zur Navigation springen

Mecklenburg-Vorpommern

11. Dezember 2016 | 12:55 Uhr

Integrierte Syrer : Angekommen in der neuen Heimat

vom
Aus der Onlineredaktion

Mamoun Rajoub und seine Frau Rahaf Mukli kamen vor 1,5 Jahren aus Syrien nach Deutschland – inzwischen haben sie sich gut integriert

Auch nach anderthalb Jahren in Deutschland träumt Rahaf Mukli noch oft von ihrer einstigen Heimat Idlib. Die 25-Jährige und ihr Mann, Mamoun Rajoub, mussten Syrien wegen des anhaltenden Kriegschaos’ verlassen und in einem für sie fremden Land ganz von vorn beginnen. Kein leichter Schritt, „doch jetzt sind wir sicher und glücklich“, versichert die junge Frau mit wallend schwarzem Haar. „Wo wir herkamen herrschte Anarchie“, sagt Mamoun. „Es gab keine Krankenhäuser mehr und keine Schulen. Jeder machte, was er wollte.“ Ständig musste die junge Familie Angst um die beiden Söhne Ibrahim (heute 5 Jahre alt) und Haidara (3) haben. Sie wurden sogar Zeugen, wie auf offener Straße Menschen erschossen wurden.

So nahmen sie ihr Hab und Gut und flohen – zunächst nach Libyen. Vier Jahre verbrachte die Familie hier, bevor der Krieg sie ein zweites Mal einholte. Nicht einmal einen Koffer nahmen sie nun noch mit, sondern nur das nötigste Handgepäck und Papiere. Die eine große Handtasche ging unterwegs auch noch verloren. Mit einem Segelboot sollte es nach Italien gehen, dann mit dem Zug weiter nach Deutschland. Das Boot war jedoch zu schwer beladen, so wurde das Handgepäck kurzerhand über Bord geworfen.

Zehn Tage dauerte es, bis die Familie es von Libyen bis nach Deutschland geschafft hatte. Im Aufnahmelager Horst bei Hamburg blieben sie einen Monat, bevor sie sich in Schwerin niederlassen durften. Sie sind nun seit knapp 1,5 Jahren in Deutschland.

Um sich zurecht zu finden erhielt das Paar viel Hilfe. Nicht nur von den Behörden, sondern auch von zwei Schwerinerinnen (Namen der Redaktion bekannt). Sie brachten Mamoun und Rahaf Deutsch bei. Kennen lernten sie sich im Stadtteiltreff Eiskristall, wo jeden Montag das „Café Welcome“ für Einheimische, Flüchtlinge, Asylbewerber und Ehrenamtler stattfindet. Die Schwerinerinnen wollten eine Patenschaft übernehmen. „Hier sind genug Familien, suchen Sie sich einfach eine aus“, sagte man ihnen vor Ort. So kamen sie mit Mamoun und Rahaf in Kontakt. Die Chemie hätte sofort gestimmt, bestätigen alle Beteiligten. Doch die gegenseitige Verständigung lief anfangs alles andere als rund. Zunächst musste der Google Übersetzer herhalten, um gebrochenes Englisch in Arabisch und Deutsch zu übersetzen. Doch als die ehrenamtlichen Helferinnen das zweite Mal bei der Familie zu Besuch waren, standen sie im sprichwörtlichen Schilderwald – an allen Möbelstücken klebten Zettel mit deutschen Begriffen. Durch ihren Fleiß haben Mamoun und Rahaf auch schnell gelernt.

Sie können heute schon recht flüssig deutsch sprechen – „und quasi alles verstehen“, sagt Rahaf stolz. Die junge Mutter übersetzt inzwischen sogar, wenn andere Flüchtlinge Ämter besuchen müssen. Wenn ihr jüngster Sohn Amir (10 Monate, in Deutschland geboren) aus dem Gröbsten raus ist, möchte sie eine Ausbildung zur Kindergärtnerin beginnen.

Und auch Mamoun hat viel erreicht. Seinen Integrationskurs durfte er abbrechen, da er inzwischen einen festen Job hat. Bereits in der Heimat hatte der 31-Jährige als Polsterer gearbeitet – warum also nicht auch in Deutschland? Kurzerhand bewarb er sich bei der Firma Josch Polstermöbel in Schwerin. Nach einer Woche Probearbeit, in der er seinen Chef Thomas Schulz überzeugen konnte, ist er nun fest angestellt.

Glück nicht nur für Mamoun, der so seine Familie versorgen kann, sondern auch für Schulz, der immer nach neuen Arbeitskräften sucht. Warum sich so wenige für dieses Handwerk interessieren, kann der 46-Jährige nicht verstehen. Denn der Beruf des Polsterers sei abwechslungsreich und körperlich nicht übertrieben anstrengend. „Man sollte aber schon einen Sessel anheben können, ohne umzufallen“, sagt Thomas Schulz mit einem Lachen. Eingestellt hat er seinen ersten Flüchtling auch nicht „wegen irgendwelcher staatlichen Förderungen“, wie er sagt, sondern weil seine Arbeit überzeugt hat. 14 Jahre Berufserfahrung kamen dem Syrer dabei zugute – und auch, dass sich das Handwerk dort nicht groß unterscheidet. „Er fängt manche Aufgaben nur anders an, als wir es gewohnt sind“, sagt Schulz.

Auf seinen Arbeitsplatz ist Mamoun sehr stolz und findet so noch schneller Anschluss. Seine Freude teilt er auch nicht mehr nur mit der Familie, sondern vor allem mit den Helferinnen aus Schwerin. Inzwischen sind sie wahre Freunde geworden.

zur Startseite

von
erstellt am 02.Dez.2016 | 12:00 Uhr

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen