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Mecklenburg-Vorpommern

01. Oktober 2016 | 19:12 Uhr

Theater-Magazin : Am liebsten jedes Jahr einen „Faust“

vom
Aus der Onlineredaktion

Heute erscheint zum ersten Mal unser neues Theater-Magazin - jetzt gleich herunterladen. Diesmal geht es unter anderem um Schauspieldirektor Martin Nimz und was er am Theater verändern will.

Martin Nimz kommt direkt von einer Probe zu „Faust I“ auf den Balkon des Theaters. Schiebermütze, verschmitztes Lächeln, Brandenburger Dialekt. Der erste Eindruck: ein großer grauhaariger Junge. Sympathisch. Als Student an der Rostocker Schauspielschule hat er vom Schweriner Theater geschwärmt. Das Mecklenburgische Staatstheater hat bis heute, so der Regisseur, deutschlandweit einen guten Ruf. Er habe eine große Bereitschaft vieler Künstler erfahren, an diesem Haus zu arbeiten. Nun ist der Regisseur, 60-jährig, als Schauspieldirektor sozusagen zurückgekehrt an das damals so bewunderte Theater. Holger Kankel sprach mit Martin Nimz.

 

Wie ist es dem Intendanten Lars Tietje gelungen, Sie nach Schwerin zu holen?

Nimz: Wir kennen uns schon lange, haben in Kassel gemeinsam am Theater gearbeitet. Lars Tietje hat meine Inszenierungen gesehen. Irgendwann hat er mich scheinheilig angerufen und gefragt, ob ich nicht jemanden wüsste, der hier das Schauspiel übernehmen könnte.

Und warum haben Sie sich dann entschieden, es selbst zu machen?

Für Schwerin haben viele Dinge gesprochen. Bis auf die zwei Jahre als Schauspieldirektor in Kassel habe ich immer als freier Regisseur gearbeitet. Ich wollte für meine Frau, unser Kind und mich einen festen Ort zum Leben finden. Dafür ist Schwerin mit seinen Seen ideal, ich bin in Zeuthen am Wasser aufgewachsen. Mir gefällt auch der Menschenschlag im Norden. Und dann hat mich die Chance gereizt, ein neues Ensemble aufzubauen mit Leuten, mit denen ich gerne zusammengearbeitet habe. Es ist natürlich schade, dass so viele Kollegen gehen mussten, ich habe ihnen aber gesagt, dass das kein Werturteil war. Auch die große Tradition des Theaters spielte eine Rolle. Mit Schwerin verbinden wir eine große Qualität.

Wie haben Sie Ihren ersten Spielplan entwickelt?

Ich habe mir alte Spielpläne angesehen, und da ist mir aufgefallen, dass das Schauspiel immer mehr in eine musikalische Richtung gegangen ist. Das hatte großen Erfolg und war ja auch wichtig, um als Theater zu überleben. Da kann man nur den Hut ziehen. Aber ich glaube, man kann auch unterhalten, indem man das Schauspiel wieder zu seinen Ursprüngen zurückführt. Wieder auf die Kunst des Schauspielers setzt, auf die Auseinandersetzung mit dem Text. Zu versuchen, das Publikum dazu zu verführen, zuzuhören – ohne musikalische Untermalung. Das wollen wir mit einer großen Palette an Schauspielern und Regisseuren versuchen, mit vielen künstlerischen Handschriften.

Das wird ein langer Weg sein, auf dem wir das Publikum mitnehmen müssen. Darum setzen wir eben auf Klassiker wie „Faust I“ oder „Der zerbrochne Krug“, übrigens das meistgespielte Stück in der Schweriner Theatergeschichte.

Aber die neue Spielzeit als neuer Schauspieldirektor in Schwerin ausgerechnet mit dem „Faust“ zu beginnen, ist doch schon eine Botschaft?

An so einem Theater kann man den „Faust“ immer spielen. Am liebsten jedes Jahr einen in einer neuen Inszenierung. Abgesehen davon ist das Stück ein Superstoff für Schauspieler, ein großer Titel, der Publikum anzieht, nicht zuletzt junge Leute. Die Schulen sind unsere wichtigsten Partner.

Der „Faust“ wurde schon mit zwei, vier, gar mit zwölf „Fäusten“ gespielt oder mit einem Mephisto als Frau. Was haben Sie sich einfallen lassen?

Ich hatte natürlich schon Schroths „Faust“ im Kopf, die Inszenierung war für uns als Studenten damals ein Meilenstein. Wir müssen uns eben auch mit früheren Inszenierungen vergleichen lassen.

Also ein männlicher Faust und ein männlicher Mephisto?

Ein Faust – Andreas Anke – und ein sehr androgyner Mephisto.

Und die Inszenierung klassisch beim Wort genommen?

Ich bin kein Stückezertrümmerer, erstarre aber auch nicht in Ehrfurcht. Wir wollen frisch auf die Faust-Geschichte schauen. Im „Faust I“ stecken ja zwei Geschichten. Erstens die eines Besessenen, der immer mehr wissen will mit dem Ziel, gottgleich zu werden, Macht über die Menschheit zu erringen, der sich mit finsteren Kräften einlässt und ein schlechter Mensch wird. Das ist die eine Tragödie. Dann die Gretchen-Tragödie, die Geschichte eines sehr religiösen Menschen, der einmal seine Grenzen überschreitet und danach an der eigenen Schuld zerbricht.

Können Sie gut mit Kritik umgehen?

Ach, ich bin einiges gewöhnt. Sollen uns die Kritiker zerreißen, Hauptsache, wir sind im Gespräch. Außerdem sind gute Kritiken ja immer ein Blick von außen, dessen Wahrheit sich aus Eitelkeit oft erst später erschließt.

 

Heute erscheint zum ersten Mal unser neues Theater-Magazin, das künftig jeden letzten Donnerstag des Monats unserer Zeitung beiliegt. Hier können Sie es kostenfrei herunterladen:

 

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