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Mecklenburg-Vorpommern

10. Dezember 2016 | 23:21 Uhr

Arbeitslosenquote in MV : Bonus für späten Abschluss

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Arbeitsagentur fördert verstärkt 25- bis 35-Jährige. In MV niedrigste Arbeitslosenquote seit der Wende

Es sei „eine super-tolle Botschaft“, freute sich die Chefin der Agentur für Arbeit Nord, Margit Haupt-Koopmann, heute bei der Vorstellung der aktuellen Arbeitsmarktzahlen. Erstmals seit der Wende rutschte die Arbeitslosenquote in MV unter 9 Prozent und liegt nun bei 8,7 Prozent. Aktuell 72 200 Arbeitslose sind 2100 weniger als im August und sogar 6100 weniger als im September 2015.

„Der Rückgang der Arbeitslosenzahl ist zwar im September jahreszeitlich üblich, doch fällt er in diesem Jahr deutlich stärker aus“, betonte Haupt-Koopmann. Dabei spielten auch demografische Faktoren eine Rolle, vor allem aber habe es eine kräftige Herbstbelebung auf dem Arbeitsmarkt gegeben. Nachdem im Sommer traditionell kaum eingestellt wurde, rekrutierten Firmen jetzt wieder verstärkt Personal. „Davon profitieren erwartungsgemäß insbesondere junge Fachkräfte, die aus unterschiedlichen Gründen nach ihrer Ausbildung nicht übernommen und daher kurzfristig arbeitslos wurden“, erläuterte die Agenturchefin. So sank die Zahl der jüngeren Arbeitslosen unter 25 im Vergleich zum Vormonat um 700 auf 6400. Auch Langzeitarbeitslose und Schwerbehinderte könnten von der guten Arbeitsmarktsituation profitieren. Die käme nicht von ungefähr, so Haupt-Koopmann: Bereits seit Jahresbeginn sei die Arbeitskräftenachfrage anhaltend hoch, in den ersten neun Monaten dieses Jahres wurden der Arbeitsagentur 35 700 freie sozialversicherungspflichtige Stellen gemeldet – 1000 mehr als im Vorjahreszeitraum.

Es seien „insgesamt erfreuliche Zahlen“, betonte auch Wirtschaftsminister Harry Glawe (CDU). Es bleibe aber noch viel zu tun: Die Binnenwirtschaft müsse weiter angekurbelt werden. „Zu den Hauptaufgaben gehören die Innovationskraft zu erhöhen, das Exportgeschäft auszubauen und intensiv um Investoren zu werben. Das schafft Arbeitsplätze auf dem ersten Arbeitsmarkt“, so Glawe.

Die Vorsitzende der oppositionellen Linksfraktion Simone Oldenburg forderte dagegen im Interesse von 50 000 Langzeitarbeitslosen im Land, die bereits seit vier oder mehr Jahren von Hartz IV leben, einen öffentlich geförderten Beschäftigunssektor. Es sei „unverantwortlich, sich im Schein der sinkenden Arbeitslosenzahlen zu sonnen, die gute wirtschaftliche Entwicklung zu loben und dabei zugleich die Probleme der Menschen auszublenden“, kritisierte Oldenburg.

Die Arbeitsagentur richtet indes jetzt ein besonderes Augenmerk auf die Qualifizierung von Arbeitslosen im Alter zwischen 25 und 35 Jahren, die noch nicht über einen Berufsabschluss verfügen. „Hier verbirgt sich ein Potenzial, das wir nutzen müssen“, so Haupt-Koopmann. Bislang seien 2800 Personen aus dieser Altersgruppe qualifiziert worden, noch immer gebe es im Land aber 7600 Frauen und Männer zwischen 25 und 35 ohne Abschluss. „Viele von ihnen haben bisher gesagt, als Ungelernter verdiene ich mehr, als wenn ich einen Abschluss nachmache“, weiß die Agenturchefin. Als „Gegenargument“ werden mit dem neuen Programm „Zukunftsstarter“ jetzt Prämien eingeführt, die nicht auf Hartz-IV-Leistungen angerechnet werden: Wer eine Zwischenprüfung besteht, bekommt 1000 Euro, nach der Abschlussprüfung gibt es 1500 Euro.

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erstellt am 29.Sep.2016 | 20:55 Uhr

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