zur Navigation springen

Mecklenburg-Vorpommern

25. September 2016 | 14:15 Uhr

Stralsund : Ältestes Seezeichen in der Ostsee

vom
Aus der Onlineredaktion

Was aussieht wie ein Mini-U-Boot von Kapitän Nemo, könnte eine Forschungssonde aus den Anfängen der Strömungsforschung sein

Vor dem Darß ist nach Einschätzung von Meerestechnik-Forschern die bislang älteste Metalltonne in der südlichen Ostsee entdeckt worden. Die zwei Meter lange, oval geformte und genietete Tonne sei vermutlich um 1850 entstanden, wie der Kurator für Meerestechnik am Deutschen Meeresmuseum, Michael Mäuslein, gestern in Stralsund sagte.

Der aus einem Schmiede-eisen bestehende Schwimmkörper war im Februar 2013 nach Hinweisen des Bundesamtes für Seeschifffahrt und Hydrographie vom Mehrzweckschiff „Arkona“ rund zehn Seemeilen nördlich des Darßer Orts vom Meeresgrund geborgen worden. Der Fund habe die Mannschaft überrascht, sagte Dirk Berger, Mitarbeiter des Wasser- und Schifffahrtsamtes Stralsund. Erste Spekulationen, dass es sich um eine Seemine oder ein Mini-U-Boot handeln könnte, bestätigten sich nicht.

Ähnliche vom englischen Dockmeister George Peacock konstruierte Tonnen und Baken seien Mitte des 19. Jahrhunderts im Ärmelkanal eingesetzt worden, sagte Mäuslein. Rätselhaft bleibt, wie die Tonne in die Ostsee kam. Denn Nachweise von Peacock-Tonnen seien bislang für die Ostsee nicht bekannt. „Daher ist der Fund für die Ostsee historisch und technisch von überaus großer Bedeutung.“

Die Experten haben verschiedene Theorien: Möglicherweise sei dieses Exem-plar in der Ostsee als Forschungstonne eingesetzt worden, um Strömungsverhältnisse zu messen. Darauf lasse die ovale Form und der Kiel mit Strömungsfahne an der Unterseite des Schwimmkörpers schließen, sagte Mäuslein. Die Fundstelle befinde sich zudem nahe der Darßer Schwelle, wo sich die Strömungsverhältnisse ändern. In der Nähe betreibt heute auch das Institut für Ostseeforschung Warnemünde eine Tonne mit Messstation.

Ob dies allerdings bereits Mitte des 19. Jahrhundert passierte, ist fraglich. Denn an der Tonne wurden vermutlich Mitte der 1920er- Jahre Schweißarbeiten durchgeführt. Deshalb könne es vorstellbar sein, dass erst dann die Tonne vor dem Darß in die Ostsee kam.

Mäuslein schließt aber auch nicht aus, dass die Tonne mit weiteren anderen während des ersten Weltkrieges ausgelegt wurden, um zwischen ihnen Netze zu spannen, mit denen U-Boote abgefangen werden sollten.

Vor den Fachleuten liegt noch eine Menge Recherchearbeit. Vor allem in Stettiner Archiven erhoffen sie weitere Informationen. Nach Angaben Mäusleins war auf dem Schwimmkörper ursprünglich noch ein Gittermast angebracht, an dem Leuchten oder Messinstrumente installiert gewesen sein könnten.  

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Themen zu diesem Artikel:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen