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Mecklenburg-Vorpommern

05. Dezember 2016 | 01:28 Uhr

Intendant Joachim Kümmritz : Alles neu mit dem Neuen, der kein Neuer ist

vom
Aus der Onlineredaktion

Joachim Kümmritz ist seit dem 1. August Intendant am Rostocker Volkstheater. Er steht vor schwierigen Herausforderungen, doch er hat einen Plan

Antipasti beim Italiener, der Blick schweift über die Warnow, dazu ein Gedanke, der sich einbrennt: „Das Leben ist schön.“ Wenn Joachim Kümmritz mit dem Zug aus Schwerin kommt, sich dann auf sein Fahrrad schwingt, macht er auf seinem Weg zur Arbeit manchmal einen kleinen Umweg über den Stadthafen. 100 Meter trennen die Segelbootkulisse vom Intendantenbüro. Kümmritz ist seit dem 1. August der Neue am Volkstheater. Der neue Intendant in Rostock, aber kein Neuer in der Branche. Er kommt aus Schwerin. Ausgerechnet von dem Theater, mit dem das Rostocker Haus fusionieren sollte. Aber von vorn.

Die Theaterwelt fand Kümmritz im Jahr 1979 – oder fand Kümmritz die Theaterwelt? Er kam aus Berlin nach Schwerin. Theatermann war er damals noch nicht, sondern Ingenieurökonom. Ökonom ist er geblieben – nun muss er in Rostock mit „kleinem Geld“ haushalten. 1990 hatte Kümmritz zum ersten Mal Berührung mit der Intendantenrolle, zunächst als Stellvertreter. Von 1993 bis 1999 übernahm er die Geschicke des Geschäftsführenden Intendanten, ab 1999 war er Generalintendant – das alles am Mecklenburgischen Staatstheater. Nach 37 Jahren verabschiedete er sich in diesem Sommer von der größten Bühne des Landes. Er hatte das Rentenalter erreicht.

Doch der Vorhang ist für ihn noch lange nicht gefallen. Seit März 2014 ist Kümmritz Geschäftsführer und Intendant des Neustrelitzer Theaters. Auf die Frage, warum er sich nun ausgerechnet auch noch Rostock antue, antwortet er mit „weil ich mein Leben lang Theater mache. Ich kann ja nichts anderes.“ Kümmritz hat den ehemaligen Schweriner Chefdramaturgen, Ralph Reichel, als rechte Hand an seiner Seite. „Da sind zwei Irre gekommen, die das machen“ – ein Scherz, in dem ein wenig Wahrheit mitschwingt.

Denn über Rostock hat sich in der Vergangenheit ein Unwetter zusammengebraut – und die Wolken sind gefüllt mit Drama ums Theater. Kümmritz’ Vorgänger, Sewan Latchinian, wurde abberufen. Hinzu kommt ein erbitterter Streit mit dem Rathaus um die Zukunft des Volkstheaters. „Das Vier-Sparten-Konzept ist dummerweise nicht bis zu Ende gerechnet worden“, bedauert Kümmritz. Neben dem Konzert- und Musiktheater sind darin auch Schauspiel und Ballett vorgesehen. Doch ab 2021 sei dafür kein Geld mehr da. „Wir werden im Aufsichtsrat thematisieren wie damit umzugehen ist, grundsätzlich haben wir uns an das Konzept zu halten. Wir müssen aber auch Vorschläge unterbreiten wie es nach 2021 weitergehen soll.“ Die Situation am Rostocker Volkstheater sei schwierig und in der Vergangenheit gelegentlich schöngefärbt worden, sagt Kümmritz. Dauernd wechselnde Intendanten seien der Grund, weshalb keine Kontinuität in die Spielstätte käme. „Das ist sehr schwer für die Mitarbeiter. Man gewöhnt sich aneinander, weiß wie der blöde Theaterdirektor denkt, und dann kommt der nächste.“

Joachim Kümmritz kam als 16-Jähriger das erste Mal nach Rostock. „Ich kann nicht zählen, wie oft ich seither hier war.“ Im Volkstheater war er bis Anfang des Jahres nur als Gast. Doch auch als Intendant habe er sich schnell eingefunden. „Wir sind herzlich empfangen worden.“ Die Stimmung im Haus sei gut, nicht euphorisch, aber gut. Mit einem offenen, transparenten, ehrlichen und objektiven Umgang wolle Kümmritz versuchen das Vertrauen der Belegschaft zu gewinnen.

„Ich will die Leute nicht gegeneinander aufbringen.“ Sich im Krach rumzusuhlen, helfe niemanden. „Wir sind nicht hier, um zu klagen, sondern um zu lachen.“

Joachim Kümmritz bleibt mindestens zwei Jahre. Sein Vertrag läuft bis zum 31. Juli 2018. Er will bis dahin eine „Menge vorbereiten“. Auf dem Plan steht der Theaterneubau und auch eine „zweite vernünftige Spielstätte muss her“. Auf das ehemalige Theater im Stadthafen will sich Kümmritz allerdings nicht festlegen. Zusätzlich soll die Halle 207 Herberge eines Sommerspektakels werden. Und nach den zwei Jahren? „Dann weiß man nicht, wie das Leben weitergeht.“

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erstellt am 11.Okt.2016 | 05:00 Uhr

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