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Mecklenburg-Vorpommern

27. September 2016 | 05:37 Uhr

Ungenutzte Ressourcen : Chance für kleine Hähne

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Forscher in Dummerstorf suchen nach Nutzungsmöglichkeiten für männliche Küken

Im Rinderstall wohnen jetzt Hühner. Seit Anfang diesen Jahres forscht das Leibniz-Institut für Nutztierbiologie (FBN) in Dummerstorf bei Rostock auch an Geflügel. „Uns stehen jetzt 600 Quadratmeter zur Verfügung“, sagt Projektleiter Dr. Gürbüz Da. „Wir können bis zu 1500 Tiere in sieben verschiedenen Abteilen halten.“ Und es sind keine Hühner, sondern Hähne. Manche davon stammen aus Legehennen-Rassen und wären normalerweise am ersten Lebenstag getötet worden. Eier können sie natürlich nicht legen; sie zu mästen, wäre zu aufwendig: Kommerziell aufgezogene Broiler sind nach etwa 35 Tagen schlachtreif, während die männlichen Tiere der Legelinien viele Wochen gefüttert werden müssten. „Das massenhafte Töten der Küken wird in der Gesellschaft aber nicht mehr akzeptiert“, sagt Da. „Und es sind ja auch ungenutzte Ressourcen.“ Deshalb wollen die Forscher herausfinden, wie auch die kleinen Hähne eine Chance bekommen können. Das Ziel ist ein Huhn, das sowohl Eier als auch Fleisch produzieren kann – das sogenannte Zweinutzungshuhn. Darum geht es in einem Verbundprojekt mit elf Forschungseinrichtungen in ganz Deutschland. Die Wissenschaftler beschäftigen sich mit Aspekten wie Wachstum, Tiergesundheit, Verhalten, Produktqualität, Fütterung oder Konsumentenverhalten. Hier in Dummerstorf geht es in erster Linie um Parasiten: Wie reagiert die jeweilige Geflügelrasse auf Wurmbefall, welche Abwehrmechanismen entwickelt sie? „Auch Freilandhühner auf einem Bauernhof werden von Parasiten befallen, oft von Rundwürmern“, erklärt der Wissenschaftler. „Die sind aber für Menschen ungefährlich.“ Begonnen hat das Projekt mit 500 Tieren im ersten Durchgang, ein zweiter wird derzeit durchgeführt. Gürbüz Daş forscht gemeinsam mit dem Doktoranden Manuel Stehr. In einer Versuchsreihe werden drei Arten verglichen: Hähne aus einer Broiler-Linie, aus einer Legehennen-Linie und nicht zuletzt das Zweinutzungshuhn. Alle werden unter gleichen Bedingungen gehalten, aber eine Gruppe wird mit Rundwürmern infiziert, die andere nicht. Fortlaufend werden Daten erhoben. „Und im Rahmen unserer Versuche beproben wir regelmäßig einige Tiere, um ihre inneren Organe und den Parasitenbefall zu untersuchen.“ Dafür wird auch das Immunsystem untersucht, um zu erfahren, welcher Genotyp am widerstandsfähigsten ist. In einer weiteren Versuchsreihe ab Januar 2017 werden das Zweinutzungshuhn und eine herkömmliche Legehennen-Linie verglichen. In etwa zwei Jahren rechnen die Forscher mit Ergebnissen aus diesem Verbundprojekt. „Dann wird sich zeigen, ob es sich lohnt, den Genotyp des Zweinutzungshuhns kommerziell zu etablieren“, fasst Daş zusammen. Es gebe allerdings auch andere Alternativen, so der Forscher. „Wenn man für die Eier von Legehennen etwas mehr bezahlen würde, könnten ihre Brüder für die Fleischproduktion genutzt werden. Denn so könnten die höheren Kosten aufgefangen werden.“ Eine weitere Möglichkeit wäre die frühzeitige Geschlechtsbestimmung im Ei, sodass männliche Küken gar nicht mehr ausgebrütet würden.

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erstellt am 16.Sep.2016 | 21:00 Uhr

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