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Mecklenburg-Vorpommern

08. Dezember 2016 | 01:16 Uhr

„MyFoodHero“ : App soll Wegwerf-Irrsinn stoppen

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Oscar Schröder bringt die Smartphone-Anwendung „MyFoodHero“ auf den Markt und kämpft so gegen die Lebensmittelverschwendung

Die Gründerszene Mecklenburg-Vorpommern hat ein neues Mitglied: Einen Superhelden mit grüner Sonnenbrille und rotem Umhang. Anders als Batman will er nicht Gotham vor Bösewichten retten, dafür aber die Bewohner MVs zur Um- und Einsicht bekehren. Denn der „Food Hero“ hat es sich zum Auftrag gemacht, die Nahrungsverschwendung zu stoppen – in Privathaushalten, Restaurants, Bäckereien, Hotels und Supermärkten. Schließlich werden in Deutschland jährlich etwa elf Millionen Tonnen Lebensmittel ungenutzt entsorgt. Laut der Universität Stuttgart entspricht diese Menge 275 000 voll beladenen LKW. „Supermärkte schmeißen vier Milliarden Euro in die Tonne“, sagt Oscar Schröder, Geschäftsführer der Digitack GmbH, Gründer des „Food Heros“. Nachdem er sein Studium beendete, tingelte Schröder durch ganz Deutschland, um nach 14 Umzügen wieder in der Heimat zu landen. In MV will sich der 29-Jährige einen Namen machen und unter anderem mit einer Handy-App das Konsumverhalten seiner Mitmenschen konditionieren. Die Lebensmittelverschwendung soll bis 2030 halbiert werden, so will es die Bundesregierung. „Allein für das, was die Bäckereien wegschmeißen, benötigt man die Energie eines Atomkraftwerks“, verdeutlicht Schröder. Seine Smartphone-App „MyFoodHero“ soll Abhilfe schaffen. Zum einen gibt sie Tipps und Tricks zur Planung von Einkäufen sowie zur sicheren und natürlichen Verwendung von Lebensmittelresten. Zum anderen ist sie eine interaktive Plattform zum Tausch übrig gebliebener Nahrungsmittel. Dabei gibt es zwei Zugänge: Der Nutzer bekommt seine favorisierten Lebensmittel in einem Umkreis von bis zu 25 Kilometer angezeigt. Darunter sind sowohl die besten Schnäppchen, als auch Produkte aus regionalem Anbau. Als zusätzliche Funktion kann eine Einkaufsliste erstellt werden. Die App zeigt an, wo die Lebensmittel warten, die dem eigenen Lebensstil entsprechen.

Der Anbieter hingegen kann „MyFoodHero“ nutzen, um passende Kunden zu finden, indem er Angebote einstellt. „Egal ob Markendiscounter, der Fleischer von nebenan oder der Einzel-Erzeuger, die App ist ideal für alle, die neue Absatzkanäle suchen und dabei nicht so viel Geld ausgeben wollen.“ Die einzige Voraussetzung: ein angemeldetes Gewerbe.

15 Prozent der Umsätze des Anbieters gehen an Schröders Unternehmen. Bisher funktioniert die Anwendung für Android-Telefone, iOS soll schnellstmöglich folgen. Die Web-Version ist spätestens Ende Dezember eingerichtet, verspricht der Firmenchef. Dabei denkt Schröder nicht nur kleinteilig. Im kommenden Jahr will er das Angebot auf Gesamtdeutschland ausweiten. Gespräche mit Supermärkten und Discountern, aber auch mit kleineren Händlern hat Schröder bereits geführt. Mit seiner Idee ist er auch an die Landesregierung herangetreten, um als Entrepreneur Fördermittel zu erhalten. „Weil wir keine App-Entwickler, sondern nur Programmierer sind, wurde der Antrag abgelehnt“, bedauert der 29-Jährige. Deshalb nehmen er sein Team nun am „Breakthrough Award 2017“ teil, bei dem für die drei bestplatzierten Start-Ups Preisgelder und Medialeistungen im Wert von mehreren Hunderttausend Euro winken.

Darüber hinaus hat Schröder Kontakt mit der Deutschen Gesellschaft für Ernährung aufgenommen, denn sein oberstes Ziel ist die Gründung eines Instituts, in dem Präventionsprogramme für Kinder entwickelt werden. Lebensmittel wertzuschätzen, müsse möglichst früh vermittelt werden.

„Die Bereitschaft, ein Konzept zu erarbeiten, ist da. Doch es fehlt noch das Geld.“

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erstellt am 19.Nov.2016 | 05:00 Uhr

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