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Mecklenburg-Vorpommern

30. September 2016 | 06:56 Uhr

Freiwilligendienst in Chile : Bienvenidos a Chile

vom
Aus der Onlineredaktion

Im Land, wo die Welt zu Ende ist: Marie Eckermann aus Schwerin berichtet in unserer Zeitung von ihrem Freiwilligendienst in Chile

Hundegebell. Gedämpftes Rufen einer markanten Stimme, von einem Auto aus werden Gemüse und Obst angeboten. Das Quietschen der Schiebetür, die Hof und Straße trennt. Klappern von Geschirr und die Geräusche des frisch eingeschalteten Fernsehers im Wohnzimmer. Ich öffne die Augen und schaue mit eiskalter Nasenspitze unter meinen fünf Bettdecken hervor. Die Füße fühlen sich trotz der drei Paar Socken wie Eiszapfen an. Eine weitere Nacht im Winter Chiles ist dem Morgen gewichen und ein neuer Tag kann beginnen.

Nun bin ich schon fast zwei Wochen weg von zu Hause in Schwerin hier in Santa Bárbara und habe einige solcher Morgenstimmungen erlebt. Angekommen bin ich am 2. September mit anderen Freiwilligen in Santiago de Chile nach einem 14-stündigen Flug. Die letzten Momente im Flugzeug konnte ich besonders genießen, da sich ein atemberaubender Ausblick über die Anden Chiles bot. In Santiago konnten wir die Zeit bis zur Abfahrt unseres Busses, der uns weiter Richtung Süden bringen würde, zum Sightseeing nutzen und warfen erste Blicke auf La Moneda, den Präsidentenpalast, und die scheinbar endlose Weite der Millionenstadt.

Von Santiago fuhren wir weitere sieben Stunden mit dem Bus nach Los Ángeles, wo wir sehr herzlich von unseren Gastfamilien empfangen wurden. Nach einer kurzen Autofahrt und ersten Eindrücken von der Landschaft kamen wir endlich in der Stadt Santa Bárbara an. Gleich wurden Gastgeschenke verteilt. Vor allem Schokolade und Schokoaufstrich waren sehr begehrt. Die ersten holprigen Sätze auf Spanisch wurden gewechselt. Ich lebe jetzt mit meinen Gasteltern, der Gastgroßmutter und meinem Mitfreiwilligen gemeinsam in einem Haus am Rande von Santa Bárbara. Oft sind die Kinder und Enkelkinder der Gasteltern zu Besuch, so dass fast immer etwas los ist!

Die ersten beiden Wochen in meiner Einsatzstelle, einem Kinderheim, waren spannend. Der Freiwillige, der während des letzten Jahres hier gearbeitet hat, zeigte uns am ersten Tag das Gelände und stellte uns allen Mitarbeitern vor, die tías und tíos genannt werden. Von ihnen wurden wir sehr herzlich mit „Bienvenidos!“ begrüßt: Willkommen! Man merkt schon nach ein paar Tagen in Chile, wie offen und gastfreundlich die Menschen hier sind! Außerdem gilt hier das Prinzip des Teilens – egal ob Essen, Shampoo oder Probleme. Das finde ich sehr schön, denn in Deutschland vermisse ich diese Mentalität manchmal.

Sehr überrascht hat mich, dass alle Kinder von der Schule Laptops zur Verfügung gestellt bekommen. Außerdem gibt es selbst in der Kleinstadt Santa Barbara freies Wlan auf öffentlichen Plätzen. In der Hinsicht ist Chile Deutschland einen großen Schritt voraus!

Die Landschaft hier ist geprägt von dem Fluss Bío Bío, dessen Ursprung in einem See in den Anden liegt. Auf dem Weg durch die Stadt schaue ich Richtung Osten in der Ferne auf den schneebedeckten Vulkan „Sierra Velluda“ und die kantigen Berge der Anden. Diese Aussicht ist jeden Tag aufs Neue wunderschön.

Momentan sind überall chilenische Flaggen zu sehen, und es werden Dekoartikel in den Nationalfarben verkauft. Am Wochenende wurden mit einem riesigen Fest die Nationalfeiertage „Fiestas Patrias“ veranstaltet. Ganz besonders gefeiert wurde dabei am 18. September, auch als „Dieciocho“ bekannt. In meinem nächsten Bericht werde ich meine Erlebnisse während der Feiertage schildern.

Die Arbeit mit den Kindern macht sehr viel Spaß. Im Moment kann ich außer Sportaktivitäten und gemeinsamen Spaziergängen noch nicht sehr viel mit ihnen unternehmen, da ich noch Probleme beim Verstehen des Spanisch habe, welches hier castellano genannt wird und viele andere Ausdrücke kennt als das Spanisch. Dementsprechend gestaltet sich die Konversation mit den Kindern oft recht schwierig – mit Händen, Füßen und Google-Übersetzer klappt es aber trotzdem.

Hinzu kommt, dass der Gedanke des Helfens sich schnell gewandelt hat in den des Lernens. Wir sind hier Lernende – sei es bei der Sprache oder den Bräuchen. Wir müssen uns in neue, feste Strukturen einfinden und uns anpassen. Das ist nicht immer einfach, denn das Vertrauen der Kinder und Kollegen müssen wir uns erst mit viel Geduld erarbeiten. Aber auch wenn es manchmal schwierig ist: Ich empfinde es als Bereicherung, denn um so schöner wird es sein, wenn man sich eingelebt hat. Sich auf all das Neue und manchmal auch Fremde hier einzulassen, erfordert Offenheit und Akzeptanz. Ich werde mein Bestes geben und mit Neugier in jeden weiteren Tag starten.






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