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Mecklenburg-Vorpommern

05. Dezember 2016 | 05:28 Uhr

Eisdienst in Rostock : Der Eismann von der Ostsee

vom
Aus der Onlineredaktion

Dr. Jürgen Holforts Ostsee-Karten schützen die Schifffahrt vor ihrem größten Feind

Schiff, Eisberg, Katastrophe – mit dem Untergang der Titanic ging das Eis als Gegner der Seefahrt in die Geschichte ein. Um den Schiffsverkehr in der Ostsee zu schützen, erstellt Dr. Jürgen Holfort vom deutschen Eisdienst regelmäßige Karten. Jetzt nahm der Eisdienst seine Arbeit auf. „Im November veröffentlichten wir den ersten Eisbericht. Jetzt beginnt für uns die Saison“, erzählt der Leiter des Eisdienstes vom Bundesamt für Seeschifffahrt und Hydrographie in Rostock.

Der studierte Ozeanograph klappt einen übergroßen Atlas auf. Er zeigt auf eine vergilbte Eiskarte von 1931. Damals verschickten die Forscher ihre Daten noch per Post. „Heute machen wir im Prinzip das Gleiche. Eissichtungen sammeln, bewerten und rausschicken“, sagt Holfort.

Die Eiskarte sendet Holfort aber nicht mehr per Einschreiben, sondern per Mail an den Deutschen Wetterdienst. Die Bundesbehörde funkt dann die Daten per Langwelle auf das offene Meer. „Es ist im Prinzip ein Fax. Die Kapitäne können die Eiskarten zu bestimmten Zeiten empfangen und sehen an welchen Küsten sie mit Eis rechnen müssen“, sagt er.

Eisberge sind zwar eine Gefahr für Schiffe, doch seit der Titanic haben sie einen schlechteren Ruf als ihnen zu steht. „Im Alltag auf See ist Eisbrei gefährlicher. Denn der Brei, den man sich wie Crushed Ice vorstellen muss, pappt am Schiff fest und irgendwann bleibt der Kahn stecken“, erklärt der Leiter des Eisdienstes.

Damit das nicht passiert, trägt Dr. Jürgen Holfort regelmäßig Eissichtungen in die Karten ein. Satelliten, Schifffahrtsämtern und Eisdienste anderer Länder liefern die Informationen. „Eine wichtige Quelle sind aber immer noch die Helfer an der Küste, unsere Eisbeobachter“, sagt er.

Bei den Eisbeobachtern ist der Name Programm. Sie gehen regelmäßig zur Küste und suchen nach Eis auf dem weiten Meer. Die Helfer schicken dann ihre Information zum Bundesamt. „Wenn die Eisdecke dick genug ist und die Leute aufs Eis gehen können, bekommen wir auch Zentimeterzahlen aus Probebohrungen“, erzählt Holfort.

Doch was genau melden die Küstenbeobachter der Behörde? Grauer Eismatsch vor Rügen? Weiße Scholle im Barther Bodden? „Um Missverständnisse zu vermeiden, haben wir den sogenannten Eiscode. Dieser besteht aus vier Ziffern, die das Eis genau beschreiben“, sagt Holfort.

2,1,0,0 – dieser Code bedeute, dass etwa ein Fünftel der Wasserfläche mit dünnen, maximal 10 cm dicken, Eisstücken bedeckt. Die letzte Zahl stellt fest, dass der Schiffverkehr ungehindert fließen kann. „Der Code ist über die Jahrzehnte detaillierter geworden. In den 1920er-Jahren bestand er nur aus zwei Ziffern“, sagt Holfort.

Die Eiscodes der letzten Jahrzehnte meldeten immer dünneres Eis auf der Ostsee. Holfort legt den alten Atlas zur Seite und greift zu einem Hochglanzheft. Darin stehen die Entwicklung des Eises der letzten 50 Jahre. „Das Eis in der Ostsee geht zurück, der Trend ist deutlich. Dies heißt aber nicht, dass sehr harte Winter ausgeschlossen sind. Es bedeutet nur, dass die Wahrscheinlichkeit für eine vollständig zugefrorene Küste gesunken ist“, sagt Holfort.

Auch wenn die erste Eiskarte diesen Jahres schon raus ist, brauchen sich Kapitäne noch keine Sorgen machen. „Ich habe zwar schon eine Eismeldung von der Schlei bekommen. Aber bei den Temperaturen mussten wir es noch nicht in die Karte eintragen. Nur vor Finnland, Russland und Lettland haben wir Eisflächen markiert“, sagt er.

Jürgen Holfort erstellt seine Eiskarten bis in den Mai. Ein Eistrend für den kommenden Winter lässt sich noch nicht erahnen. „Winter ist Wetter, nicht Klima. Wir können maximal zehn Tage im voraus Prognosen machen. Außerdem befindet sich die deutsche Ostseeküste auf einer unberechenbaren Wettergrenze. Das Einzige, was ich weiß ist, dass ich keinen Winterurlaub haben werde. “

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erstellt am 01.Dez.2016 | 12:00 Uhr

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