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Mecklenburg-Vorpommern

09. Dezember 2016 | 02:57 Uhr

Bundesweites Ausbildungskonzept : Beistand bis zum Berufsabschluss

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Die „Assistierte Ausbildung“ soll schwer vermittelbare Jugendliche in den Arbeitsmarkt integrieren

Estifanos (27) möchte sich zum Metallbauer ausbilden lassen. Er lebt erst seit drei Jahren in Deutschland, stammt ursprünglich aus Eritrea und besitzt keinen Berufsabschluss. Wie kann die reibungslose Vermittlung in einen Ausbildungsplatz funktionieren? Die „Assistierte Ausbildung” (AsA) soll helfen. Am Tag der Arbeit 2015 trat das Konzept bundesweit in Kraft.

Im September 2016 waren in Mecklenburg-Vorpommern noch 6400 Jugendliche arbeitslos. Dazu kommen 7600 Arbeitslose im Alter zwischen 25 und 35 ohne Berufsabschluss. Deshalb fördert die Bundesagentur Jugendliche und junge Erwachsene mit „Ecken und Kanten“.

Übersetzt bedeutet dies, dass Menschen mit einem schlechten Schulabschluss oder Schwächen in Fächern wie Deutsch und Mathe begleitet werden. Normalerweise bis zum 25. Lebensjahr. Wie im Fall des 27-jährigen Estifanos sind auch Ausnahmen möglich. Mit dem Programm will die Agentur für Arbeit neue Reserven mobilisieren, gerade in Branchen mit Azubimangel. Estifanos ist einer von 159 Teilnehmern in MV. Im Land stehen in diesem Jahr 1,28 Millionen Euro zur Verfügung.

Die Agentur für Arbeit vermittelte Estifanos zur Schweriner Bildungswerkstatt. Die Arbeitsagentur der Landeshauptstadt beauftragte den Verein als Bildungsträger für das Programm. Dieser kümmert sich um die Teilnehmer vor und während der Berufsausbildung. Die Sozialpädagogin Franziska Robrahn-Hoppe von der Bildungswerkstatt arbeitet seit Juni 2016 mit dem Eritreer zusammen. Er konnte sich in verschiedenen Bereichen, wie Holz- und Metallverarbeitung, ausprobieren. Zur Orientierung standen ihm bis zu 39 Stunden in der Woche zur Verfügung. Nach kurzer Zeit entdeckte er seine Vorliebe für den Werkstoff Metall. „Nach einem Tag in der Metallwerkstatt wusste ich, das ist es“, sagt der frischgebackene Azubi heute. Damals befand er sich in der „ausbildungsvorbereitenden Phase“. Franziska Robrahn-Hoppe suchte darauf-hin zusammen mit der Arbeitsagentur nach einer geeigneten Firma in der Metallverarbeitung. Die Sozialpädagogin kümmerte sich auch um den Bewerbungsprozess und fand eine passende Stelle. Das Unternehmen Fensterbau Kuhnert bildet Estifanos seit September zum Metallbauer aus. Doch damit ist das Programm nicht beendet.

In der zweiten Phase der AsA werden die Teilnehmer auch parallel zur Ausbildung begleitet. Die Sozialpädagogin bleibt Ansprechpartner für den Azubi und seinen Chef. Sie achtet darauf, dass ihr Schützling in der Berufsschule zurechtkommt. Neben der Ausbildung stehen dem 27 - Jährigen bis zu neun Stunden für Sprachtraining und andere Lehrangebote zur Verfügung. Ausbildungsabbrüche sollen auf diese Weise auf ein Minimum reduziert werden.

Wenn Estifanos die Ausbildung zum Metallbauer in drei Jahren abschließen sollte, unterstützen ihn die Bildungswerkstatt und die Arbeitsagentur im Rahmen der „Assisitierten Ausbildung“ weiter. Im besten Fall soll er sechs Jahre nach seiner Ankunft in Deutschland in ein Arbeitsverhältnis übernommen werden.

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erstellt am 08.Okt.2016 | 05:00 Uhr

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