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Mecklenburg-Vorpommern

04. Dezember 2016 | 11:10 Uhr

Sascha Ott : Der Auferstandene

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Sascha Ott, der einstige Kandidat für den Justizministerposten, will das konservative Profil der Landes-CDU schärfen

Er dachte, er wäre so gut wie erledigt. In der CDU und in seinem Job als Staatsanwalt. „Ich bin politisch tot und beruflich zumindest halb tot.“ Das waren die Worte von Sascha Ott (50) auf dem CDU-Landesparteitag im Oktober. Die Christdemokraten in Mecklenburg-Vorpommern hatten den designierten Justizminister Ott zurückgezogen, weil er bei Facebook auf AfD-Seiten verlinkte Zeitungsbeiträge mit „Gefällt mir“ markiert hatte.

„Das hat mich sehr belastet“, sagt Ott über die Ereignisse am 23. Oktober. Mit seiner Voraussage lag er aber daneben. Es ist dann doch anders gekommen. Drei Wochen nach dem tiefen Fall wirkt der 50-Jährige politisch quicklebendig.

Er ist den Christdemokraten treu geblieben. Auf dem Parteitag hatte er angekündigt, das konservative Profil der CDU schärfen zu wollen. Es gab donnernden Applaus für die Aufforderung: „Ich würde mich freuen, wenn viele CDU-Mitglieder diesen Weg gemeinsam gehen.“ Und Ott ließ seiner Rede auch Taten folgen.

Der Christdemokrat gilt als Initiator eines konservativen Kreises innerhalb der Partei. Grundwerte wie Tradition und Heimatliebe sollen wieder eine stärkere Rolle bei den Christdemokraten spielen.

„Wir haben Wähler und Mitglieder verloren, einige sind zur AfD gewechselt“, sagt Ott. So waren unter anderem die vorpommerschen AfD-Direktmandatsgewinner Matthias Manthei und Jürgen Strohschein zuvor Mitglieder der CDU.

Zu den Gründen, warum einstige CDU-Anhänger und Mitglieder die Segel strichen, gehören nach Einschätzung von Ott der Ausstieg aus der Kernenergie, die Abschaffung der Wehrpflicht, ein Schlingerkurs beim Thema Ehe und Familie und die aktuelle Flüchtlingspolitik. Der konservativere Anstrich soll laut Ott nun vor allem auch wieder das Profil der CDU als Partei schärfen, „die für Sicherheit und Ordnung steht“. Die Pläne finden auch in der Parteispitze Zustimmung.

Neben CDU-Landeschef Lorenz Caffier begrüßte Fraktionschef Vincent Kokert die Initiative ebenfalls. Zu den Unterstützern zählen die Landtagsabgeordneten Egbert Liskow und Beate Schlupp. „Die beiden haben mir enorm den Rücken gestärkt“, sagt Ott.

Die konkrete Ausgestaltung des konservativen Kreises ist derzeit aber noch unklar. „Es soll keine Partei innerhalb der Partei sein“, st ellt Sascha Ott klar. Denkbar sei ein loser Zusammenschluss, eine Gesprächsrunde oder vielleicht auch ein Verein. „Das ist noch völlig offen. Es ist noch ein kleines Pflänzchen“, sagt er über den neuen Flügen bei der CDU. Am Freitag soll die neue konservative Initiative auf dem Kreisparteitag in Anklam vorgestellt werden.

2017 wird die CDU einen neuen Landesvorsitzenden wählen. Amtsinhaber Caffier wird nicht mehr antreten. Ist das bereits die Chance für den konservativen Flügel, ein Mitglied in der Parteispitze zu installieren? „Eine gewagte Prognose“, findet Ott. Er selbst hat bereits einen „perfekten Kandidaten“ für den Posten im Blick: Vincent Kokert. Über seinen Parteikollegen sagt er: „Er ist ein Vermittler mit klaren Positionen und klaren Zielen.“

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erstellt am 15.Nov.2016 | 06:25 Uhr

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