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Mecklenburg-Vorpommern

31. August 2016 | 06:18 Uhr

Geflügelpest in MV : Bangen um das Federvieh

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Nach dem Geflügelpest-Ausbruch in einem kleinen Dorf machen sich nun auch die Tierhalter im Umkreis Sorgen

Ängstlich schaut Ursula Zisk in Heinrichswalde (Kreis Vorpommern-Greifswald) zu den riesigen Stallanlagen hinüber. „Ich weiß gar nicht, wo ich meine fünf Hühner einsperren soll“, sagt die Rentnerin, während die grau-weißen Hühner picken. Zisk gehört zu den Heinrichswaldern, deren Hühner in den nächsten Tagen wahrscheinlich getötet werden müssen. Der Grund: In der riesigen Putenmastanlage am Ortsrand wurde – erstmals in Europa – das hochansteckende Influenzavirus vom Subtyp H5N8 festgestellt. Um die Ausbreitung des bisher nur in Korea bekannten Virusstammes schnellstmöglich zu stoppen, haben Männer in durchsichtiger Schutzkleidung und mit besonderem Mundschutz mit der Tötung von mehr als 30 000 Puten auf dem streng abgeschirmten Firmengelände begonnen. „Das ist das erste Glutnest von diesem Virus und das muss schnell ausgetreten werden“, sagt Kreisamtstierarzt Holger Vogel, der vor dem Tor der Anlage den Einsatz koordiniert. Vor sechs Tagen hatten Tiere erste Krankheitszeichen, inzwischen sind schon 2000 Puten der Krankheit erlegen.

In großen weißen Lastwagen, die mit Desinfektionsmittel besprüht werden, werden die toten Tiere zur Tierkörperbeseitigung gefahren. Die fünf Putenställe sind abgesperrt worden. Gastanklastwagen bringen Kohlendioxid, der in die Ställe geleitet wird und die anderen bis zu 15 Kilogramm schweren Puten erstickt. „Das wird wohl bis Freitagnachmittag dauern“, schätzt der Veterinär.

Das Virus kam auf bisher unbekanntem Weg in das kleine 500-Seelen-Dorf bei Torgelow. „Wir glauben, dass es mit dem nahe gelegenen Galenbecker See – einem bekannten Vogelrast- und Sammelgebiet – zu tun haben könnte“, erläutert Vogel. In Asien sei die Tierseuche bei Entenarten aufgetreten, die auch am Galenbecker See zu finden seien.   

Die Bewohner von Heinrichswalde machen sich vor allem um ihre Hühner Sorgen, die viele Rentner zur Aufbesserung des schmalen Budgets halten. In einem Kilometer Umkreis soll alles Geflügel vorsorglich getötet, in drei Kilometer Umkreis streng untersucht werden. „Alle schauen auf Deutschland und auf uns, auch die EU“, sagt Vogel. „In der Mastanlage arbeiten etwa fünf Leute, sonst kriegt man kaum etwas mit“, erklärt Handwerker Frank Kamke, der im Gemeinderat sitzt. „Es riecht nur ein bisschen, wenn Ostwind ist und die Ställe desinfiziert werden“, erzählt Nachbar Martin Jahn. Pferde grasen gleich neben den Putenställen, die früher zur Aufzucht von Jungrindern dienten. „Als die Putenmast begann, hat jeder Einwohner einmal eine Pute geschenkt bekommen“, erinnert sich Frau Zisk. Nun stehen ein paar Dorfbewohner am Straßenrand, tuscheln und schauen skeptisch, was am Ortsrand passiert.

Den Schaden für den Betrieb schätzen Fachleute auf rund eine halbe Million Euro. Puten werden bis zu 20 Kilogramm schwer und können zwischen 10 und 40 Euro kosten. Allein müsse der Halter den Schaden aber nicht tragen, er bekomme einen Ausgleich von der Tierseuchenkasse, sagt Vogel. Den bekämen auch private Tierhalter. Sie müssten ihre Hühner aber gemeldet haben. „Das haben aber nicht alle“, befürchtet der erfahrene Amtstierarzt.

Agrarminister Till Backhaus (SPD ) äußerte sich gestern Abend vorsichtig zuversichtlich, dass die Seuche auf den Betrieb in Heinrichswalde beschränkt bleibe. Im Unterschied zu dem ersten großen Vogelgrippe-Ausbruch im Februar 2006 sei bislang kein infizierter Wildvogel in Mecklenburg-Vorpommern entdeckt worden. Backhaus mahnte jedoch, es müsse aber dringend dafür gesorgt werden, dass das Virus nicht auf Säugetiere überspringt.

Bei dem Putenmastbetrieb in Heinrichswalde handelt es sich um einen ordentlich und gut geführten Betrieb, wie die Landestierärztin Maria Dayen sagte.


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