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Mecklenburg-Vorpommern

30. Juli 2016 | 01:39 Uhr

10. Storchentag MV : Adebar kehrt immer früher zurück

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Die ersten Störche sind zurück in MV. Sie haben den Winter in Spanien verbracht – und sich auf Müllkippen ernährt. Naturschützer fordern besseren Schutz der Vögel.

Am frühem Morgen herrschen noch kühle Temperaturen, trotzdem sind bereits die ersten Störche in Mecklenburg-Vorpommern eingeflogen. Die Vögel kehren immer früher aus ihren Winterquartieren zurück. „Wenn vor 30 Jahren ein Storch Ende März ankam, war dass eine Ausnahme“, sagt Helmut Eggers vom Naturschutzbund (Nabu) zum 10. Landesstorchentag am Sonnabend in Karow. Jetzt seien einige Horste schon Ende Februar besetzt. Die ersten Rotschnäbel wurden unter anderem im Landkreis Ludwigslust-Parchim, an der Mecklenburgischen Seenplatte und im Boizenburger Raum gesichtet.

Bei den flotten Fliegern handele es sich meist um Tiere, die über die Westroute über Spanien und Frankreich aus Afrika in den Norden ziehen. Einige überwinterten erst gar nicht an der afrikanischen Westküste, sondern blieben in Spanien. Die Großvögel bevorzugten den Mittelmeerstaat aufgrund seines reichhaltigen Nahrungsangebotes. Vor allem auf Mülldeponien fänden Störchen reichlich Futter wie Fleisch- und Fischreste – aber auch auf den zahlreichen Reisfeldern, erklärt Eggers. Im Frühjahr sei der Rückweg nach Nordosten kürzer, so dass sie früher wieder da seien. Der Großteil der hierzulande brütenden Tiere fliege jedoch die Ostroute über die Türkei und Osteuropa in Richtung Sommerquartier. Ihre Wege dauern länger. Im Schnitt benötigen die Störche fünf bis sieben Wochen.

Die zeitige Rückkehr ist für Weißstörche kein Problem, zumindest solange das Wetter mitspielt. Nachtfröste schadeten nicht, so der Nabu-Experte, eine Schneedecke aber schon. Dann hätten es Rotstrümpfe schwer, ausreichend Nahrung zu finden. Doch mit einem solchen Wintereinbruch rechnet Eggers jetzt nicht mehr.

Größere Sorgen bereitet ihm der Storchennachwuchs. So habe sich die Population und damit auch die Zahl der Jungtiere in Mecklenburg-Vorpommern nach einem Einbruch 2005 noch nicht erholt. Während 2004 noch 1142 Paare 2427 Junge großzogen, brüteten ein Jahr später lediglich 834 Brutpaare 1112 Jungtiere aus. „Ein drastischer Abfall von 30 Prozent“, sagt Eggers. Der Experte nennt unter anderem Nahrungsprobleme in den Überwinterungsgebieten und widrige Witterungsumstände entlang der Flugrouten ursächlich für die hohen Verluste. Im vergangenem Jahr kümmerten sich 860 Storchenpaare um 1527 Jungvögel.

In anderen Bundesländern hingegen steige der Bestand wieder deutlich an, liege teils sogar über dem Niveau von vor mehr als zehn Jahren. Die Gründe dafür sieht Eggers in der Landwirtschaft in Mecklenburg-Vorpommern. Immer mehr Saatgras- Mais- und Rapskuluren verdrängten Grünland. Damit verschwinde auch eine wichtige Futterquelle für Störche. Auf den naturbelassen Flächen finden die Vögel vor allem Käfer, Insekten und Mäuse.

Der Nabu fordert daher ein landesweites Storchenschutzprogramm, das die Lebensbedingungen für die Großvögel in MV verbessert. „Es müssen Flächen wieder hergerichtet und neue geschaffen werden, die den Vögeln als Nahrungsgrundlagen dienen können“, erläutert der Nabu-Experte.

Das Umweltministerium sieht eine besondere Verantwortung des Landes für den Erhalt der Störche – schließlich beherbergten Mecklenburg-Vorpommern und Brandenburg zusammen den höchsten Anteil der Weißstorch-Brutpopulation von Deutschland. Um den Bestand der Tiere wiederzubeleben unterstütze das Land Maßnahmen zum Schutz und der Entwicklung von Lebensräumen des Storches. So stelle die Landesregierung Mittel in Höhe von 357 Millionen Euro bis 2020 bereit, um unter anderem die Landwirtschaft ökologisch aufzuwerten und damit die Nahrungsbedingungen für Weißstörche zu verbessern.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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erstellt am 27.Mär.2015 | 20:45 Uhr

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