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Mecklenburg-Vorpommern

30. September 2016 | 01:49 Uhr

Junges Staatstheater Parchim : Casting mit Bierdeckeln

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Begeistertes Publikum bei erster Premiere des Jungen Staatstheaters Parchim

Hohe Innenraumtemperaturen haben durchaus ihr Gutes: Als das Ensemble des Mecklenburgischen Landestheaters Anfang Juni mit den Proben zur ersten Premiere der neuen Spielzeit begann, war es in der Theatergaststätte so heiß, dass Türen und Fenster sperrangelweit geöffnet werden mussten, um drinnen atmen zu können. Unerwarteter Nebeneffekt: Draußen auf der Blutstraße bildeten sich schon bald Menschentrauben, die zuhörten und applaudierten. Schnell war nicht nur die Premiere von „Auf ein Bier am Klavier“ ausverkauft, auch für die Vorstellungen bis Ende Oktober gibt es keine Karten mehr – und für die Folgemonate eine beachtliche Warteliste.

Hochgesteckte Erwartungen also an das junge Ensemble, das seit Anfang August Bestandteil des Mecklenburgischen Staatstheaters ist und sich seither Junges Staatstheater Parchim nennt. Dass es am Freitagabend zur Premiere dann wieder genauso heiß wie zum Probenbeginn war, nahmen die Mitwirkenden als gutes Omen. Und das Publikum ging tatsächlich vom ersten Titel an begeistert mit.

„Schauspieler singen ihre Lieblingslieder“, lautete das Motto, unter das Regisseurin Katja Mickan den Abend gestellt hatte. Und das waren – obwohl der Altersdurchschnitt des siebenköpfigen Ensembles nicht weit über 26 liegt – neben Titeln von AnnenMayKantereit, Maxim und Olli Schulz durchaus auch Klassiker: Wiebke Rohloff begeisterte mit „Youkali“ von Kurt Weill, Marlene Eiberger mit „Oh mein Papa“ aus „Das Feuerwerk“ und Anne Ebel mit Reinhard Mays „Das kleine Mädchen“. Carolin Bauer sorgte mit „Ich bin dagegen“ von den Ärzten für so manchen Lacher – und Martin Klinkenberg mit einer phantastischen und im Unterschied zum Original vom ersten bis zum letzten Wort verständlichen Version von Herbert Grönemyers „Der Weg“ für Gänsehaut. Noch weiter vorn in der Gunst des Publikums lag Nils Höddinghaus, der nicht nur launig durch den Abend führte, sondern mit Johnny Cashs „Folsom Prison Blues“ auch einen ganz besonderen Hit landete. Als Zugabe und damit zum beliebtesten Titel des Abends wählte das Publikum auf seinen Bierdeckeln allerdings „Heute hier morgen dort“ von Hannes Wader – interpretiert vom 22-jährigen Youngster Julian Dietz.

Letztlich dauerte die Premiere eine halbe Stunde länger als die Generalprobe, weil niemand so viel Applaus einkalkuliert hatte. Und dass der neue Generalintendant Lars Tietje ebenso eifrig mitklatschte und anschließend von einer Bereicherung für das neue Staatstheater sprach, wird dem Parchimer Ensemble einige Sorgen genommen haben. Ob „Auf ein Bier am Klavier“ tatsächlich der passende Spielzeitstart für ein Junges Staatstheater ist – diese Frage bleib angesichts von so viel Euphorie dann doch ungestellt.

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erstellt am 19.Sep.2016 | 12:00 Uhr

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