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Mecklenburg-Vorpommern

06. Dezember 2016 | 22:51 Uhr

Wildunfälle : Am besten draufhalten

vom
Aus der Onlineredaktion

Hirsche, Wildschweine und Nebel – im Herbst steigt die Unfallgefahr auf den Straßen

Schummriges Licht, Nebelschwaden – und plötzlich blitzt das Auge eines Rehs im Scheinwerfer. In der Dämmerung sind viele Pendler mit dem Auto unterwegs. Zu dieser Tageszeit kreuzen im Herbst besonders viele Tiere den Verkehr. Die Wildunfälle in Mecklenburg-Vorpommern häufen sich bereits. Bei mehr als 80 Unfällen mit Rehen, Damhirschen und Wildschweinen wurden seit Anfang Oktober schon fünf Menschen verletzt.

Die Polizei greift deshalb zu drastischen Mitteln. Autofahrer auf der A20 müssen runter vom Gas. Ab sofort gilt in beiden Fahrtrichtungen nahe der Anschlussstelle Wismar-Mitte nur Tempo 60, erklärte Polizeisprecherin Nancy Schönenberg. Grund sei eine Rotte von zwölf Wildschweinen, die nahe der Autobahn nach Nahrung suchen. „Die Drosselung ist nötig, weil Zusammenstöße mit Wildschweinen gefährlich sind und der Bremsweg bei bestimmten Geschwindigkeiten berücksichtigt werden muss“, erklärt Schönenberg.

Nicht nur die Autobahn ist betroffen, auch Land- und Bundesstraßen sind durch Wildtiere gefährdet. Ein Damhirsch sprang am Mittwoch vor das Auto eines Fahrers auf der B104. Der Pkw-Fahrer bremste scharf und stieß dennoch mit dem Tier zusammen. Der nachfolgende Transporter und ein Pkw fuhren auf. Eine 33-jährige Fahrerin kam verletzt ins Krankenhaus. Am selben Abend überschlug sich auf der L273 eine 26-jährige Autofahrerin, weil sie einem Reh ausgewichen war. Auch sie musste im Krankenhaus behandelt werden. Das Tier war aus einem Waldstück zwischen Stavenhagen und Altentreptow auf die Straße gesprungen. Am nächsten Morgen rammte dann ein Ford Focus ein großes Damwild auf der B198 zwischen Woldegk und Prenzlau. Die Fahrerin wurde mit Blaulicht ins Klinikum gebracht.

Warum die Tiere sich gerade zu dieser Jahreszeit auf den Straßen tummeln, erklärt der Jäger Berthold Fink aus Bützow: Im Herbst ernten Mähdrescher nicht nur den Mais von den Feldern, sondern mähen damit auch die Verstecke der Tiere ab. Wildtiere ziehen sich deshalb in Wälder zurück, auch in der Nähe von Straßen. Außerdem bringt die Liebe das Wild in Bewegung. In der Paarungszeit wandern liebestolle Eber und Hirsche umher und überqueren öfters die Fahrspuren. Am Straßenrand grasen Hirsche und wühlen Wildschweine besonders gern. „Dort finden sie salzhaltige Pflanzen“, sagt der Wildexperte. Auch ein menschengemachtes Problem: Streusalz sickere ins Grundwasser, die Pflanzen nehmen es wieder auf. Die Gewöhnung an den Menschen ist ein Problem. Die Tiere haben immer weniger Scheu vor Dörfern und Städten, trauen sich in die Nähe von Siedlungen und werden von bellenden Hunden oder vorbeifahrenden Fahrzeugen in den Verkehr getrieben. Deshalb rät Fink Autofahrern für den Herbst: „In jeder Sekunde muss man darauf gefasst sein“.

Viele Autofahrer reißen das Lenkrad abrupt zur Seite, wenn ein Reh auf die Straße springt. Das Tier überlebt, doch der Mensch bringt sich in Lebensgefahr. Die Polizei warnt vor solchen reflexartigen Manövern und rät: „Auf das Tier draufhalten und dabei das Lenkrad gerade halten oder das Fahrzeug ruhig abbremsen.“

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erstellt am 14.Okt.2016 | 12:00 Uhr

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