zur Navigation springen

Mecklenburg-Vorpommern

08. Dezember 2016 | 17:06 Uhr

Medienkompetenz-Kampagne MV : APPgelenkte Eltern

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Eine Plakatkampagne warnt Eltern in MV vor übermäßigem Smartphone-Konsum

Mit der einen Hand schieben sie den Kinderwagen über den Gehweg, mit der anderen wischen sie gedankenverloren über das Smartphone-Display. „Eltern schenken ihrem Handy zu viel Aufmerksamkeit und ihren Kindern zu wenig“, sagt Birgit Grämke von der Landeskoordinierungsstelle für Suchtthemen MV (Lakost). Am Freitag verteilte sie in Schweriner Kindergärten großformatige Plakate mit dem Slogan: „Heute schon mit Ihrem Kind gesprochen?“

Die Landesstelle verbreitet nicht nur Poster, sondern auch 30 000 sogenannte City Cards in den Gaststätten Mecklenburg-Vorpommerns. Eltern und Neugierige können sich ebenfalls im Internet unter medienwissen-mv.de über das Thema informieren. „Kinder brauchen den Kontakt, sie brauchen Lob, Anregung, Motivation und Ermunterung von ihren Eltern. Das ist durch nichts zu ersetzen“, betont auch Sozialministerin Birgit Hesse (SPD).

Skandinavische Wissenschaftler untersuchten bereits die Auswirkung der Handy-Nutzung von Eltern auf den Nachwuchs. Jedes dritte Kind in Schweden leide demnach unter dem Aufmerksamkeitsdefizit der Erziehungsberechtigten. Zwölf Prozent der schwedischen Väter und Mütter gaben zu, ihre Kinder zu wenig zu beaufsichtigen, weil sie zu viel Zeit am Handy verbringen. Eine andere Umfrage der Firma AVG mit 6000 Teilnehmern bestätigte den Trend. 54 Prozent der Kinder glaubten, dass sich ihre Eltern zu viel mit dem Smartphone beschäftigen. Auch über die Hälfte der befragten Eltern gab an, das Handy zu oft zu nutzen.

Die Kinderlogopädin Doreen Ewert aus Schwerin kennt das Problem aus ihrer Praxis. „Kinder lernen Sprache hauptsächlich von ihren Eltern. Noch gibt es zwar keine handfesten Statistiken, aber wir bemerken, dass Eltern und Kinder heute weniger miteinander sprechen.“ Auch der Kinderpsychiater Dr. Alexander von Dömming von der Helios-Klinik Schwerin hält die Handy-Nutzung der Eltern für wenig förderlich. „Wenn Eltern längere Zeit bei uns sind, um ihre Kinder zu besuchen, bitten wir sie, das Smartphone ganz auszuschalten.“

Die Aufklärungskampagne ist noch nicht beendet. Die Landesstelle will im März 2017 weitere Plakate mit einem neuen Motiv in MV verteilen.

zur Startseite

von
erstellt am 21.Okt.2016 | 21:00 Uhr

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Themen zu diesem Artikel:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen