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Mecklenburg-Vorpommern

27. September 2016 | 20:57 Uhr

Doktorarbeit abgeschrieben? : Backhaus: „Kleinere Defizite“

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Doktorarbeit nur abgeschrieben? Agrarminister zu den gegen ihn erhobenen Plagiatsvorwürfen

Die Antwort des Ministers war windelweich. Er wolle „im Hinblick auf die Plagiatsvorwürfe betreffend meiner Promotionsschrift einige Unklarheiten ausräumen“, schrieb Till Backhaus (SPD) in einer 14 Zeilen kurzen „Klarstellung“. Das gelang nur zum Teil. Seine Promotion sei nicht mit der Gesamtnote summa cum laude („mit Auszeichnung“), sondern mit cum laude („gut“) bewertet worden. „Die Benotung macht deutlich, dass die drei unabhängigen Gutachter bereits im Prüfungsverfahren kleinere Defizite in der Arbeit feststellten“, so Till Backhaus.

Die eigentliche Frage, die gestern im Raum stand, war allerdings: Hat Backhaus bei seiner Doktorarbeit massiv abgekupfert? Dieser Vorwurf basiert auf Untersuchungsergebnissen so genannter Plagiatsjäger.

Ein klares Nein auf die Plagiatsfrage suchte man in der „Klarstellung“ des Agrarministers aber vergebens. Stattdessen beruft sich der SPD-Politiker auf eine Expertenkommission der Humboldt Universität, die seine Doktorarbeit, „mehrfach im Hinblick auf Inhalt und Einhaltung wissenschaftlicher Vorschriften und Standards überprüft“ habe, wie Backhaus weiter schreibt. Die Kommission habe aber keine Verstöße gegen wissenschaftliche Vorschriften und Standards festgestellt.

Backhaus hatte seine Dissertation „Betrachtungen zur Getreideproduktion in Mecklenburg-Vorpommern zwischen 1900 und 2000“ im Bereich Agrarwissenschaften im Jahr 2001 an der Berliner Humboldt-Universität eingereicht und verteidigt. Schon damals gab es Kritik. Der Saatgut-Millionär Friedrich Harms, Ehrensenator und Mäzen der Universität Rostock, hatte behauptet, dass Doktorvater Norbert Makowski Teile der Dissertation für Backhaus geschrieben hätte. Das hatte der Agrarminister immer zurückgewiesen. Weiteren Ärger gab es, als bekannt wurde, dass ausgerechnet Makowski 2000 und 2001 für Beraterverträge vom Agrarministerium 13 500 Euro kassierte. Auch die wissenschaftliche Qualität der Doktorarbeit wurde damals von Pflanzenbau-Experten wie Wilhelm Römer, Professor an der Universität Göttingen, bezweifelt.

Nach den neuesten Plagiatsvorwürfen soll der Minister auf 44 von 66 Seiten Text-Passagen übernommen haben, ohne die Herkunft anzugeben. Laut Aussagen der Plagiatsjäger habe die Überprüfung mehr als 300 Beanstandungen ergeben. Die Plagiate seien bislang nicht aufgefallen, weil die abgeschriebenen Texte aus Büchern stammen, die nicht online für Vergleiche zur Verfügung standen. In einer ersten Untersuchung von Plagiatsjägern 2011 hieß es am Ende laut Internetplattform „Plagipedi“ noch: „65 Dokumente wurden wegen Ähnlichkeiten geprüft, scheinen aber ausreichend unterschiedlich zu sein“.

Norbert Nieszery sprang Backhaus gestern zur Seite. Der Fraktionsvorsitzende der SPD im Landtag bezweifelte die Seriosität der „anonym agierenden selbst ernannten Plagiatsjäger“. Für die Humboldt-Universität Berlin erklärte ein Sprecher, ein zuständiges Gremium der Hochschule werde sich die neuen Vorwürfe anschauen.


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erstellt am 18.Feb.2016 | 21:00 Uhr

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