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Mecklenburg-Vorpommern

04. Dezember 2016 | 11:10 Uhr

Islamischer Staat Deutschland : Dem Bösen auch die linke Wange hinhalten

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Ein nicht ganz ernst gemeinter Kommentar zum jüngsten Propaganda-Gag aus dem US-amerikanischen Wahlkampf

Jetzt ist es soweit. Die Hansestadt Rostock und damit der deutsche Nordosten sind nun Teil des US-amerikanischen Wahlkampfes. Schuld ist ein Video des Wahlkämpfer-Lagers von US-Demokratie-Terminator Donald Trump.

Der Clip aus der texanischen Ideenschmiede Harris Media warnt vor einer Islamisierung Deutschlands. Zentrale Botschaft: Tapferen Jihadisten sei es gelungen, Deutschland zu erobern und das Kalifat zu erweitern, berichtete als erste die „Berliner Morgenpost“. Nun macht das Video auch im deutschsprachigen Welt-Weit-Netz Karriere. Darin eine Szene, in der eine ganzkörperverhüllte Muslima vor der Kulisse des Kröpeliner Tores in der Hansestadt gezeigt wird. Rostock also als Hort des Islamischen Staates. Eine Provokation. Wasser auf die Mühlen aller Patrioten gegen die Islamisierung des Abendlandes (vulgo: Pegida), Öl ins Feuer des sympathisierenden Wutbürgertums und der Anhänger autokratischer Regimes. Wie also damit umgehen?

 

Am besten nehmen wir uns ein Beispiel an anderen großen Nationen. Wenn etwa der Präsident der Türkei, Recip Tayip Erdogan, sich von einem deutschen Nischen-Komiker beleidigt fühlt, bestellt er den deutschen Botschafter ein. Und verklagt den Komiker dann wegen Majestätsbeleidigung. Oder China: Wenn der deutsche Wirtschaftsminister im Vorfeld seiner Dienstreise ins Reich der Mitte sich über dortige Investitionshindernisse, fehlende Rechtssicherheit und den Ausverkauf deutscher Schlüsseltechnologien entäußert, bestellt der chinesische Große Vorsitzende prompt den deutschen Gesandten ein und übergibt eine Protestnote. Und den Besuch der Wirtschaftsdelegation ignorieren die Staatsmedien zur Strafe geflissentlich.

Was also tun mit Trump und seinem Wahlkampfteam? Schließlich hat es mit seinem Schmäh-Video die Bundesrepublik als Ganzes und die Kanzlerin im Besonderen beleidigt. Gleiches mit Gleichem vergelten! Also muss Bundeskanzlerin Angela Merkel jetzt den US-Botschafter einbestellen, um sich derlei Satire zu verbitten – und konsequenterweise Trump oder seine Vasallen wegen Majestätsbeleidigung verklagen. Ach nein, geht ja nicht mehr – der lästige BGB-Paragraf war ja gerade abgeschafft worden.

Aber Gleiches mit Gleichem vergelten ziemt sich ohnehin nicht für die protestantische Pfarrerstochter. Schon gar nicht im Jubiläumsjahr der Reformation. Schließlich gebietet das Neue Testament laut Bergpredigt dem folgsamen Christen, dem Gegner auch die linke Wange zuzuwenden, der ihm auf die rechte schlug. Nicht aus Masochismus oder einer grundsätzlichen Opferhaltung, wie Theologen lehren, sondern ganz selbstbewusst sollte sich niemand dazu hinreißen lassen, es dem anderen heimzuzahlen, sondern vielmehr versuchen zu verhindern, dass eine Sache eskaliert und im Teufelskreis des Bösen endet.

Aber vielleicht macht es doch Sinn, Trump einen Spiegel vorzuhalten. Vielleicht könnte die Babelsberger Filmfabrik ein Agitprop-Video produzieren und posten: Das Weiße Haus, erobert von linken Multikulti-Kommunisten, gekrönt von Hammer und Sichel oder rotem Stern.

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erstellt am 02.Nov.2016 | 20:55 Uhr

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