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Mecklenburg-Vorpommern

11. Dezember 2016 | 05:12 Uhr

Report : Das Sterben im Meer geht weiter

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Für tausende Flüchtlinge aus Libyen wird das Mittelmeer zum Grab. Die Tragödie hat sich in den vergangenen Wochen sogar noch ausgeweitet

Die Fluchtbewegung von Nordafrika über das Mittelmeer nach Italien reißt nicht ab – ganz im Gegenteil. Die gefährlichen Überfahrten haben sogar zugenommen. Fast 27 500 Menschen sind im Oktober über das zentrale Mittelmeer nach Italien gekommen. Das waren so viele Flüchtlinge wie nie zuvor in einem Monat. „Ist das Wetter gut, steigen die Migranten in Libyen in die Boote und fahren los“, sagt Allessio Morelli, Kapitän der italienischen Küstenwache.

Der drahtige Mann befehligt das Rettungsschiff „Luigi Dattilo“, das im Hafen der sizilianischen Stadt Catania vor Anker liegt. Die Crew und der Kapitän haben bereits tausenden Menschen das Leben gerettet. Doch die Tragödien im Mittelmeer nehmen kein Ende. 4000 Menschen sind nach Angaben des Flüchtlingshilfswerkes der Vereinten Nationen (UHNCR) bislang auf der Flucht über die zentrale Route von Libyen oder Ägypten nach Italien ums Leben gekommen. Die meisten von ihnen sind ertrunken. „Ihre Schlauchboote sind überhaupt nicht seetauglich“, erzählt Kapitän Morelli. Die Gummiboote würden aus billigem Material zusammengeklebt und hätten nur eine Luftkammer. Es seien eigentlich große Luftballons. Ein Loch reiche aus und das Boot würde sinken.

Etwa 100 bis 150 Menschen zwängen sich, so schildert es der Kapitän der Dattilo, auf die Gummiboote und wagen die gefährliche Überfahrt von Afrika nach Europa. Auf den Bildern von den völlig überfüllten Schlauchbooten, die Morelli zeigt, trägt kein Insasse eine Schwimmweste. Ein Sturz vom Boot kommt einem Todesurteil gleich. Andere Flüchtlinge sterben an den Strapazen der Flucht oder vor Erschöpfung. Der Kapitän der „Luigi Dattilo“ zeigt Aufnahmen von einem Rettungseinsatz, bei dem Crewmitglieder eine hochschwangere, leblose Frau aus einem Gummiboot ziehen. Die Helfer kamen zu spät. „Es ist besser sich das anzusehen, als blind zu bleiben“, sagt Kapitän Morelli.

Alleine in dieser Woche sind bei vier Bootsunglücken auf dem Mittelmeer nach Angaben der Behörden vermutlich mehr als 340 Menschen ums Leben gekommen. Hinweise auf neue Katastrophen gab es zunächst am Dienstagvormittag – ersten Meldungen zufolge war in der Nacht ein Flüchtlingsschiff gekentert. Am Abend folgte dann die traurige Gewissheit: Ein Boot mit 150 Insassen war untergangen. 15 Menschen konnten gerettet werden, die anderen 135 Mitfahrer waren vermutlich ertrunken. Die nächste Tragödie ereignete sich bereits wenige Stunden später: In der Nacht von Dienstag auf Mittwoch ging ein weiteres Boot unter, wahrscheinlich kamen dabei 99 Passagiere ums Leben. Und in der Nacht von Mittwoch auf Donnerstag starben nach Angaben der Hilfsorganisation Ärzte ohne Grenzen noch einmal 100 Menschen bei der Überfahrt von Libyen nach Italien.

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erstellt am 18.Nov.2016 | 20:55 Uhr

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