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Mecklenburg-Vorpommern

11. Dezember 2016 | 09:00 Uhr

Vergütung in MV : Ärztebereitschaft zu wenig wert?

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Die pauschale Vergütung ist in MV seit neun Jahren nicht verändert worden – trotzdem empfinden sie Auswärtige offenkundig als attraktiv

18 Euro pro Stunde – so hoch ist die Pauschale für einen Arzt in Mecklenburg-Vorpommern, der an Wochenenden, Feiertagen und in sprechstundenfreien Zeiten im Wochenverlauf den kassenärztlichen Bereitschaftsdienst übernimmt. Seit 2007 hat sich an dieser Pauschale nichts geändert, das geht aus der Antwort der Landesregierung auf eine Kleine Anfrage der Linken hervor. Die ist empört: „Dafür dürfen junge Mütter und alte Ärzte bei jedem Wetter, am Abend, in der Nacht und an den Wochenenden Patienten aufsuchen“, erregt sich der sozialpolitische Sprecher der Linken- Landtagsfraktion, Torsten Koplin.

Er hat recherchiert und herausgefunden, dass es in anderen Bundesländern durchaus anders geht: „In Thüringen erhalten Ärzte für den Bereitschaftsdienst mindestens 30 Euro pro Stunde. In Hessen sind es sogar 43 Euro“, so Koplin. Ihn ärgert, dass die Landesregierung hier keinen Handlungsbedarf sieht und die Gestaltung der Rahmenbedingungen der Kassenärztlichen Vereinigung (KV) überlässt. „Auch wenn es nur Pauschalen sind, die nicht unmittelbar mit der geleisteten Arbeit in Zusammenhang stehen, dürfte es für Ärzte in MV schwer zu vermitteln sein, dass ihre Arbeit im Bereitschaftsdienst für die Gesellschaft so viel weniger wert ist“, meint Koplin. „Ein Teil der Probleme im Rettungsdienst scheinen in Mecklenburg-Vorpommern jedenfalls auch hausgemacht zu sein.“

Die KV hält dagegen, dass eine flächendeckende medizinische Versorgung außerhalb der regulären Sprechzeiten in MV durchaus gewährleistet ist. 2007 sei der kassenärztliche Bereitschaftsdienst im Land grundlegend reformiert worden, so KV-Sprecherin Kerstin Alwardt. Damals hätten gerade auf dem Land mitunter pro Dienstbereich weniger als fünf Ärzte zur Verfügung gestanden. „Das führte in diesen Regionen dazu, dass die betreffenden Ärzte in jeder Woche nach ihrer Praxistätigkeit mindestens einmal in der Woche und jedes fünftes Wochenende Dienst hatten“, so Alwardt. Da die Häufigkeit des Bereitschaftsdienstes ein wesentliches Argument für oder gegen eine Niederlassung sei, hätte deshalb dringender Handlungsbedarf bestanden. Um einen Ausgleich zwischen den hoch frequentierten Diensten in der Stadt und den mitunter schlecht besuchten im ländlichen Bereich zu schaffen, sei damals außerdem die Bereitschaftspauschale von 18 Euro pro Stunde eingeführt worden. „Neben der Pauschale werden die erbrachten Leistungen anteilig vergütet“, betont Kerstin Alwardt. Dieses Vergütungsmodell sei so attraktiv, dass nach seiner Einführung über 100 zusätzliche Ärzte, auch aus anderen Bundesländern, für den Bereitschaftsdienst in MV gewonnen werden konnten.

Während hierzulande neben der Stundenpauschale auch noch Leistungen vergütet werde, ist das Alwardt zufolge in anderen Bundesländern nämlich nur eingeschränkt oder überhaupt nicht möglich. Die hiesige Vertreterversammlung der KV hätte sich seinerzeit auch deshalb gegen eine vollständige Pauschalierung der Bereitschaftsdienst-Vergütung ausgesprochen, weil diese auch zur Rationierung ärztlicher Leistungen führen könnte. Da die Pauschalen so, wie sie derzeit im Land gezahlt werden, wie auch alle anderen Leistungen des Bereitschaftsdienstes aus einer vom Gesetzgeber vorgegebenen budgetierten Vergütung finanziert würden, sei eine Erhöhung immer auch von deren Entwicklung abhängig, macht Alwardt deutlich. „Die Kassenärztliche Vereinigung Mecklenburg-Vorpommern fordert seit geraumer Zeit, dass gerade diese Leistungen außerhalb der budgetierten Gesamtvergütung von den Krankenkassen erstattet werden.“

Hintergrund: 2543 Ärzte in MV in Bereitschaft

Nach Angaben der Kassenärztlichen Vereinigung Mecklenburg-Vorpommern sind derzeit 2437 Vertragsärzte in den Bereitschaftsdienst eingebunden, weitere 106 Mediziner – zum Beispiel in Krankenhäusern beschäftigte oder solche, die sich bereits im Ruhestand befinden sowie Ärzte aus anderen Bundesländern – nehmen freiwillig daran teil.

Ausnahmen von der Teilnahme am Bereitschaftsdienst würden einer Sprecherin zufolge nur bei Vorliegen schwerwiegender Gründe gemacht. Schwere Erkrankungen oder Behinderungen gehören ebenso dazu wie die regelmäßige Teilnahme am Rettungsdienst. Auch können Frauen sechs Monate vor und 24 Monate nach der Geburt eines Kindes vom Bereitschaftsdienst befreit werden. Derzeit sind landesweit nach KV-Angaben 79 Vertragsärzte vom Bereitschaftsdienst befreit.

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erstellt am 15.Nov.2016 | 05:00 Uhr

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