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Mecklenburg-Vorpommern

11. Dezember 2016 | 03:13 Uhr

Wirtschaft : Bauriese führt Agrarhöfe in MV

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Zukunft der sieben Standorte des KTG-Konzerns weitgehend gesichert. Offen ist noch die Zukunft der Ölmühle Anklam

Zuversicht nach der Pleite: Nach dem Zusammenbruch des Agrar-Mutterkonzerns KTG ist die Zukunft der sieben ehemaligen Standorte der einst börsennotierten Firmengruppe in Mecklenburg-Vorpommern weitgehend gesichert. Die beiden nicht von der Insolvenz betroffenen Agrar-Standorte im westmecklenburgischen Karft und im vorpommerschen Görke mit zusammen 745 Hektar würden fortgeführt, erklärte der Chef der zur Gustav-Zech-Familienstiftung aus Bremen gehörenden Deutschen Agrar Holding (DAH), Felix Colsman, gegenüber unserer Zeitung. Auch die vier Biogasanlagen in Brenz, Dersewitz, Groß Tessin und Wendisch Priborn würden unter dem Dach der KTG Energie AG fortgeführt.

Die Zech-Stiftung hatte im September große Teile des KTG-Imperiums übernommen – vor allem in MV und Brandenburg zwölf Agrarbetriebe mit vorwiegend Pachtflächen von insgesamt um die 20 000 Hektar. Die DAH wolle die Standorte künftig nachhaltiger bewirtschaften, kündigte Colsman an. Die Betriebe sollen in dezentraler Verantwortung geführt und die Entscheidungen wieder vor Ort verlagert werden, sagte Colsman. Die KTG hatte ihr Imperium zentralistisch geführt und die Betriebsführung vor Ort in vielen Fällen in Schwierigkeiten gebracht.

Darüber hinaus wurden von der DAH auch 50,06 Prozent der Aktienanteile an der KTG Energie AG mit ihren 21 Biogasanlagen übernommen. Auch die Standorte würden fortgeführt, sagte Colsman, der zugleich Mitglied des Aufsichtsrates ist. Die Gesellschaft befinde sich derzeit im Insolvenzverfahren in Eigenregie. Die einzelnen Gesellschaften seien aber über ein ausreichendes Massedarlehen abgesichert.

Offen ist bislang noch die Zukunft der zum KTG-Verbund gehörenden Ölmühle Anklam mit ihren 16 Mitarbeitern. Das Unternehmen hatte im August Insolvenz angemeldet. Wie es jetzt aus Unternehmenskreisen hieß, soll der Belegschaft zum Jahresende gekündigt worden sein. Der zuständige Insolvenzverwalter, der Rostocker Rechtsanwalt Gerhard Brinkmann, war für eine Stellungnahme nicht zu erreichen.

Mit dem Einstieg in den Agrarmarkt betritt die zum Imperium der Bremer Baugruppe Kurt Zech gehörende Gustav-Zech-Stiftung Neuland. Bislang hatte sich die Stiftung, die ihren Ursprung in einem kleinen lokalen Baubetrieb in Bremen hatte und sich der Sicherung des Besitzstandes der Zech-Familien verschrieben hat, in den Bereichen Bau, Immobilien, Hotelentwicklung und -betrieb, Umwelttechnologie sowie Industriebeteiligungen engagiert. Die Stiftung hatte 2015 bereits große Teile des insolventen Gebäudetechnik-Unternehmens Imtech übernommen.

Mit dem Zech-Einstieg dürften die bisherigen KTG-Agrarbetriebe wieder zu ihren Ursprüngen zurückkehren.

Die KTG Agrar war vor neun Jahren von der aus Waren stammenden Beatrice Ams und dem bayrischen Landwirt Siegfried Hofreiter als erster deutscher Landwirtschaftsbetrieb an die Börse gebracht worden. Anfang Juli 2016 hatte der Mutterkonzern einen Antrag auf Insolvenz in Eigenverwaltung gestellt. Mittlerweile ist das Unternehmen im regulären Insolvenzverfahren.

KTG Agrar war mit 800 Mitarbeitern und mehr als 46 000 Hektar bewirtschafteter Fläche, vor allem in Mecklenburg-Vorpommern und Brandenburg, der größte deutsche Agrarkonzern. Zu den mehr als 10 000 Gläubigern des Konzerns gehören vor allem die Zeichner von zwei Anleihen über insgesamt nominal 342 Millionen Euro. Die Gesamtschulden liegen bei 600 Millionen Euro.

Zum Jahresende findet der von Anfang an umstrittene Gang auf den Kapitalmarkt ein jähes Ende. Inzwischen hat die Gläubigerversammlung beschlossen, den Konzern abzuwickeln und von der Börse zu nehmen. Gläubiger dürften weitgehend leer ausgehen. Der Börsengang von Ams und Hofreiter galt bei Kritikern von Anfang an nicht als sichere Anlage. Sie gaben zu Bedenken, dass die Firmengruppe zu stark vom EU-Agrartropf in Brüssel abhängig sei. Mehrere Millionen Euro dürften die Börsenbauern jährlich für ihre zehntausenden Hektar von Europas Steuerzahlern kassiert haben.

 

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erstellt am 08.Nov.2016 | 06:00 Uhr

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