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Mecklenburg-Vorpommern

23. März 2017 | 09:19 Uhr

Vogelgrippe in MV : Backhaus droht: Stallpflicht oder Strafe

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Debatte um ein Ende der Stallpflicht in MV hält an. Der Agrarminister will eigenmächtigen Landkreisen mögliche Kosten aufbrummen und warnt vor Gefahren.

Im Streit um die Lockerung der Stallpflicht hat Agrarminister Till Backhaus (SPD) den Landkreisen gedroht, dass diese bei einem neuerlichen Ausbruch der Vogelgrippe in Nutztierbeständen selbst für Entschädigungskosten aufkommen müssten. „Wenn sich einzelne Kreise nicht an den Erlass des Ministeriums halten, dann wird das Land seinen Kostenanteil von 50 Prozent wohl nicht leisten“, machte der Minister gestern in Schwerin deutlich. Bisher kommen das Land und die Seuchenkasse je zur Hälfte auf. Backhaus reagierte damit auf die Weigerung von drei der sechs Landkreise, Ausnahmen von der Stallpflicht nur auf Antrag der Geflügelhalter und nach Einzelfallprüfung zu erteilen.

Ludwigslust-Parchim, Nordwestmecklenburg und Rostock-Land hatten ganze Regionen als unbedenklich eingestuft und die Freilandhaltung dort generell erlaubt. Nur für begrenzte Risikogebiete wie Rastplätze von Zugvögeln oder Gemeinden mit nachgewiesenen Vogelgrippe-Infektionen gilt weiter strenge Stallpflicht.

Backhaus warf den Landräten und Kreistierärzten dieser drei Landkreise vor, die Infektionsgefahr mit dem hochansteckenden Vogelgrippe-Virus H5N8 zu unterschätzen und sich von „postfaktischem Wissen“ leiten zu lassen. Derzeit würden Millionen von Zugvögeln im Land rasten. „Wir sind Drehscheibe des Vogelzuges. Und wenn sich jetzt Hühner und Gänse im Freien aufhalten, ist die Ansteckungsgefahr nach Angaben von Fachleuten 28-mal höher, als wenn sie unter Dach gehalten werden“, so der Minister.

In den zurückliegenden beiden Wochen seien zehn neue Infektionsfälle bei Wildvögeln registriert worden. Deshalb habe sein Ministerium die schon geplante Aufhebung der Stallpflicht verschoben. „Wir haben Verantwortung für 15 Millionen Tiere in den Geflügelhaltungen im Land“, sagte Backhaus, der sich nach eigenen Angaben morgen mit Landräten und Veterinärmedizinern in Schwerin treffen will. „Wir hatten Seuchenausbrüche in 17 Ställen, zwei davon in Großanlagen. Wir wollen nicht, dass es zu weiteren Ausbrüchen kommt“, erklärte der Minister.

Die Kritik aus den Kreisen am Vorgehen des Agrarministeriums ebbt unterdessen nicht ab. „Mit der Mitteilung über Lockerungen hat das Ministerium Erwartungen geweckt, die mit Einzelanträgen und deren Bewertung nicht zu erfüllen sind“, sagte der Leiter des Neubrandenburger Kreis-Veterinäramtes, Guntram Wagner. Hunderte Anträge auf Stallpflicht-Ende seien im Kreis Mecklenburgische Seenplatte eingegangen, die nun einzeln beschieden werden müssten. Der Kreis hatte rund 11 000 privaten Haltern außerhalb von Risikogebieten erlaubt, Hühner, Enten und Gänse wieder ins Freie zu lassen, musste diese Generalerlaubnis auf Weisung des Ministeriums aber zurückziehen. Die drei Landkreise im Westen hielten an ähnlichen Regelungen ungeachtet des Ministerprotestes aber fest. „Der Erlass ist eindeutig“, betonte Backhaus und drängte damit auch diese Kreise zum Einlenken. Nach seiner Überzeugung können Einzelanträge „schnell und problemlos abgearbeitet werden“. Im benachbarten Schleswig-Holstein passiere dies derzeit völlig geräuschlos.

In Mecklenburg-Vorpommern gilt seit vier Monaten die Stallpflicht für Hühner, Enten, Gänse und Puten.

>> Informationen zur Stallpflicht nach Bundesländern
>> Infektionsmonitor MV

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erstellt am 14.Mär.2017 | 20:45 Uhr

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