen“, erklärt Hans. Denn nicht jede Pflanze würde er in sein Sortiment aufnehmen, nur weil sie exotisch ist. „Sie müssen von Haus aus gesund sein. Wir wollen keine Chemie einsetzen. Krankheitsanfällige Sorten nehmen wir daher nicht. Das bringt doch nichts. Und sie sollen auch ohne Gewächshaus auskommen.“ Manfred Hans bevorzugt alte Arten. „Sorte, die es schon so lange gibt, sind robust und außerdem enthalten sie weniger Säure, wodurch sie von Allergikern besser vertragen werden können.“

Irgendwann aufzuhören, daran will Hans gar nicht denken. Auch nach Jahren im Erdbeerfeld sind ihm die Früchtchen nicht über. „Hier wird den ganzen Tag genascht. Am liebsten esse ich die Beeren pur. Aber auch mit Vanilleeis schmecken sie einfach herrlich.“

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erstellt am 20.Jun.2014 | 11:55 Uhr

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