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Mecklenburg-Vorpommern

29. Mai 2016 | 09:39 Uhr

Pilotprojekt : Damit der Enkeltrick nicht klappt

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Pensionierte Polizisten helfen als Seniorensicherheitsberater

Ein häufiger Trick: Freundlich bietet ein Dachdecker einem Rentner seine Dienste an – er wolle die Dachrinnen des Hauses reinigen. 250 Euro für das gesamte Haus. Bei diesem Schnäppchen schlägt der ältere Herr zu und lässt den jungen Mann die Arbeit verrichten. Dann der Schock für den Senior: Der Mann möchte nach getanem Werk 250 Euro pro Meter. Bevor der Rentner zu diskutieren anfangen kann, kommen schon vier Kumpel des Dachdeckers, um der Forderung Nachdruck zu verleihen.

„Solche Tricks werden oft, vor allem bei den älteren Menschen angewandt“, sagt Wilfried Meyer, Präventionsmitarbeiter des Landeskriminalamtes (LKA) Mecklenburg-Vorpommern. Noch immer beliebt bei Tätern ist der sogenannte Enkeltrick. Allein seit Beginn dieses Jahres wurden der Polizei mehr als 160 Enkeltrickdelikte gemeldet. 2013 waren es landesweit insgesamt 151 Fälle.

„Die Zahl solcher Fälle nimmt zu und immer öfter werden auf diese Weise ältere Menschen um ihr Geld gebracht“, so Meyer weiter. Aus diesem Grund sind derzeit von der Landespolizei im Raum Schwerin vier pensionierte Polizisten ehrenamtlich als Seniorensicherheitsberater im Einsatz und geben bei Veranstaltungen wichtige Ratschläge.

Gestartet wurde dieses Pilotrojekt von dem Landesseniorenbeirat und dem LKA. „Die Senioren sind dankbar für unsere Hilfe“, sagt Hans-Peter Eichel, einer der vier Seniorensicherheitsberater. „Sie reden lieber mit uns, als mit einem jungen Beamten – wir wissen, welche Probleme sie haben.“

Bei Präventionsmessen oder Veranstaltungen in Einrichtungen sind die ehemaligen Polizisten noch heute im Einsatz. „Nicht nur wir geben dann Ratschläge, die Senioren berichten von Erlebnissen. Wir diskutieren dann über das Handeln der Betroffenen und den Ausgang der Situation. So lernen alle etwas“, sagt Erhard Gortz, Seniorensicherheitsberater.

„Wir wollen ihnen nahe bringen, dass sie auf ihr Bauchgefühl hören und ein bisschen misstrauischer sein sollten – nicht zu sehr, aber ein wenig“, erklärt Sicherheitsberater Siegfried Schulz. Oftmals trauten sich die Senioren nicht, nein zu sagen oder nach Hintergründen zu fragen. „Sie müssen selbstbewusster werden, denn die Täter sind so raffiniert, dass die Älteren dies nicht durchschauen“, so Schulz. Die Verbrecher gehen, laut dem Sicherheitsberater, psychologisch vor: Sie verstellen am Telefon ihre Stimme und geben sich als Verwandter aus. Oder sie mimen jemanden, der finanzielle Unterstützung für kranke Angehörige benötigt.

Aber nicht nur die Senioren werden von den Beratern unterstützt. „Als Bankangestellter kann man gegenüber bekannten Senioren aufmerksamer sein und nachfragen, warum plötzlich eine hohe Barsumme vom Konto abgehoben wird“, sagt Seniorensicherheitsberater Bernd Fritsch. So könnten die Angestellten den Senioren gut zureden, auf ein mögliches Verbrechen aufmerksam machen und dieses verhindern.

Um eine Präventionsveranstaltung durchzuführen, müssten sich Institutionen wie Pflegeheime, Banken oder Versicherungen beim Landesseniorenbeirat, Perleberger Straße 22 (Telefon: 0385-5557970), für einen Termin anmelden.

Künftig wird das Angebot auf das gesamte Land erweitert. „Wir werden im nächsten Jahr die Möglichkeit haben, in jedem Kreis solche Veranstaltungen durchzuführen“, erklärt Wilfried Meyer vom LKA MV. Dies werde mit einer Auftaktveranstaltung bekanntgegeben. Hinzu kommt, dass dann ein Seniorensicherheitsberater in jeder Polizeiinspektion ist, um vor Ort den Senioren mit Ratschlägen zur Seite zu stehen und weiter Beratungen zu organisieren. In den Präsidien wird dann auch Verkehrsprävention speziell für Senioren angeboten, so Meyer weiter.

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erstellt am 20.Dez.2014 | 16:00 Uhr

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