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Mecklenburg-Vorpommern

29. August 2016 | 04:00 Uhr

Badeunfälle in MV : Acht Menschen in einer Stunde

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Lebensretter fordern mehr bewachte Strände und einen besseren Schwimmunterricht / Tourismusverband mahnt Urlauber zur Vorsicht

Ein Wochenende wie dieses hat der langjährige Rettungsschwimmer Peter Prussakowski noch nie erlebt. Bei hohem Wellengang an der Ostsee und einer starken Unterströmung mussten die Retter am Strand von Sellin auf der Insel Rügen am Sonntagnachmittag innerhalb einer Stunde acht Menschen aus dem Wasser ziehen. Sieben wurden lebend geborgen, für einen 56-jährigen Familienvater aus Langenhagen (Niedersachsen) kam jede Hilfe zu spät.

Deutschlandweit wurden 18 Badetote beklagt, darunter in Seen in Berlin, Brandenburg, Oberfranken, Hessen oder Nordrhein-Westfalen. Es ist die tragische Bilanz eines heißen Sommerwochenendes: Sonne satt und Rekordtemperaturen hatten Hunderttausende Deutsche an die Strände gezogen – einige haben ihre Kräfte überschätzt.

Experten sind sich sicher: Das „Seepferdchen“ und Schwimmbaderfahrungen in einem wohltemperierten, nahezu wellenfreien Becken reichen nicht aus, um gewappnet für natürliche Gewässer zu sein. „Wer in einem freien Gewässer baden geht, sollte sicher schwimmen können“, sagte die Einsatzleiterin der Deutschen Lebensrettungsgesellschaft (DLRG) an der Ostseeküste, Mai Bartsch, in Stralsund. Ungeübte gerieten bei Wellen schnell in Panik.

Hinzu kommt ein Phänomen der älter werdenden Gesellschaft: Ältere, die ein Jahr zuvor noch drahtig ihre Bahnen zogen, erleiden vor Überanstrengung einen Herzinfarkt. Nach Angaben der DLRG sind die Hälfte der Badetoten älter als 50 Jahre. Wenn Bewusstlose nicht sofort aus dem Wasser gezogen werden, droht ihnen der Ertrinkungstod.

Im vergangenen Jahr starben 446 Menschen beim Baden in Seen, Flüssen, Schwimmbädern oder Meeren - nach einem Rekordtief 2012 waren die Zahlen im „Supersommer 2013“ wieder in die Höhe geschnellt. Doch das Superwetter für die Badetoten verantwortlich zu machen, sei zu kurz gegriffen: Rund 80 Prozent der Badetoten waren 2013 an unbewachten Stränden zu beklagen, wie der DLRG-Bundessprecher Martin Janssen sagte. Um Kosten und Verantwortung zu sparen, stellten Eigentümer lediglich Schilder mit der Aufschrift „Baden verboten“ oder „Baden auf eigene Gefahr“ auf. Und noch eine weitere Entwicklung beunruhigt die Rettungsorganisationen. Jeder zweite Grundschulabgänger sei kein guter Schwimmer, sagte Janssen. Die Schließung von Schwimmbädern dürfe nicht dazu führen, dass Kindern der Zugang zum Schwimmunterricht verwehrt werde.

In MV mit allein sieben Badetoten am Wochenende appellierte der Tourismusverband an die Vernunft der Urlauber. „Die Ostsee ist nicht unberechenbarer geworden“, sagte Verbandsgeschäftsführer Bernd Fischer. Urlaub an der Küste heiße Urlaub in der Natur. „Das bedeutet, dass man sich mit den Risiken in der Natur auseinandersetzen muss.“

 

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