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Mecklenburg-Vorpommern

07. Dezember 2016 | 21:18 Uhr

Spitzenforschung in MV : Bald nachwachsende Herzen?

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Rostocker Mediziner um den Herzchirurgen Prof. Gustav Steinhoff behandeln Patienten mit Stammzellen.

Am Anfang sind die Stammzellen. Welche Funktion sie im Laufe der Entwicklung bekommen, wird erst später im Körper festgelegt. „Stammzellen sind der Motor des Lebens“, sagt Prof. Dr. Gustav Steinhoff, Direktor der Klinik für Herzchirurgie an der Universität Rostock. „Sie sorgen lebenslang dafür, dass Gewebe und Organe sich regenerieren – in unterschiedlichem Tempo.“ Lebergewebe, Haut oder Blut erneuern sich recht schnell. Beim Herzen aber dauert es länger, die Möglichkeiten sind begrenzter als bei anderen Organen, weil dort weniger Stammzellen vorhanden sind.

„Das Herz ist eigentlich ein relativ einfaches Organ“, sagt der Experte. „Aber es muss in allen Bereichen perfekt funktionieren. Wenn bei Herzerkrankungen Gewebe verlorengeht, kann es nicht ohne Weiteres nachwachsen. Bisher gab es keine Möglichkeit, diesen Prozess zu steuern oder zu beschleunigen.“ Herzmuskelentzündungen, Durchblutungsstörungen, Infarkte oder Defekte der Herzklappe sind nur einige Ursachen, die zu einer verminderten Leistungsfähigkeit des Herzens führen können. Allein in Deutschland betrifft das etwa eine Million Menschen. Steinhoff und andere Forscher arbeiten daran, mit neuen Therapie-Ansätzen solche Patienten zu heilen.

Die Forschung zu diesem Thema begann bereits vor 25 Jahren. Zunächst fand Steinhoff heraus, dass auch im Herzen Zellen aus dem Knochenmark zum Teil das herzeigene Gewebe ersetzen können. Im Jahr 2001 gelang ihm die weltweit erste Stammzell-Transplantation am Herzen. Eine damals gestartete Studie zeigte auch, dass implantierte Knochenmarkzellen die Gefäße nachwachsen lassen – wichtig gerade für Patienten, die nach Infarkten zu wenig kleine Blutgefäße im Herzen haben. Also werden ihnen eigene Stammzellen eingepflanzt.

Derzeit läuft eine Studie, die die Langzeitwirkung der neuartigen Therapien nachweisen soll. „Aus vorherigen Untersuchungen wissen wir, dass die Behandlung in vielen Fällen erfolgreich ist und eine Verbesserung der Herzfunktion erzeugt - aber eben nicht immer“, so Steinhoff. „Wir wollen herausfinden, für welche Patienten sich diese Therapien eignen, und sie dann für eine breite Anwendung zugänglich machen.“ Ziel ist eine europaweite Zulassung. Steinhoff rechnet möglicherweise schon in fünf Jahren damit.

Der Herzchirurg ist Initiator und Leiter des Referenz- und Translationszentrums für kardiale Stammzelltherapie (RTC), das dieses Thema im internationalen Maßstab behandelt. Hier werden auch neue Medikamente, Techniken und Gentherapie-Ansätze erforscht. Ein wichtiger Industriepartner ist das Biotechnologie-Unternehmen Miltenyi-Biotec aus Bergisch-Gladbach und Teterow, Weltmarktführer für Geräte der Stammzell-Isolation. In Rostock testen die Wissenschaftler unter anderem eine Neuentwicklung und haben als einer der ersten Miltenyi-Kunden die Herstell-Erlaubnis für Stammzellen, die als Arzneimittel gelten, beantragt. „Es ist eine enge Zusammenarbeit“, sagt Dr. Bernd Schröder, am Standort Teterow zuständig für die Zulassung. Er sieht die Rostocker – zumindest in Deutschland – als führend in der Stammzellforschung bei Herzerkrankungen an.







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